Unterengstringen
«Dorfbilder – gestern und heute»: Im Gemeindehaus schwelgten die Besucherinnen und Besucher in Erinnerungen

100 Unterengstringerinnen und Unterengstringer konnten nach einer langen Coronapause endlich wieder an eine Ausstellung. Dieses Mal durften sie sich mit ihrem eigenen Geschichtsbild befassen.

Isabelle Piccand
Drucken
Ausstellungsorganisator Harry Heusser und Paul Isenring, Obmann des Ortsmuseums Unterengstringen, vor einer Tafel mit Bildern des «Lisebethli».

Ausstellungsorganisator Harry Heusser und Paul Isenring, Obmann des Ortsmuseums Unterengstringen, vor einer Tafel mit Bildern des «Lisebethli».

Bild: Isabelle Piccand

Nach einer mehrjährigen, coronabedingten Zwangspause geht in Unterengstringen endlich wieder die traditionelle Kunstausstellung über die Bühne. Am Donnerstag fand die Vernissage zur Ausstellung «Dorfbilder – gestern und heute» statt. Wie der Titel erahnen lässt, stellt die diesjährige Ausgabe der lokalen Kunstschau das heutige Unterengstringen dem vergangenen gegenüber.

Neu ist auch, dass die Werke nicht mehr wie früher im Singsaal des Schulhauses Büel präsentiert werden, sondern im neuen Gemeindehaus an der Dorfstrasse 13. So konnten die rund 100 Besucherinnen und Besucher, die an diesem Abend zugegen waren, auf drei Etagen die Geschichte ihres Dorfes in Bildern erleben.

Besucher diskutieren angeregt über Kunst und Geschichte an der Vernissage «Dorfbilder – gestern und heute» im Gemeindehaus Unterengstringen.
5 Bilder
An der Vernissage wurde in Erinnerungen geschwelgt.
Gemeindepräsident Marcel Balmer (SVP) spricht mit Liz Bundi aus Unterengstringen.
Oscar Bamert aus Unterengstringen diskutiert vor dem Abbild des alten Gemeindehauses Unterengstringen mit dem Gemeindepräsidenten Marcel Balmer (SVP).
Bild des «Lisebethli» im Tram-Museum. Die Bahn verkehrte unter anderem zwischen Schlieren, Unterengstringen und Weiningen.

Besucher diskutieren angeregt über Kunst und Geschichte an der Vernissage «Dorfbilder – gestern und heute» im Gemeindehaus Unterengstringen.

Isabelle Piccand

«Wir definieren uns immer neu über unsere Geschichte, über Traditionen und Sitten», sagte Harry Heusser, Organisator und Mitglied der Kommission für kulturelle Aufgaben, an der Eröffnungsrede. Drei intensive Monate habe er für die Ausstellung aufgewendet. «Mit Erfolg», meinte Liz Bundi aus Unterengstringen. «Das Gesamtbild der Ausstellung ist wunderschön historisch aufbereitet – ich bin fasziniert und freue mich, die ganze Ausstellung genau studieren zu können.»

Die Geschichte von gestern definiert das Heute

An der Ausstellung erfährt man, dass Unterengstringen einst ein Hotspot für Kunstschaffende war. «In Unterengstringen haben sich viele Künstler aufgehalten wie Johannes Itten, Otto Baumberger und die drei Gubler-Brüder», so Heusser. Warum genau in Unterengstringen, konnte man an diesem Abend im regen Austausch mit den Besuchern diskutieren.

War es etwa die schöne Aussicht über das Limmattal, die zur Inspiration anregte? Fragen über Fragen. Solche Gespräche freuten Gemeindepräsident Marcel Balmer (SVP): «Genau so soll der Austausch über die Geschichte der Unterengstringerinnen und Unterengstringer stattfinden, so entsteht Identifikation.» Und das Gemeindehaus sei dafür der ideale Ort, es solle ein Ort der Begegnung sein.

Das «Lisebethli» darf nicht fehlen

Auf einem der Bilder war das «Lisebethli» zu sehen. Ab 1901 hatte die Limmattal-Strassenbahn nicht nur Zürich mit Dietikon, sondern auch Schlieren mit Unterengstringen und Weiningen verbunden.

Paul Isenring, Obmann des Ortsmuseums und ehemaliger Geschichtslehrer aus Unterengstringen, bedauert, dass er nie damit fahren konnte. Und Organisator Heusser ergänzte: «Damals gab es in Unterengstringen nur etwa drei Autos und die Strassenbahn – Unfälle mit Passanten waren vorprogrammiert, denn die Leute waren damals noch nicht an die Strassenbahn gewohnt.»

Dahlien-Tourismus

Weiter erfahren die Besucherinnen und Besucher, dass das Gartencenter Hoffmann weit über die Kantonsgrenze hinaus grossen Erfolg mit ihrer Dahlienschau feierte. Gestartet im Jahr 1907 mit 18 verschiedenen Dahliensorten, zeigte die Schau knapp 60 Jahre später rund 1650 Sorten. Die letzte Schau fand 2003 statt. «Die Dahlienschau war ein beliebtes Ausflugsziel, das Flanieren zwischen den Dahlien sehr beliebt», sagte Heusser. Heute steht auf dem Gelände des damaligen Blumenfelds die Überbauung Dahlienpark.

Auch an den «Sennenbühl» konnte sich noch manch Unterengstringer erinnern. Heute steht an seiner Stelle zwar die Post, allerdings erinnert die Bushaltestelle, die sich ebenfalls dort befindet, noch an das beliebte Ausflugsrestaurant, das einst mit 400 Sitzplätzen, zwei Kegelbahnen, einem Kinosaal und einer langen Rutschbahn ausgestattet war. Die Ausstellung «Dorfbilder – gestern und heute» hat viel zu bieten. Bis zum 25. November kann sie im Gemeindehaus in Unterengstringen besucht werden.