Der Abbruch der Villa Simon an der Römerstrasse 2 hat strafrechtliche Folgen. Wie die Stadt Dietikon gestern bekannt gab, reicht sie «wegen rechtswidriger Zerstörung» Strafanzeige gegen Bauherrschaft, Architekt und Abbruchfirma ein. Denn die Villa sei «entgegen der Anordnung der Stadt Dietikon» zerstört worden, schreibt diese in einer Medienmitteilung: «Ein juristisches Gutachten stützt die Handlungsweise der Verwaltung im Vorfeld des Abbruchs und belegt die rechtswidrige Handlung der Verantwortlichen.» Deshalb habe sich der Stadtrat entschieden, gegen alle am Abbruch beteiligten Personen und Unternehmungen Strafanzeige einzureichen.

Konkret sind dies die Bauherrschaft CRS Baumanagement AG, der Dietiker Architekt Lucas Neff und die Weininger Firma Richi AG, die den Abbruch durchführte. Ihnen wird ein Verstoss gegen das Planungs- und Baugesetz vorgeworfen. Nachdem das Verfahren eröffnet worden ist, ermittelt die Polizei. Diese wird den Fall dann dem Statthalteramt übergeben.

Dass die Stadt wegen eines Abbruchs Strafanzeige einreicht, ist höchst ungewöhnlich. Stadtschreiberin Karin Hauser sagt denn auf Anfrage auch, ihr sei nicht bekannt, dass dies schon einmal vorgekommen sei. Doch auch der Fall selber ist höchst ungewöhnlich, wie Dokumente, die der Limmattaler Zeitung vorliegen, zeigen.


Für den Baustopp war es zu spät


So wurde die Villa abgerissen, obwohl die Stadt Architekt und Bauherrschaft sowohl mündlich als auch schriftlich in einem eingeschriebenen Brief informiert hat, dass die Liegenschaft möglicherweise schützenswert ist. Das Abbruchgesuch müsse zurückgezogen oder die Schutzwürdigkeit geprüft werden. Obwohl keine Bewilligung vorlag, begannen am 10. November erste Abbrucharbeiten. Die Stadt intervenierte, worauf die Arbeiten unterbrochen wurden. Als am nächsten Tag Bau- und Stadtpolizei vor Ort erschienen, um den Baustopp zu verfügen, war die Villa bereits dem Erdboden gleichgemacht geworden. An ihrer Stelle soll ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Das Baubewilligungsverfahren dafür läuft weiter, unabhängig von der Strafanzeige.

Die Villa Simon war kurz davor, in die Inventarliste der schutzwürdigen Bauten aufgenommen zu werden. Mitte November wurde das Gebäude aus dem Jahr 1929 abgerissen.

Die Villa Simon war kurz davor, in die Inventarliste der schutzwürdigen Bauten aufgenommen zu werden. Mitte November wurde das Gebäude aus dem Jahr 1929 abgerissen.


Architekt Lucas Neff, der auch für die grüne Partei im Dietiker Gemeinderat sitzt, betont, wie schon zuvor, Abbrüche von Gebäuden, die, wie im Fall der Villa Simon, ausserhalb von Kernzonen liegen, keine Baubewilligung benötigen. «Die Mitteilung der Baubehörde, dass eine Überprüfung des Inventars vorgesehen sei, begründet noch lange kein Abbruchverbot», sagt Neff. Er verweist darauf, dass die Stadt eine vorsorgliche Schutzmassnahme hätte erlassen müssen, wenn sie den Abbruch hätte verhindern wollen. Dies habe sie aber nicht getan. «Mit dem Abbruch des Gebäudes wurde demzufolge nicht gegen gesetzliche Vorgaben verstossen. Der Vorwurf eines strafbaren Verhaltens ist juristisch unhaltbar.»


Neff betont, die Bauherrschaft habe sein vollstes Verständnis. Sie habe wohl als Reaktion auf die Mitteilung der allfälligen Absicht einer Inventarisierung und der folgenden nutzlosen Gespräche letztendlich «das einzig Richtige» getan. «Schliesslich waren wir – übrigens in ständigem Kontakt mit der Stadt – mitten in einem aufwendigen Planungsprozess.» Die Entschädigungsforderungen seitens der Bauträgerschaft hätten laut Neff «deutlich mehr als eine Million Franken» betragen. Neff geht davon aus, dass der Bauherr nochmals genau gleich handeln würde. «Wahrscheinlich würden wir aber das Gespräch mit der Stadt vor dem Abbruch nicht mehr suchen», so Neff. «Dieses hat letztlich nur zusätzlich Emotionen geschürt.» Von der Bauherrschaft war gestern niemand telefonisch zu erreichen.


Überraschung für Abbruchfirma


Jakob Richi, Inhaber der Abbruchfirma, erfuhr gestern von der Limmattaler Zeitung von der Strafanzeige. Er zeigte sich überrascht. «Wir waren die Ausführenden, das ist nicht von der Hand zu weisen», sagte er. «Aber mir ist nicht klar, wieso auch gegen uns Strafanzeige eingereicht wird.» Sie seien bloss die Auftragnehmenden. Er betont, seine Firma habe ihre Arbeit nach allen geltenden Regeln und Vorschriften gemacht.