Festtage

Unkoventioneller Heiligabend: So feiern Limmattaler, die nicht zuhause sein können

Egal ob Alterszentrum, Spital oder Jugendwohngruppe: In sämtlichen Einrichtungen wird Weihnachten mit einem besonderen Menü gefeiert (Symbolbild).

Egal ob Alterszentrum, Spital oder Jugendwohngruppe: In sämtlichen Einrichtungen wird Weihnachten mit einem besonderen Menü gefeiert (Symbolbild).

Viele Leute verbringen die Festtage am liebsten zuhause. Doch wie feiert es sich im Spital, im Massnahmenzentrum oder in der Jugendwohngruppe?

Auch wenn die Temperaturen wärmer werden und es regnet statt schneit, ist morgen schon Heiligabend. Wie feiern Menschen, die die Festtage unter aussergewöhnlichen Umständen verbringen, zum Beispiel im Massnahmenzentrum oder im Spital.

Wer den Heiligabend im Spital Limmattal verbringen muss, wird zumindest festlich verköstigt. Am 24. Dezember tragen die Angestellten ein Menu aus Suppe, warmem Beinschinken mit Kartoffelsalat und zum Dessert einem Weihnachtsguezliteller auf.

«Das festlichere Menu servieren wir im Spital jedoch traditionellerweise am Mittag des Weihnachtstags und am Stephanstag», sagt Stefan Strusinski, Medienverantwortlicher des Spitals. Am Weihnachtstag stehen Selleriecremesuppe, Hirschentrecôte an Wacholdersauce, Spätzli, Kefen und Mandarinentorte auf der Karte.

Am Stephanstag speisen die Patienten gleich nochmals festlich. Dann gibt es: Bouillon mit Ei, sautierte Maispoulardenbrust an Orangensauce, Kartoffelkroketten, Blumenkohl und zum Abschluss ein Caramelköpfli. Am Abend gebe es jeweils leichtere Kost, so Strusinski.

Selbstverständlich können die Patienten nebst den Vollkostmenus auch vegetarische, leichte und Diabetiker-Gerichte bestellen. «Diese fallen jedoch nicht minder festlich aus», bekräftigt er. Am vierten Adventssonntag soll der Ad-hoc-Limmi-Chor mit einem Weihnachtssingen für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende Weihnachtsatmosphäre verbreiten.

Da kein reguläres Operationsprogramm geplant ist und die Ambulatorien geschlossen sind, werde wohl eine ähnliche Stimmung wie jedes Wochenende herrschen. «Was unsere Patienten oder die Bewohner des Pflegezentrums am meisten vermissen, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab», sagt Strusinski. Er vermutet, dass die meisten einfach am liebsten zu Hause bei ihren Familien wären.

Jugendwohngruppe richtet für Fest der Liebe aus

In der Jugendwohngruppe Limmattal gibt es einige Jugendliche, die die Feiertage nicht bei der Familie, sondern in der Wohngruppe verbringen. «Die Bedeutung von Weihnachten ist für die jungen Menschen so unterschiedlich, wie sie es auch sind», sagt Maya Loosli, Gesamtleiterin der Jugendwohngruppen in Schlieren und Dietikon. Aus diesem Grund gestalten die Betreuer die Festtage individuell. So sollen sich die alle wohl fühlen.

Auch wenn die Jugendlichen in der Regel verschiedenen Religionsgemeinschaften angehören, feiert die Unterkunft das Fest mit einem Christbaum, einem festlichen Essen und mit Geschenken. «Wir suchen mit Jugendlichen auch für dieses Fest den verbindenden, gemeinsamen Nenner. Etwas, das für alle eine Bedeutung hat und positive Gefühle auslöst», sagt Loosli. Das könne «das Fest der Liebe» oder auch «das Fest des Lichts» sein.

Damit alle dabei sein können, feiert das Team mit den Jugendlichen bereits vor Weihnachten. «An Weihnachten sind dann diejenigen im Heim, die keine Familie oder kein Zuhause haben. Es gibt auch einige, die nicht nach Hause können, da dort ihr Wohl und ihre Sicherheit nicht gewährleistet werden können», sagt Loosli. Das sei dieses Jahr für 9 von 16 Personen der Fall. Für diese wird es am Heiligabend ein Festessen vom Tischgrill geben.

