Es ist eine deutliche Ansage: «Der Stadtrat wird aufgefordert, alle notwendigen Massnahmen zu treffen und darüber Bericht zu erstatten, damit das Depot der Limmattalbahn nicht im ‹Müsli› erstellt wird.» Das fordert Gemeinderat Lucas Neff (Grüne) in seinem kürzlich eingereichten Postulat, mitunterzeichnet von der Grünen Catalina Wolf und der zweiten Gemeinderats-Vizepräsidentin Esther Sonderegger (SP).

Die Links-Grünen rechnen sich gute Chancen aus, dass sowohl aus der Mitte als auch von rechts genug Stimmen zusammenkommen, damit das Postulat angenommen und dem Stadtrat überwiesen wird. Auf Anfrage versichert beispielsweise Gemeinderätin Charlotte Keller (SVP), dass sie für das Postulat stimmen wird. Sie hat sich auch schon mehrfach gegen das Depot im «Müsli» gewehrt.

Tut es ihr die Mehrheit des Parlaments gleich, muss die Stadtregierung das Anliegen prüfen. Tatsächlich handeln und das Tramdepot der Limmattalbahn auf dem Dietiker «Müsli»-Acker verhindern, müsste die Exekutive erst, wenn der Vorstoss in Form einer Motion überwiesen würde. Dennoch ist mit Neffs Postulat eine neue Stufe im Streit um das Bahn-Depot erreicht.

Eine «Kalkbreite 2» für Dietikon

Das zeigt der Rückblick: Diesen Sommer schickte die überwiegende Mehrheit der Dietiker Gemeinderäte einen Brief an den Zürcher Regierungsrat, in dem sie einen anderen Standort als das «Müsli» forderten. Dazu richtete Gemeinderat Sven Johannsen (GLP) eine Interpellation an den Stadtrat, in der er mehrere Fragen zur Standortwahl stellte.

Auch auf Kantonsebene tauchten Fragen auf: Im Herbst 2015 reichte die Stadtzürcher Kantonsrätin Gabi Petri (Grüne), die zudem Geschäftsführerin des VCS Zürich ist, eine Anfrage ein. Und beim Aargauer Regierungsrat ging im Juni eine Interpellation ein, in der die Grossrätin Barbara Portmann (GLP) Fragen zur Standortwahl stellte. Bevor alle Fragen beantwortet sind, möchten die Grünen jetzt ein deutliches Zeichen sehen.

Lucas Neff schlägt in seinem Postulat vor, dass das Tramdepot in das neue Dietiker Stadtquartier Niderfeld integriert wird. Als Vorbild dient die Genossenschaftssiedlung Kalkbreite in Zürich, wo im Erdgeschoss das Tramdepot steht und darüber Wohnungen. Auch für diese Grünen-Idee ist die Bäuerin Charlotte Keller (SVP) zu haben: «Wichtig ist, dass der ‹Müsli›-Acker bleibt. Ob das Depot im ‹Asp› oder im Niderfeld gebaut wird, ist für mich zweitrangig.» Das Beispiel Kalkbreite zeige aber, dass die Idee durchaus umsetzbar sei.

Für das Niderfeld steht seit 2015 der Masterplan, zurzeit wird der Gestaltungsplan vorbereitet. Die Gegner des Depots im «Müsli» gehen davon aus, dass es noch nicht zu spät ist, um das Tramdepot in die Planungen einzubeziehen. Das Dietiker Stadtplanungsamt wollte gestern zu dieser Frage keine Stellung nehmen, da es sich um eine politische Frage handle.