Beachsoccer
«Unsere Erfolge haben wir im Limmattal geschafft»: Yannick Echave kämpft um den Schweizer Meistertitel in Spiez

Der Geroldswiler Yannick Echave spielt heute um den Schweizer Beachsoccer-Meistertitel in Spiez. Wie es dazu kam.

Clara dos Santos Buser
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Yannick Echave
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 Seine Leidenschaft für den Sport hat er auf seinem Trizeps verewigt.
 Zweimal in der Woche unternimmt Echave die kurze Autofahrt vom Standort seines Arbeitgebers, des kantonalen Steueramtes in Altstetten, zu den Trainingsplatz des GC auf dem Juchhof in Schlieren.

Yannick Echave

Alex Spichale

Ein Landschaftsbild ziert die hellbraune Haut seines Trizeps: Rechts eine dünne Palme, im Hintergrund trifft die untergehende Sonne das weite Meer. Aus den Rahmen dieses paradiesischen Bildes fällt ein Fussball. Das Motiv schmückt den Arm von Yannick Echave, 24, Kurzhaarfrisur, weisses Lächeln zur Kamera.
«Ich will die Schweiz in der Beachsoccer-Nationalmannschaft vertreten», sagt der junge Mann.
Wie bitte?
Die Schweiz, dieses Binnenland im Herzen von Europa, hat eine Nationalmannschaft für Strandfussball?
Jawohl.

Schnell und dynamisch, so lässt sich Beachsoccer kurz schildern. Ein Goalie und vier Feldspieler starten auf dem Sandfeld. Fünf Ergänzungsspieler, die frei wechselbar sind, warten ab. Das Spiel teilt sich in drei Zeitabschnitten, die je 12 Minuten dauern. Es sind 36 Minuten reine Spielzeit, denn bei einem Foul wird die Uhr gestoppt. Wer Beachsoccer spielt, macht dies grösstenteils als Amateur. Die Mehrheit der Topspieler geht einem anderen Haupterwerb nach.
Trotz alledem: Yannick Echave sagt, das sei sein Traum. Dann präzisiert er seine Aussage: «Nein. Es ist mein Ziel, mit der nationalen Elite Beachsoccer zu spielen.»

Rasenfussball im Sand verlaufen

Zweimal in der Woche unternimmt Echave die kurze Autofahrt vom Standort seines Arbeitgebers, des kantonalen Steueramtes in Altstetten, zum Trainingsplatz des GC auf dem Juchhof. «Es ist befreiend, nach einem Arbeitstag barfuss im Sand zu stehen. Beim Beachsoccer kann ich abschalten», erzählt der junge Spieler kurz vor einer Trainingseinheit mit den Sandhoppers.

Dabei stand er vor einigen Jahren noch auf dem Rasen. In Geroldswil aufgewachsen, spielte Echave «wie die meisten Buben» in seiner Kindheit Rasenfussball. Weder sein spanischer Vater noch seine Schweizer Mutter hatten Einfluss darauf, dass aus ihrem Sohn ein leidenschaftlicher Hobby-Fussballer wurde. Eher wurde der junge Yannick vom Cousin seiner Mutter, dem ehemaligen Fussballprofi Marc Hodel, beeinflusst. «Als Kind spielte ich auf der Schulhauswiese, denn damals gab es in Geroldswil kein Spielfeld», sagt Echave.

Angefangen hat er als Verteidiger, «doch ich musste bei Bedarf in allen Positionen spielen», erinnert er sich. Nach der Fussballschule beim FC Oetwil-Gerolswil spielte er in der dritten Liga beim FC Altstetten. Für eine Karriere im Profifussball genügte die pure Freude am Ball jedoch nicht. «Ich war im sportlichen Sinne ein Spätzünder. Das gewisse Etwas fehlte mir damals, um gross zu werden.» Dann kam der Schlag: 2015 spürte Echave zunehmend Schmerzen im linken Knie. Ein Verschleiss zwang ihm zur Operation, der Heilungsprozess dauerte acht Monate. «Es hat wehgetan, die Mannschaft zu begleiten und nicht mitmachen, sondern nur zuschauen zu dürfen.» Mit Physiotherapie und Krafttraining baute Echave seine Kondition allmählich wieder auf.

Er distanzierte sich vom Rasen und konzentrierte sich stattdessen auf seine Weiterbildung. Die Samstage waren nun für die Schule reserviert. Im Jahr 2017 schloss er sein Handelsdiplom ab während sein Coucousin Glenn Hodel als Stürmer in der Beachsoccer-Nationalmannschaft brillierte. Echave schrieb ihm eine Nachricht, Beachsoccer weckte seine Neugierde. Er wusste, dass er sich vom Mannschaftssport nicht trennen wollte. «Ich mag nicht alleine sein», sagt Echave. Nach einer acht monatigen Genesungspause wollte er wieder aktiv werden.

Agilität und Flexibilität

Der Geroldswiler musste sich beweisen: Es brauchte acht Wochen Probetraining auf dem Juchhof 1, bis ihn das Team endlich aufnahm. «Sie schauten nicht nur auf die Qualität meines Spiels, sondern auch darauf, ob ich ins Team passe.»
Heute spielt er mit bedeutenden Spielern der Nationalmannschaft wie Dejan Stankovic und Noel Ott. «Sie sind das Mass aller Dinge im Beachsoccer», sagt Echave. «Es ist ein Luxus, mit Noel und Dejan spielen zu dürfen.» Er profitiere immens vom Können seiner Mitspieler, und sie spornten ihn an, besser zu werden: «Ich betrete den Sand als Erster und bin häufig der Letzte, der den Platz verlässt.» Was ihm an sportlicher Genialität mangelt, ersetzt Echave durch Wille und Durchhaltevermögen. «Ich trainiere fleissig und versuche, mich korrekt zu ernähren», sagt er.

