Diejenigen der 69 Bewohnerinnen und Bewohner des Dietiker Alters- und Gesundheitszentrums Ruggacker (AGZ), die nicht mehr mobil sind, müssen jedes Mal, wenn sie Frischluft schnuppern wollen, eine Pflegekraft um Hilfe bitten. Denn Balkone haben die Zimmer seit der Generalsanierung des Hauses an der Bremgartnerstrasse im Jahr 2012 nicht mehr, und auch über Terrassen verfügen die Stockwerke 1 bis 3 nicht. Lediglich die 19 Bewohner der geschützten Demenzabteilung im 4. Stock können sich über eine grosszügige Dachterrasse freuen.

Lucas Neff, Gemeinderat und Stadtratskandidat der Grünen, will daran etwas ändern. Die Stadt soll prüfen, ob nicht über der existierenden ebenerdigen Gartenterrasse weitere Stockwerksterrassen errichtet werden können. 22 Mitstreiter fand er für sein Postulat. Nicht nur die Grünen und die SP, sondern bis auf einen Gemeinderat unterzeichnete auch die komplette SVP-Fraktion. Sollte der Stadtrat das Geschäft nicht an die Hand nehmen, wird es also mit grosser Wahrscheinlichkeit an ihn überwiesen werden.

Neff wurde auf das Problem aufmerksam, als seine Mutter im Sommer von einer Wohnung in der sogenannten «Senioren-Residenz» im hinteren Teil des AGZ in eine der Pflegewohngruppen im Hauptgebäude wechselte. «Ich war erstaunt, dass es keinen Aussenraum gab. Speziell auch, weil wenige Jahre vor dem Umbau Terrassen auf jedem Geschoss errichtet worden waren und meiner Meinung nach dies einer der hauptsächlichen Gründe war, dass auf einen eigentlich sinnvolleren Ersatzneubau verzichtet wurde», meinte Neff auf Nachfrage.

Dusche und Toilette statt Balkon

2012 hatte eine Generalsanierung des Gebäudes stattgefunden, im Zuge derer die Balkone, über die bis dahin jedes der Zimmer verfügte, den Räumen zugeschlagen wurden. Christoph Schwemmer, Gesamtleiter des Alters- und Gesundheitszentrum Dietikon (AGZ): «Einige der Zimmer besassen keine Dusche, manche nicht einmal eine Toilette.» Mit Loggien, die es seit der Sanierung auf jedem Stockwerk gebe, sei aber trotzdem eine gute Lösung gefunden worden, so Schwemmer. Diese könnten auch an allen Tagen des Jahres genutzt werden und nicht nur an den wenigen warmen.

Das ist kein Ersatz, ist Neff überzeugt. Er hält es für einen Fehlentscheid, dass beim Umbau die Balkone und die kurz zuvor erstellten Gemeinschaftsterrassen ersatzlos gestrichen wurden. «Es ist ein Aufwand, in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen nach unten zu begleiten, sie dort zu betreuen und dann wieder nach oben zu bringen.» In den Pflegewohngruppen seien die meisten Personen mehr oder weniger eingeschränkt in ihrer Mobilität.

Mehraufwand lohnt sich

Schwemmer widerspricht. Es seien immer genügend Pflegekräfte im Einsatz, welche die Senioren an die frische Luft begleiten würden. «Man ist schnell mit ein paar Schritten und mit dem Lift auf der Terrasse und in der Gartenanlage.» Wer nicht mobil sei, würde auch auf dem Stockwerk Hilfe benötigen. Aber er gibt zu, dass es Leute gab, welche die Balkone nach der Sanierung vermissten. Auch für die Pflegekräfte sei die Begleitung ein gewisser Mehraufwand.

Der aber lohne sich auch im Sinne der Bewohner: «Es ist wichtig für sie, dass sie sich nicht ständig nur auf einem Stockwerk bewegen.» Neue Stimmen zu hören, andere Leute zu treffen und Abwechslung zu bekommen, sei für die Senioren eine Bereicherung, so Schwemmer.

Es sind Baumängel zu klären

Neff, von Beruf Architekt, ist der Ansicht, dass über der bestehenden Gartenterrasse «vor den Aufenthaltsräumen aller drei Gruppen übereinander grosszügige Terrassen angebracht werden» können. Im Erdgeschoss hätte dies auch den Vorteil, dass ein grösserer sonnen- und regengeschützter Aussenbereich entstehen würde. «Die hofartige Ecke ist windgeschützt, sonnig, ruhig und unmittelbar vor den Aufenthaltsbereichen der Pflegewohngruppen gelegen», so Neff. Er rechnet mit Umbaukosten in Höhe von 500 000 Franken. Auch die Dachterrasse im 4. Stock hält Neff noch für verbesserungsfähig. «Sie ist sehr gross und eben darum auch windig und vollflächig in der prallen Sonne.» Er könne sich dort teilweise überdeckte, gemauerte Ecknischen vorstellen.

Wenn das Geschäft im Parlament behandelt wird, könnte es gut noch weiteren AGZ-Diskussionsbedarf geben. Denn die Abrechnung der Sanierung sei noch nicht erfolgt, erfährt man von der Stadt auf Nachfrage. Der Grund seien Baumängel, über die Verhandlungen am Laufen seien. Wegen ausstehender Abklärungen will sich die Stadt darüber hinaus nicht näher äussern.