Limmattal

Unter 10-Jährige sollen nur noch mit Ausweis in die Badi dürfen

In der Badi Urdorf werden die Kinder an der Kasse nach ihrem Alter gefragt. Nur wer über zehn Jahre alt ist, darf ohne Begleitung schwimmen gehen.Christian Murer

In der Badi Urdorf werden die Kinder an der Kasse nach ihrem Alter gefragt. Nur wer über zehn Jahre alt ist, darf ohne Begleitung schwimmen gehen.Christian Murer

In Dietikon und Schlieren dürfen Kinder bereits ab der ersten Klasse ohneBegleitperson in die Badi – Schwimmtrainerin Ursula Hintermeister findet das fahrlässig

Noch immer ist Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern, wie eine Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung belegt. Und auch nicht tödliche Badeunfälle können bei Kindern zu schweren Folgeschäden im Gehirn führen. Trotz diesen Zahlen dürfen die jungen Wasserratten vielerorts aber bereits ab der ersten Klasse ohne erwachsene Begleitung im Freibad schwimmen gehen. Ursula Hintermeister, Leiterin der Schwimmschule Limmattal, findet das fahrlässig. Kinder unter zehn Jahren seien sich den Gefahren, die das Wasser berge, noch gar nicht bewusst, sagt sie. Die Expertin empfiehlt deshalb allen Eltern, ihre Kinder den Wassersicherheitscheck absolvieren zu lassen.

Der Kurs kommt ursprünglich aus Kanada und wurde nach und nach auch von hiesigen Schwimmschulen aufgenommen, um gezielt die Tiefwassersicherheit der Kinder zu verbessern. Der Wassersicherheitscheck setzt sich aus drei Aufgaben zusammen, die die Kinder ohne Pause absolvieren müssen: Ins Becken purzeln, sich eine Minute vor Ort über Wasser halten, 50 Meter ohne anhalten oder abstehen schwimmen und dann aussteigen, ohne die Leiter zu benutzen. Alle drei Übungen simulieren, wie sich die Kinder bei einem Sturz ins Wasser richtig verhalten sollten. «Tausende Kinder machen den Ausweis jedes Jahr. Es kommen immer mehr dazu», sagt Hintermeister. Es sei nun dringend an der Zeit, dass alle Badis von Kindern unter zehn Jahren einen solchen Ausweis beim Einlass in die Anstalt verlangen. Andernfalls solle ihnen der Badibesuch nur mit einer erwachsenen Aufsichtsperson gestattet werden.

Badis verlangen keinen Check

Die Nachfrage bei den Limmattaler Badis zeigt: Jede Gemeinde regelt die Alterslimiten unterschiedlich. Einen Wassersicherheitscheck verlangt bisher noch keine der Badeanstalten. Im Fondli in Dietikon beispielsweise dürfen vorschulpflichtige Kinder nur mit einer erwachsenen Person ins Freibad. Schüler dürfen das Bad aber dann alleine besuchen, müssen es jedoch jeweils um 18 Uhr verlassen. Verantwortlich für die Kinder seien aber in jedem Fall die Eltern, sagt Bruno Rabe, Leiter für Amt und Umwelt der Stadt Dietikon. Dass Kinder einfach an der Kasse abgegeben werden könnten und von den Bademeistern beaufsichtigt würden, sei ein verbreiteter Irrglaube von Eltern.

Ähnlich sieht es in der Biobadi Im Moos in Schlieren aus. Kinder ab sechs Jahren dürfen hier das Freibad ohne Aufsicht besuchen. «Bei uns funktioniert das problemlos», sagt Chefbademeister Mihajlo Nikic. Die Kinder kämen immer in Gruppen. Da die Badi überschaubar sei, habe man einen guten Überblick über das Geschehen auf dem Areal.

Keine Kinder unter zehn Jahren

Strenger handhabt es die Badi Urdorf Weihermatt. Kinder unter zehn Jahren werden nicht ohne Begleitung hereingelassen. An der Kasse wird jedes Kind nach dem Alter gefragt. Mit diesem System fahre man sehr gut, sagt Betriebsleiter Hans Käser. Schon seit 2010 sei die Alterslimite festgelegt. Es komme nur noch ganz selten vor, dass jüngere Kinder alleine ins Freibad wollten. «Ich muss den Urdorfer Eltern da wirklich ein Kompliment aussprechen», so Käser. Der Grossteil sei sich bewusst, dass es für kleinere Kinder eine Gefahr darstellt, das Freibad alleine zu besuchen. Den Wassersicherheitscheck sieht er zwar als gutes Angebot, will diesen aber nicht in Urdorf einführen. Kinder unter zehn Jahren könnten Gefahren schlecht einschätzen und noch keine Eigenverantwortung übernehmen, findet er – Ausweis hin oder her.

Im Abzeichen integriert

Ursula Hintermeister ist trotzdem überzeugt, dass sich der Wasser-Sicherheitscheck längerfristig durchsetzen wird. Immer mehr Badeanstalten verlangten den Ausweis von Kindern, sagt sie. Als gutes Beispiel gehe das Hallenbad Geroldswil voran. Dort sei der Check bereits Pflicht. Besuchern unter zehn Jahren würde der Eintritt ohne Begleitperson und Ausweis verwehrt. Erfreulich sei zudem, so Hintermeister, dass der Wassersicherheitscheck mittlerweile in die Schwimmtests integriert worden ist. Wenn ein Kind die siebte Stufe der Grundlagetests 1–7 von swimsports, den «Eisbären», besteht, hat es automatisch auch den Wassersicherheitscheck bestanden.

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