 Yannick Echave, Mittelfeldspieler (links) kämpft um den Ball mit dem Stürmer Rico Keller.
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 Yannick Echave Beachsoccer-Meisterschaft in Spiez.
 Yannick Echave (Mitte) kämpft um den Ball und um den Schweizer Meistertitel in Spiez. Der Geroldswiler spielt seit etwas mehr als einem Jahr Beachsoccer.
 Yannick übt einen Fallrückzieher aus.

Yannick Echave, Mittelfeldspieler (links) kämpft um den Ball mit dem Stürmer Rico Keller.

zvg

Doch was fasziniert ihn so an Beachsoccer? «Im Beachsoccer ist technisches Geschick gefragt, die Spieler müssen flexibel sein und schnell agieren. Wenn Körper und Kopf nicht im Einklang stehen, dann kann es nicht gut gehen.» Auf dem Sand zu spielen sehe einfach aus, doch das entspreche keineswegs der Realität. «Der Ball soll immer fliegen, und sobald du ihn empfängst, sollst du ihn entweder weiterspielen oder damit Tore schiessen.»

Lachanfall beim ersten Tor

An sein erstes Goal für GC erinnert er sich genau: «Der Mitspieler machte einen Fallrückzieher, der Schuss wurde abgewehrt. Dann berührte mich der Ball und ging ins Goal. Ich habe wie blöd gelacht. Ein blöder Prellball war mein erstes Goal!»
Und was denken andere über seine Leistungen?

«Yannick ist bei uns zwar ein Frischling, aber er zeigt seine Hilfsbereitschaft für das Team», sagt Stürmer Rico Keller, der seit neun Jahren Beachsoccer bei GC spielt. Bei Echave gebe es kein schlechtes Wetter: «Er bietet sich für die Putzarbeit an, auch zum Einkaufen – Du musst ihn nicht zweimal fragen.» Keller findet es erstaunlich, wie schnell er und Echave beste Kollegen innerhalb des Teams geworden sind. Es mag wegen dieser Freundschaft sein, dass Keller auch Echaves Schwächen aufzählen kann: «Es ist immer schwierig, sich an den neuen Spielfluss zu gewöhnen, wenn man von Rasenfussball kommt.» Die direkte Abnahme des Balls, die Volleys – das seien alles Herausforderungen, auch für Echave. «Und natürlich will Yannick wegen seiner zuvorkommenden Art auch während des Matches den Leuten helfen.» Dabei solle er sich auf sich selber konzentrieren, denn «wir alle spielen schon ziemlich lange Beachsoccer.»

Wenig bekannte Sportart

Obwohl die Schweiz aktuell den 7. Platz im internationalen Beachsoccer-Ranking belegt, ist diese Variante des Fussballs hierzulande weniger bekannt. «Das finde ich sehr schade, denn die Leistungen unserer Nationalmannschaft beweisen, dass wir gut sind», sagt Echave. Es sei schwierig, Sponsoren zu finden, die Beachsoccer-Vereine unterstützen würden. «Auch deswegen versuchen wir vom GC, nächstes Jahr ein Sondertraining für Kinder anzubieten.» Er will das Beachsoccer in der Region popularisieren. «Unsere Erfolge haben wir im Limmattal geschafft. Unser Zuhause ist hier!»

Diese Saison, die im Juni anfing und bis Ende August dauert, ist die erfolgreichste der Sandhoppers überhaupt. Die Herren spielten am Freitag das Cupfinale und bestreiten heute das Endspiel um die Schweizer Meisterschaft in Spiez (BE). Die Damen sind ebenfalls im Cup-Halbfinal und spielen heute vor den Herren um den Schweizer Meistertitel. Echave sagt begeistert: «Wenn alles zu unseren Gunsten läuft, dann holen wir uns gleich vier Titel!»
Neben dem Spielfeld und der Arbeit gibt es auch einen anderen Yannick Echave. Dieser ist auch athletisch, geht schwimmen und ins Fitnessstudio, nimmt aber nicht nur Hanteln, sondern auch Bücher in die Hand. «Ich lese gerne Biografien von Sportlern», sagt er. Letztens las er «Ich bin Zlatan» vom schwedischen Fussball-Star Zlatan Ibrahimović. Echave verbringt seine Zeit gerne mit seiner Familie und seinen Freunden, die er als «meine Leute» bezeichnet. «‹Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Meine Mutter versucht, so oft wie möglich bei den Matches dabei zu sein. Und sie zeigt Verständnis für den Sand in der Wohnung», sagt er.

Auf die Frage, wo er sich in Zukunft sieht, sagt er: «In zehn Jahren bin ich hoffentlich immer noch auf dem Sand tätig – als Spieler oder als Trainer. Ich kann hoffentlich auf schöne Momente mit dem GC und auf eine rundum verletzungsfreie Karriere zurückschauen. Idealerweise in der Nationalmannschaft.» Echaves Gesicht leuchtet. Sein persönliches Ziel ist es, bereits an der Weltmeisterschaft nächstes Jahr mitzumachen. «Aber das ist nicht realistisch. Daher gebe ich mir fünf Jahre. Wie schön das wäre!» Mit 34 Jahren erhofft er sich auch, verheiratet und Vater zu sein.

Aber bis dann gibt er sich viel Zeit, um seine Leidenschaft in vollen Zügen auszuleben. «Beachsoccer ist nicht nur ein Sport, es ist auch eine offene Community weltweit.» Rasenfussball sei eintönig geworden. Beachsoccer, im Gegenteil, sei kurzlebig und spontan. «Mir hat Beachsoccer extrem viel gegeben. Mein Tattoo ist eine Liebeserklärung an diesen Sport.»