Das Programm für die Festtage in der Wohngruppe wird jeweils ein paar Tage vor Weihnachten mit den Jugendlichen bestimmt. So will das Team sicherstellen, dass alle auf ihre Rechnung kommen. Doch auch wenn die Jugendlichen in der Wohngruppe bleiben müssen, so seien sie meist dankbar, dass sie Weihnachten nicht alleine verbringen müssen. «Entsprechend ist die Stimmung meist gelöst und gut», sagt Loosli.

Massnahmenzentrum feiert interne Weihnachten

Ob Ramadan oder Weihnachten: Im Massnahmenzentrum für straffällige Jugendliche in Uitikon (MZU) werden alle wichtigen Feiertage gefeiert. «Die Bedeutung von Weihnachten ist sehr individuell und hängt auch mit der vorhandenen oder eben auch nicht vorhandenen Bindung an eine Religionsgemeinschaft zusammen», sagt MZU-Direktor Gregor Tönnissen.

Nebst der ökumenischen Weihnachtsfeier für die geschlossenen Abteilungen, bei der die Teilnahme für alle 24 Jugendlichen freiwillig ist, findet im MZU auch eine interne Weihnachtsfeier für die Mitarbeitenden und die eingewiesenen jungen Straftäter statt.

Am Abend des 24. Dezember werden die drei Gruppen der geschlossenen Abteilung unterschiedliche Menus kochen. Bei den einen gibt es afghanische Samosa, das sind gefüllte Teigtaschen. Die zweite Gruppe wird Truthahn mit Rösti zubereiten und die dritte Gruppe wird ein Raclette verspeisen. «Auf allen Gruppen werden auch Guezli und Kuchen gebacken», sagt Tönnissen.

Die Weihnachtsprogramme unterscheiden sich ebenfalls von Gruppe zu Gruppe. «Die eingewiesenen jungen Straftäter erhalten kleine Geschenke von ihren Bezugspersonen», sagt Tönnissen. Zudem werden wohl auch einige Angehörige zu Besuch kommen. Die Stimmung sei in der Regel ruhig. «Doch dem einen oder anderen wird an solchen Tagen die fehlende Freiheit ganz besonders bewusst.»

Im Altersheim erzählt man sich rührende Geschichten

Auch in den Alterszentren hat Weihnachten eine grosse Bedeutung. Zum Beispiel in Schlieren. Bei den Senioren weckt das Fest viele schöne, aber auch traurige Erinnerungen. «Zum Teil erzählen die Bewohnenden viel aus ihrer Kindheit und der Familienzeit», sagt Christof Langhart, Bereichsleiter Pflege und Betreuung des Alterszentrums Sandbühl. Es seien oft sehr rührende und emotionale Geschichten.

Für das leibliche Wohl im Alterszentrum wird an Heiligabend heisses Schüfeli mit Kartoffelsalat serviert. Zudem organisiert jede Wohngruppe kurz vor Weihnachten ein Weihnachtsessen. Zu diesem können die Bewohnerinnen je zwei Angehörige einladen. An diesem Anlass singen alle gemeinsam Lieder und die Seniorinnen und Senioren erhalten ein persönliches Weihnachtsgeschenk.

Bereits die Vorweihnachtszeit ist jeweils ausgefüllt mit verschiedenen Aktivitäten wie dem Samichlausbesuch, Grittibänz- und Guezlibacken, Adventskonzert und weiteren weihnachtlichen Anlässen.

Echte Kerzen am Baum werden besonders vermisst

«Die Stimmung erleben wir sehr unterschiedlich, von freudig, erwartungsvoll bis gedrückt», sagt Langhart. Viele Bewohnende können den Weihnachtsabend zu Hause bei den Familien verbringen oder sie erhalten Besuch von Angehörigen und Freunden.

Was die Senioren jedoch vermissen, seien die alten Rituale, wie die Weihnachtsfeier in der eigenen Wohnung, mit selbstgekochtem Essen und echten Kerzen am Baum. «Verstorbene Angehörige und Familienmitglieder, die weit entfernt wohnen, werden an Festtagen wie Weihnachten speziell vermisst», sagt Langhart. Umso grösser sei die Freude, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner Besuch von Enkeln und Urenkeln erhalten würden.

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