«Relativ tief» sei die Gesamtzufriedenheit der Lehrpersonen in der Deutschschweiz. Zu dieser Aussage kommt der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) nach einer Online-Befragung seiner Mitglieder. Die Auswertung wurde am Dienstag veröffentlicht: Auf einer Skala von 1 bis 6 liegt die Gesamtzufriedenheit des Lehrberufs bei 4.3. Der Verband spricht von einem «ernüchternden Resultat». Unter den über 15 000 Befragten befinden sich auch Limmattaler Lehrpersonen.

Fällt nicht aus dem Rahmen

In Schlieren wird die Situation indes nicht als ungewöhnlich eingestuft: «Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer zufrieden sind», sagt Bea Krebs, Schulpflegepräsidentin in Schlieren. Die Schulleitungen würden regelmässig Mitarbeitergespräche mit den Lehrpersonen führen und dabei werde auch über die Zufriedenheit gesprochen. Auch in Dietikon ist die Berufszufriedenheit bei Mitarbeitergesprächen ein Thema. Gerold Schoch, Leiter Schulabteilung Dietikon, geht deswegen davon aus, dass die Bezirkshauptstadt in dieser Hinsicht nicht aus dem Rahmen falle. «Ich erlebe zufriedene Lehrer, engagierte – eigentlich das ganze Spektrum. Ich denke, das ist bei anderen Schulen genau gleich.»

Die Umfrage zeigt konkrete Problembereiche auf: So sorgt etwa die Umsetzung von Reformen für eine «hohe Unzufriedenheit» bei den Lehrern. Die Benotung liegt bei 3,1, wiederum auf einer Skala von 1 bis 6. Schoch erklärt hierzu, dass es durchaus Reformen gibt, welche die Schulen ausgesprochen stark fordern. Es brauche bei Reformen umfassende Ressourcen: Zeitliche, finanzielle und personelle. «Aber auch umfangreiche Weiterbildungen – wie bei der Umsetzung der Sonderpädagogik. Solche Entwicklungsprozesse benötigen Zeit.» Man müsse sich bewusst sein, dass Reformen von vielen Faktoren abhängig seien. «Wir haben Verpflichtungen gegenüber der Politik, der Gemeinde, der Gesellschaft und natürlich gegenüber den Schülern und Lehrern. Dem versuchen wir gerecht zu werden», so Schoch.

Ein weiterer Problembereich ist laut Lehrerverband das Ansehen in der Öffentlichkeit. Dieses wird von den Befragten als schlecht empfunden. «Tatsächlich ist das Ansehen des Lehrberufs meiner Meinung nach nicht mehr so wie noch vor ein paar Jahrzehnten. Aber das dürfte auch bei anderen Berufen – wie etwa beim Pfarrer oder Arzt – der Fall sein», sagt die Schlieremer Schulpflegepräsidentin Bea Krebs.

«Löhne sind konkurrenzfähig»

Von der Kritik betroffen ist auch die Lohnpolitik. Im Vergleich zu Berufen mit entsprechendem Anforderungsprofil sei der Lehrberuf mit einem tiefen Lohn entschädigt. Auch die Lohnentwicklung wird als ungenügend eingestuft. Der Lohn wird vom Kanton vorgegeben. Im Kanton Zürich verdient ein Primarschullehrer bei einem Vollpensum mindestens den Anfangslohn von 91 000 Franken im Jahr. Martin Wendelspiess, Amtschef des Volksschulamts des Kantons Zürich, findet diese Summe durchaus konkurrenzfähig mit anderen Berufen. Vor ein paar Jahren hat es eine Lohnrevision gegeben. Dass es nicht jedes Jahr hinaufgeht, sei nicht ein lehrerspezifisches Problem, so der Amtschef. Eine Lohnrevision sei derzeit nicht vorgesehen. Trotzdem nimmt Wendelspiess einiges aus den Umfrageergebnissen für die Zukunft mit. «Kritikpunkte, bei denen wir uns betroffen fühlen, werden wir bestimmt berücksichtigen.» Ein Beispiel sei die Umsetzung der Reformen. «Bei der Einführung des Lehrplans 21 werden wir versuchen, die Erkenntnisse aus vorherigen Reformen möglichst gut aufzunehmen.»

Und trotz einiger Kritikpunkte gibt es schliesslich auch positive Bewertungen, wie etwa die Aussage, dass 82 Prozent ihren Beruf wiederwählen würden. Bei der letzten Umfrage vor acht Jahren lag diese Quote noch bei 75 Prozent. «Das zeigt doch, dass es eine positive Entwicklung gegeben hat», so Wendelspiess. Für ihn als Volksschulamtschef seien die Ergebnisse der Lehrerbefragung weder überraschend noch ernüchternd. «Meiner Meinung nach sind die Resultate insgesamt zufriedenstellend bis gut», so Wendelspiess.

Umfrage: Unterschätzt die Öffentlichkeit die Anforderungen an Lehrpersonen? Brauchen sie mehr Entlastung?