Unterengstringen
«Das Motiv bleibt lange ein Rätsel»: Erika Schlatter empfiehlt einen authentischen Justiz-Krimi

Im neusten Bibliothekentipp geht es um einen flüssig und locker geschriebenen Krimi mit kurzen Kapiteln. Das Werk «Die 7. Zeugin» überzeugt.

Karin Baeriswyl *
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Zufrieden mit dem neuen Buch von Michael Tsokos: Erika Schlatter.

Zufrieden mit dem neuen Buch von Michael Tsokos: Erika Schlatter.

zvg

Erika Schlatter, passionierte Krimi- und Thriller-Leserin, arbeitet seit 15 Jahren in der ­Bibliothek Unterengstringen. Sie freut sich auf einen hoffentlich schönen Sommer mit geöffneten Restaurants und Cafés, denn nichts macht sie neben dem Krimi-Lesen ­lieber, als mit Freundinnen oder der Tochter durch die Stadt Zürich zu bummeln, die Schaufenster zu bewundern und anschliessend gemütlich auf einen ­Kaffee oder ein Glas Wein in einem Gartenrestaurant einzukehren.

Erika, man kann, glaube ich, sagen, dass du ein Fan von Michael Tsokos bist?

Erika Schlatter: Das stimmt, ich finde, dass Tsokos mit seinem Fachwissen als Rechtsprofessor und Experte der Forensik seine Storys immer sehr authentisch erscheinen lässt. Tsokos schreibt eigene Krimis und Sachbücher, aber auch ab und zu gemeinsam mit anderen Autoren, unter anderem mit Sebastian Fitzek. Deshalb war ich auf die neue Autorenbesetzung mit dem ehemaligen Strafverteidiger Florian Schwiecker sehr gespannt.

Worum geht es in diesem Krimi?

Der Verwaltungsangestellte und Familienvater Nikolas Nölting geht wie jeden Sonntag in die Bäckerei um Brötchen zu holen. An diesem Morgen aber zieht er eine Waffe, schiesst um sich und lässt sich an­schliessend anstandslos fest­nehmen. Danach schweigt er. Mit Unterstützung von Rechtsmediziner Justus ­Jarmer übernimmt der Anwalt Rocco ­Eberhardt die Verteidigung. Das Motiv der Tat bleibt den ­beiden lange ein Rätsel, bis ­Justus Jarmer eine überraschende Entdeckung macht, die ­Aufschluss über die Tat geben könnte. Die zwei geraten dabei in einen Sumpf aus ­Korruption, Geldwäscherei, Gewalt und Clan-Kriminalität in der ­­Berliner Unterwelt.

Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Ja, der Krimi ist flüssig, locker und in kurzen Kapiteln ge­schrieben. Vor allem die Szenen aus dem Schwur­gerichtssaal wirken für mich sehr lebendig und authentisch. Die Ver­handlungen verschaffen den Leserinnen und Lesern ­detaillierte Einblicke in das ­Geschehen und die Welt der ­Justiz. Die beiden Ermittler müssen sich in ihren Rollen noch etwas finden, aber der Cliffhanger zum Schluss des Buches verrät, dass auf jeden Fall ein zweites Buch zu erwarten ist. Darauf freue ich mich.

Wem empfiehlst du diesen Krimi?

Allen, die Bücher von Tsokos per se mögen und allen, die die Authentizität eines Justiz-Krimis zu packen vermag, weil die Charaktere der Protagonisten, deren Überlegungen und Handlungen durch das Know-how der beiden Autoren überzeugen können.

* Karin Baeriswyl ist die Leiterin der Bibliothek Unterengstringen.

«Die 7. Zeugin»: Justiz-Krimi von Florian Schwiecker und Michael ­Tsokos. Verlag Knaur, München, 2021. 320 Seiten. ISBN: 978-3-426-52755-9.