Dietikon
Unerwartete Perspektiven: Wie aus dem Taucher ein prämierter Fotograf wurde

Die Fotografie ist für Henry Jager nur ein Hobby. Trotzdem hat sich der Familienvater zum semi-professionellen Fotografen mit eigenem Studio gemausert. Er ging mit der Unterwasserfotografie an, inzwischen hat er das Experimentelle entdeckt.

Tabea Wullschleger
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Henry Jagers erfolgreichstes Bild: Mit solch spektakulären Aufnahmen vermochte der Dietiker Fotograf bereits manche Foto-Jury für sich zu gewinnen.

Henry Jagers erfolgreichstes Bild: Mit solch spektakulären Aufnahmen vermochte der Dietiker Fotograf bereits manche Foto-Jury für sich zu gewinnen.

Henry Jager

Die Bilder des Dietikers Henry Jager stammen auf den ersten Blick aus zwei total verschiedenen Welten. Da sind auf der einen Seite die faszinierenden Unterwasseraufnahmen von Tieren, aufgenommen beim Tauchen im Pazifik. Und daneben die surreal wirkenden Formationen, die mit Hochgeschwindigkeits-Fotografie im Fotostudio eingefangen wurden. Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass es doch Gemeinsamkeiten gibt: das Wasser als verbindendes Element etwa oder die präzise Bildsprache, das Makellose.

«Ich möchte mit meinen Bildern eine unerwartete Perspektive zeigen. Ich möchte meine Motive so bringen, wie sie sonst niemand sieht», beschreibt Jager seine Grundhaltung bei der Fotografie. Es scheint zu funktionieren: Der Dietiker hat mit seinen Unterwasserbildern in den letzten Jahren zahlreiche Preise gewonnen. Dabei betreibt er dieses Hobby erst seit 2007. Damals tauchte er bereits seit Jahren mit der Sauerstoffflasche in den Weltmeeren und erlebte dabei die faszinierende Unterwasserwelt hautnah. Irgendwann wollte er das Gesehene auch festhalten können. Also kaufte er sich eine Fotoausrüstung inklusive Unterwassergehäuse.

Es geht um Sekundenbruchteile:Henry Jager in seinem Fotostudio.
11 Bilder
Für solche Bilder träufelte Jager Rahm mit Lebensmittelfarbe in ein Wasserbecken (1)
Für solche Bilder träufelte Jager Rahm mit Lebensmittelfarbe in ein Wasserbecken (2)
Für solche Bilder träufelte Jager Rahm mit Lebensmittelfarbe in ein Wasserbecken (3)
Für solche Bilder träufelte Jager Rahm mit Lebensmittelfarbe in ein Wasserbecken (4)
Unterwasser (1)
Unterwasser (2)
Unterwasser (3)
Experimentalfotografie im Studio - Momentaufnahmen von Tropfen (1)
Experimentalfotografie im Studio - Momentaufnahmen von Tropfen (2)
Experimentalfotografie im Studio - Momentaufnahmen von Tropfen (3)

Es geht um Sekundenbruchteile:Henry Jager in seinem Fotostudio.

zvg

Fotografie lag lange brach

Erste Fotoversuche machte Jager bereits im Gymnasium. «Zusammen mit Kollegen reizte ich die Möglichkeiten des Fotostudios an unserer Schule aus», sagt er. Danach lag die Fotografie lange brach, Job und Familie waren wichtiger. Jager studierte Pharmazie und arbeitete danach lange im Marketing und Verkauf von Pharmaprodukten. Er heiratete und ist mittlerweile Vater des fünfjährigen Arjen und der 18 Monate alten Carolien. «Die Namen haben wir wegen meiner niederländischen Wurzeln gewählt», erklärt Jager. Seine Frau Myriam ist in Schlieren aufgewachsen, wo die Familie demnächst hinziehen wird.

Neben Beruf und Familie wurde die Fotografie in den letzten Jahren zu einem weiteren wichtigen Standbein in Jagers Leben. Er hat als Fotograf einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Bereits 2008 gewann eines seiner Bilder die Bronzemedaille in einem weltweiten Fotowettbewerb. Das Bild zeigte zwei Seepferdchen, die «unglaublich hübsch» in die Kamera schauen. «Heute bin ich mit der Qualität dieses Bildes nicht mehr zufrieden. Aber im richtigen Moment abzudrücken, macht das oft wieder wett», sagt der mittlerweile semi-professionelle Fotograf.

Seither hat er sich technisch kontinuierlich weiterentwickelt, was nicht ganz billig war. «Gerade die Unterwasserfotografie ist generell sehr kostenintensiv», sagt Jager. Seine Olympus-Fotoausrüstung vermietet er daher auch mal günstig an Kunststudenten, damit diese sich ein Unterwasserfotoprojekt überhaupt ermöglichen können.

Viele Preise

Auf die Bronzemedaille folgten viele andere Preise; als grösste Erfolge bezeichnet Jager die Goldmedaille beim «Trierenberg Super Circuit» und die Auszeichnung als bestes Foto der Woche bei «National Geographic». Solche Preise generieren natürlich auch Aufmerksamkeit. «Ich wurde schon eingeladen, an besonders schönen Orten Unterwasseraufnahmen zu machen», sagt Jager. Eine Woche auf einer Südseeinsel sei so aber mitnichten eine Ferienwoche: «Fotografieren ist Arbeit, gerade wenn man gute Bilder abliefern sollte.»

Seine Preise hat er zwar mit Unterwasserfotos gewonnen, doch Jager fotografiert längst nicht nur unter der Wasseroberfläche: Da ist auf seinen Bildern mal ein Nashorn zu sehen, mal eine Ameise in Nahaufnahme. Oder er fasziniert mit Fotos gläsern wirkender Formationen, die nicht aus dieser Welt zu stammen scheinen. Jager bezeichnet sich daher auch als Natur- und Experimentalfotograf.

Das Experimentelle entdeckt

Im Gegensatz zum Fotografieren in freier Wildbahn hat er das Experimentelle erst kürzlich entdeckt. Das Fotostudio steht bei ihm in der Wohnung. Dann fotografiert er beispielsweise mit einer High-Speed-Fotografie Tropfen, die auf die Wasseroberfläche aufschlagen. «Mich fasziniert daran, dass ich etwas Vergängliches festhalten und sichtbar machen kann», sagt der Dietiker. Zudem wisse man nie, wie die Form auf dem Bild aussehen werde, da man die fallenden Tropfen nicht steuern könne.

Auch wegen der Experimentalfotografie pausierte Jager im letzten Jahr mit der Teilnahme an Wettbewerben. Für dieses Jahr hat er allerdings bereits wieder grosse Pläne: «Im Mai wird in Wangen im Kanton Schwyz zum ersten Mal eine ganze Ausstellung mit Bildern nur von mir zu sehen sein», erzählt Jager nicht ohne Stolz. Doch eines steht für den passionierten Fotografen ebenfalls fest: «Die Fotografie wird immer nur ein Hobby bleiben.» Zusammen mit Familie und Beruf unterstützt sie eine optimale Work-Life Balance.