Limmattal
Und jährlich quält der Stundenplan: «Noch erfolgt die Planung hauptsächlich in Handarbeit»

Wenn die Limmattaler Schüler am Montag die Schulen stürmen, ist die Arbeit der Stundenplaner bereits getan.

Fabienne Eisenring
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Wie viel Arbeit hinter der Stundenplanung steckt, geht oft vergessen.

Wie viel Arbeit hinter der Stundenplanung steckt, geht oft vergessen.

Bruno Kissling

Es müssen sehr viele sein – die Flüche, die unzufriedene Schüler schon gegen ihre Stundenpläne ausgestossen haben. Dass deren Planung Jahr für Jahr viel Aufwand bedeutet und sich die Lehrkräfte Monate vor den Sommerferien den Kopf darüber zerbrechen, vergessen die meisten. Die Limmattaler Zeitung hat den für die Stundenplanung Verantwortlichen verschiedener Schulstufen auf den Puls gefühlt.

Die Kindergarten- und Primarstufe

Am Montag drücken in der Schuleinheit Wolfsmatt in Dietikon wieder rund 500 Kinder, vom Kindergärtler bis zum Sechstklässler, die Schulbänke. 31 Klassen wurden gebildet. Die Planung ihrer Schulstunden begann bereits im Januar. «Dann steht vonseiten der Schulpflege fest, mit wie vielen Klassen wir für das neue Jahr rechnen müssen», sagt Schulleiterin Helen Pianezzi. Gleichzeitig werde abgeklärt, wer das Lehrerkollegium voraussichtlich verlässt und wer vermutlich bleiben wird. Je nach dem müssen letztere eine mehrsemestrige Weiterbildung – etwa fürs Unterrichten in einer Fremdsprache – absolvieren. Nach dem Kündigungstermin Ende März beginnt die Stellenrekrutierung. «Dieses Jahr hatten wir Glück», sagt Pianezzi. Die Lehrerstellen konnten rasch besetzt werden.

1150

Lernende des Bildungszentrums Limmattal (BZLT) erhielten vor den Sommerferien ihre Stundenpläne. Dem ging für Rektorin Claudia Hug eine aufreibende Planungsphase voran, in der nicht alles lief wie geplant.

Die Stundenplanung hingegen sei immer «ein langwieriger, anstrengender und komplexer Prozess». Zunächst beginne man, Spezialräume wie die Turnhalle, die Schwimmhalle oder die Handarbeitszimmer zu verteilen. Über die strengen Vorgaben des Kantons hinaus gelte es bei der Planung, die kommunalen Richtlinien zu beachten. Ende April gehen die Stundenpläne ans Volksschulamt. Anfang Juni werden sie den Eltern zugestellt. Ihnen bleibe dann genügend Zeit, die Betreuung und Freizeitaktivitäten ihrer Kinder auf deren Stundenpläne abzustimmen, so Pianezzi.

Die Oberstufe

Nach den Sportferien ist auch für die Lehrkräfte der Oberstufe Weiningen jeweils der Zeitpunkt, sich wieder mit der Stundenplanung auseinanderzusetzen. Anfang Jahr frage man bei den Klassenlehrpersonen der Sechstklässler nach einer ersten Prognose für die Anzahl neu eintretender Schüler nach, sagt Schulleiter Martin Stalder. «In der Regel planen wir mit drei Sek-A-, zwei Sek-B- und einer Sek-C-Klasse.» Für dieses Schuljahr galt es, den Stundenplan für 340 Schülerinnen und Schüler sowie 37 Lehrpersonen zu erstellen.

Besonderen Aufwand bereitet jährlich die Planung der Wahlfächer der dritten Sekundarklassen. Dieses Jahr kamen 19 Jahreskurse sowie 21 Semesterkurse zustande. Einzelne werden mehrfach geführt. «Die Einplanung der Wahlfächer bestimmt den gesamten zeitlichen Ablauf der Stundenplanung der dritten Sek», sagt Stalder. Verzwickt sei das Ganze, weil viele Lehrpersonen Teilzeit arbeiten und mehrere Jahrgänge unterrichten. Gibt es dafür nicht technische Unterstützung? «Es wäre zu schön, wenn uns ein Computerprogramm die Planung abnehmen könnte. Noch erfolgt sie hauptsächlich in Handarbeit», so Stalder.

Die Berufsfachschule

Ebenfalls aufreibend gestaltet sich die Stundenplanung im Bildungszentrum Limmattal (BZLT). Insgesamt sind es fürs kommende Schuljahr 1150 Lernende – davon 440 neu eintretende –, deren schulische Ausbildung es durchzutakten gilt. Rektorin Claudia Hug, die sich dieser Herausforderung seit 14 Jahren stellt, sagt: «Die Planung ist sehr zeitintensiv und erfordert hohe Konzentration.» Wichtig sei auch eine gute Kommunikation mit den Lehrpersonen und mit dem Kollegen, der die Detailplanung für die Polymechaniker und Konstrukteure erstelle. Hug empfindet die Planung aber nicht als mühselig. Im Gegenteil: «Die Aufgabe ist sehr spannend und macht mir Spass.» Mit Planung begann sie im März, vor den Sommerferien waren die Stundenpläne der 74 Klassen fertig.

