Coronavirus
Unser Praktikant berichtet von der Front und sagt, wie viel wert ein Telefon im Militär ist

Wegen der Coronakrise musste Joël Decurtins, Praktikant der Limmattaler Zeitung, ins Militär einrücken. Wie es ihm dabei ergeht, berichtet er in seiner Kolumne. Diese Woche erzählt er, wie wichtig der Kontakt mit der zivilen Welt ist.

Joël Decurtins
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Telefonate mit den Liebsten helfen, mit der Situation klarzukommen. (Symbolbild)

Telefonate mit den Liebsten helfen, mit der Situation klarzukommen. (Symbolbild)

Keystone

Wie im Zivilen ist auch im Militär der Kontakt mit anderen Personen zurzeit stark eingeschränkt, wenn auch auf unterschiedliche Weise. In der ganzen Schweiz (ausser im Militär) sind Gruppen von mehr als fünf Personen verboten, in der Kaserne sind wir von der Aussenwelt abgeschnitten. Seit dreieinhalb Wochen leben wir hier in Frauenfeld, weit weg von Familie und Freunden, die uns sonst tagtäglich begleiten. Zwar befinden sich auf dem Areal Hunderte Soldaten, wodurch es an guter Gesellschaft nicht mangelt. Wie es unseren Bekannten ausserhalb der Kaserne ergeht, bekommen wir jedoch nur bruchstückhaft mit. Je länger wir hier sind, desto mehr kann die aussergewöhnliche Situation zu einer psychischen Belastung werden. Vor allem, weil wir nicht wissen, wann der Assistenzdienst im Zusammenhang mit dem Coronavirus enden wird. Telefonate mit den Liebsten helfen aber, mit der Situation besser klarzukommen.

Als ich vor kurzem mit zwei Freunden, die zuhause sind, einen ganzen Nachmittag lang telefoniert habe, haben wir uns vor allem über Filme, Bücher und das Geschichtenschreiben, aber auch über ihren von der Coronakrise beeinflussten Alltag ausgetauscht. Es war toll, wieder mal ausufernd über die kulturellen Themen zu diskutieren, denen ich im Militär weniger Zeit widme als sonst. Dadurch kam ich der Normalität ein wenig näher.

Auch die Rückkehr ins Zivile, zumindest für einige Stunden, wurde seit kurzem vereinfacht. Nachdem bis letzte Woche praktisch keine Urlaube bewilligt wurden, durften diese Woche erste Armeeangehörige für einen persönlichen Urlaub die Kaserne verlassen. Mit einer guten Begründung kann der Urlaub von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends desselben Tages beantragt werden. So wird es Leuten ermöglicht, zu zügeln oder eine wichtige Aufgabe im Geschäft zu erledigen. Nach Ostern sollen dann alle Armeeangehörige gestaffelt in den allgemeinen Urlaub von 48 Stunden gehen können. Ich kann es kaum erwarten, meine Familie wiederzusehen und einen Teller Spaghetti mit der köstlichen Tomaten-Peperoni-Oliven-Sauce meiner Mutter zu geniessen.

Zur Person:

Joël Decurtins (19) aus Uitikon begann im Januar ein Praktikum bei der Limmattaler Zeitung in Dietikon. Wegen der Coronakrise musste er Mitte März kurzfristig ins Militär einrücken. Hier berichtet er von der Front.

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