Winterquartier
Ungewohnter Anblick im Dezember: Darum sind die Störche in Urdorf gelandet

In den letzten Tagen sind in Urdorf und Weiningen viele Störche gesichtet und fotografiert worden. Tatsächlich überwintern jährlich immer mehr Zugvögel in der Schweiz, sie finden dank Klimawandel genug Nahrung im Limmattal.

Von Flurina Dünki
Merken
Drucken
Teilen
Störche auf dem Kirchendach Weiningen Störche auf dem Kirchendach Weiningen
6 Bilder
Störche in Urdorf
Störche in Urdorf Störche in Urdorf
Störche in Urdorf Störche in Urdorf
Störche in Urdorf Störche in Urdorf
In Urdorf sieht man momentan sehr viele Störche.

Störche auf dem Kirchendach Weiningen Störche auf dem Kirchendach Weiningen

Bruno Wüest

Auf dem Turm der katholischen Kirche lassen sich die Störche gerne nieder, die seit ein paar Tagen in Urdorf weilen. Auch auf dem reformierten Kirchturm Weiningen rasten momentan gerne Störche, wie Bilder von Lesern der Limmattaler Zeitung zeigen. Unklar ist, ob es sich um dieselbe Storchengruppe handelt. Er habe die Vögel bereits auf Nahrungssuche im Urdorfer Gebiet Zwüschenbächen gesehen, sagt Peder Zipperlen vom Natur- und Vogelschutzverein Urdorf. Ihn freut es, dass die Urdorfer Umwelt dank den Störchen um eine Attraktion reicher ist.

Haben Sie Fotos oder Videos von den Störchen in Urdorf, liebe Leserin, lieber Leser? Die Redaktion der Limmattaler Zeitung freut sich über Zusendungen:
redaktion@limmattalerzeitung.ch.

Tatsächlich überwintern jährlich einige Störche in der Schweiz, sagt Livio Rey, Mediensprecher der Vogelwarte Sempach. Viele Störche in der Schweiz stammen aus dem Wiederansiedlungsprojekt im solothurnischen Altreu, das 1948 startete. «Im Rahmen der Wiederansiedlung wurden die Störche vor ihrer Auswilderung einige Jahre in Gefangenschaft gehalten, flogen im Winter also nicht in den Süden und gewöhnten sich somit an den Schweizer Winter», so Rey.

Die Vogelwarte beobachte, dass viele Nachkommen der Altreu-Störche sich ebenfalls nicht mehr vom Winter vertreiben lassen. Als Resultat des Klimawandels bleibt vermehrt Schnee aus. Das lässt gemäss Rey viele Störche in Gebieten überwintern, die früher zu weit nördlich lagen. «Dieses Verhalten ist vor allem bei älteren Störchen zu beobachten. Das können wir anhand unserer Beringungen sehen.» Weil sie erfahrener sind, fänden sie leichter Futter als jüngere Vögel, auch wenn der Schnee vermehrt ausbleibt. Amphibien würden sie zwar keine finden, doch Würmer und Mäuse könnten sie auch im Winter jagen. Auch andere Vögel, die früher in den Süden zogen, wie Bachstelzen, Stare oder Rotmilane, überwintern nach Beobachtung der Vogelwarte Sempach zunehmend in der Schweiz.

Der Glockenschlag vertreibt sie

Es ist gemäss Rey also durchaus möglich, dass sich die Storchengruppe Urdorf als Winterquartier ausgesucht hat. «Erlebt Urdorf plötzlich einen harten Wintereinbruch, sodass die Störche keine Nahrung mehr finden, werden sie sich einen neuen Platz suchen. Weit in den Süden wird diese Gruppe aber jetzt nicht mehr fliegen», sagt Rey. Der Weissstorch sei sehr schwer und brauche warme Aufwinde, um lange Stecken fliegen zu können. Zögen die sechs von Urdorf weg, so würden sie sich gute Nahrungsgebiete in nahegelegenen landwirtschaftlichen Regionen suchen.

Obwohl der Turm der katholischen Kirche Urdorf den Störchen zu behagen scheint, haben sie mit dem Glockengeläut so ihre Mühe. Hueseyin Basyurt vom Pfarramt Bruder Klaus beobachtete, wie die Vögel beim Glockenschlag sofort das Weite suchen.