Angesprochen auf die Tendenz, dass Lehrverträge immer kurzfristiger abgeschlossen werden, sagt Hug: «Das ist tatsächlich eine Herausforderung für die Stundenplanung in der Berufsfachschule.» Ein Beispiel: Vor den Sommerferien musste Hug die Lehrpersonen einer der vier Klassen zur Ausbildung zum Eidgenössischen Berufsattest (EBA) informieren, dass die Klasse wegen zu wenig Lernenden geschlossen werde. Anfang August wurde die Klasse wieder reaktiviert, da in der Zwischenzeit acht neue Lehrverträge in diesem Bereich abgeschlossen wurden. Hugs Bilanz: «Manchmal muss man Geduld haben und die Entwicklung während den Ferien abwarten, bevor man definitiv entscheidet.»

Marie-Theres Wiederkehr (76) Dietikon «Ich kann mich an die allererste Aufforderung der Lehrerin erinnern. Sie sagte, nun sollen wir uns alle einmal genauer ansehen. Das fand ich so einen schönen Satz, den habe ich bis heute nicht vergessen. Wir waren immerhin 43 Mädchen in der Klasse. Das war eine grossartige Lehrerin, und ich habe sie sehr gern gehabt.»
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Michaela Walischkowski (37) Altstetten «Ich weiss noch, dass mein Ranzen grösser war als ich. Ich bin in Deutschland eingeschult worden und da haben wir diese Schultüten. Die überragte mich auch um einiges. Es war eine aufregende Sache. Man steht ja so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit, die Familie ist um einen. Das war schon schön.»
Maria Adal (26) Burgund, Frankreich «Meinen ersten Schultag habe ich in Russland erlebt. Ich war sehr nervös, ich hatte den ganzen Sommer darauf gewartet und am zweiten Schultag hatte ich auch noch Geburtstag. Es war ein sehr schöner Tag und ich habe viele Freundschaften halten können von damals.»
Hans Salzmann (58) Fahrweid «Ja, sogar noch sehr gut. Damals habe ich bei der Frage aufgestreckt, wer schon lesen kann. Meine älteren Schwestern hatten es mir schon beigebracht. Von ihnen konnte ich schon in manchen Situationen profitieren.»

Marie-Theres Wiederkehr (76) Dietikon «Ich kann mich an die allererste Aufforderung der Lehrerin erinnern. Sie sagte, nun sollen wir uns alle einmal genauer ansehen. Das fand ich so einen schönen Satz, den habe ich bis heute nicht vergessen. Wir waren immerhin 43 Mädchen in der Klasse. Das war eine grossartige Lehrerin, und ich habe sie sehr gern gehabt.»

Zoé Iten

Eher selten komme vor, dass sie kurzfristig noch Lehrpersonen rekrutieren müsse. «Wir haben zum Glück einen grossen Bestand an Lehrpersonen, die auch bereit sind, ihr Pensum für ein Schuljahr zu erhöhen.» Zeichne sich ab, dass eine neue Klasse geschaffen werden müsse, mache man sich bereits auf die Suche. «Tendenziell plane ich stets genügend Anzahl Klassen ein, da das BZLT besonders im Bereich der Logistik in den letzten Jahren einen Zuwachs der Lernenden verzeichnete», so Hug. Anders bei den Produktionsmechanikern: Hier musste sie diese Woche noch zwei Klassen zusammenlegen.

Die Musikschule

Den Schlussakkord bei der Stundenplanung setzen die Musikschulen. In der ersten Schulwoche liegt es in der Musikschule Urdorf an Schulleiter Jan Wyss, die Stundenplan-Vorschläge der Instrumentallehrpersonen zu prüfen und die Raumverteilung für den offiziellen Start des Unterrichts in der darauffolgenden Woche zu organisieren. Es komme vor, dass er kurzfristig noch eine Aula oder ein Klassenzimmer freiräumen müsse. Hier sei er dann auf Kooperationen und Goodwill angewiesen.

«Dass wir Musikschulen meist als letzte in der Planungskette stehen, liegt in gewisser Weise in der Natur der Sache», so Wyss. Die Lektionen müsse er in aller Regel in die unterrichtsfreie Zeit legen, sprich: zwischen den Blockzeiten auf die Mittagsstunden oder ab 15.30 Uhr. Kollisionen mit den weiteren Freizeitaktivitäten der rund 450 Schülern seien vorprogrammiert. «Das Instrument steht auf der Prioritätenliste eben selten zuoberst», sagt Wyss. Es sei schwierig, Kinder und Jugendliche zu finden, die ihren freien Nachmittag für den Instrumentalunterricht hergeben wollen. Doch allen recht machen könne man es leider nie.