Dietikon

Und dann floss es in die Häuser: Das jüngste Neujahrsblatt handelt von der Wasserversorgung

Die Bilder zu diesem Beitrag stammen vom Stadtverein, dem Ortsmuseum und der Wasserversorgung Dietikon

Eindrücklich: Im Pumpschacht des Pumpwerks Schönenwerd II geht es 35 Meter in die Tiefe.

Die Bilder zu diesem Beitrag stammen vom Stadtverein, dem Ortsmuseum und der Wasserversorgung Dietikon

Am Sonntag wird das diesjährige Dietiker Neujahrsblatt anlässlich einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert. Eine wichtige Rolle spielt darin die Geschichte und die Arbeit der Wasserversorgung.

Wenn einem Reservoir ein Beitrag in der Fasnachtszeitung gewidmet ist, dann stimmt mit dem Bauwerk etwas nicht. Jenes in der Gyrhalde war tatsächlich nicht nach dem Geschmack des Dietiker Gemeinderats erstellt worden. Kurz nach der Inbetriebnahme 1926 zeigte sich, dass das Reservoir nicht ganz dicht war und daher viel Wasser verlor. Die Fasnächtler nahmen die Vorlage genüsslich auf und schrieben einen grossen Betonbau aus, der sich infolge «der guten Porösität des Bodens auch günstig für eine Waschanstalt eignen würde, da die Wasserversickerung einwandfrei erwiesen ist».

Vom Reservoir zum Lagerraum

Wäsche wurde im schon bald stillgelegten Reservoir zwar nicht gewaschen, dennoch wurde es umgenutzt – zu einem Lagerraum für Gemüse, wie Arthur Huber im jüngsten Dietiker Neujahrsblatt schreibt. Der langjährige Leiter der Infrastrukturabteilung der Stadt Dietikon und Mitarbeiter im Ortsmuseum ist einer der Autoren der Ausgabe 2018, die am Sonntag anlässlich einer Vernissage der Öffentlichkeit präsentiert wird. Zu einem grossen Teil widmet sie sich der Geschichte der Dietiker Wasserversorgung, die vor 125 Jahren ihren Anfang nahm.

Damals, am 5. Mai 1893, floss zum ersten Mal Wasser aus dem neu erstellten Reservoir Röhrenmoos in die zur selben Zeit gebaute Hauptleitung. Gefasst wurde das kühle Nass aus den Laubibrunnenquellen im Wald oberhalb der Hundshütte. Für die damals rund 2000 Einwohner Dietikons war dies eine grosse Veränderung, musste sie doch bis dahin ihr Wasser zur Hauptsache aus der Reppisch beziehen. Zudem gab es im Dorf eine Reihe von Sodbrunnen, die das Grundwasser anzapften sowie vier Dorfbrunnen.

Mit dem neuen Reservoir sowie den Zuleitungen in die Häuser begann nun aber eine neue Ära. Davon profitierten bald schon auch die vielen neuen Einwohner Dietikons. Rege Bautätigkeit liess die Bevölkerungszahl bis 1911 auf 4500 ansteigen. 1930 zählte das Dorf bereits 6500 Einwohner. Ein Ausbau des Wasserversorgungssystems tat dringend Not. Bereits 1912 wurde das Grundwasserpumpwerk Langacker I erstellt. 1926 folgte schliesslich die Inbetriebnahme des fehlerhaften Reservoirs Gyrhalde. Ein grosser Ausbauschritt wurde dann 1933 mit dem Bau der Grundwasseranlage Russacker und des Reservoirs Sonnenrain im Honeret-Wald getan. Parallel dazu wurde das Leitungsnetz laufend erweitert.

Beschäftigung für 136 Arbeitslose

Bei der Ausführung dieses Projekts, die in wirtschaftlich schwierige Zeiten fiel, war es der Gemeinde ein Anliegen, möglichst viele Arbeitslose einzusetzen. Deren 136 wurden schliesslich beschäftigt. Der Kanton unterstützte diese Bestrebungen finanziell. Noch wichtiger als das Geld aus Zürich war den Gemeindebehörden jedoch, dass das Reservoir dieses Mal auch funktionierte. Es war dicht und ist es bis heute. Auch das Pumpwerk Russacker tut immer noch seinen Dienst. Gleiches gilt für die weiteren Pumpwerke und Reservoire, die im Verlaufe der Jahrzehnte gebaut werden mussten.

Dazu gehört auch das 1984 in Betrieb genommene Grundwasserpumpwerk Schönenwerd. Dieses wurde vom wenige Jahre zuvor gegründeten Wasserwirtschaftsverband Limmattal erstellt. Ihm gehören die Gemeinden Dietikon, Schlieren, Geroldswil, Oetwil und Weiningen an. Sein Ziel ist es, die Versorgungssicherheit in den Gemeinden zu erhöhen.

Rund um die Uhr im Einsatz

Darauf ist auch die künftige Wasserversorgung ausgerichtet. Denn die Stadt wird weiter wachsen, in erster Linie im Gebiet Niderfeld, wo ein komplett neues Quartier entstehen soll. Auch das wird von Arthur Huber thematisiert. Damit weiterhin Wasser aus den Hähnen fliesst, muss das System nicht nur dem Bevölkerungswachstum angepasst werden, sondern in erster Linie gut unterhalten werden. Dafür verantwortlich zeichnen die Männer von der Wasserversorgung. Ihnen widmet die Journalistin Brigitte Hospenthal ein Kapitel.

Werner von Holzen (vorne) leitet das Team der Wasserversorgung.

Werner von Holzen (vorne) leitet das Team der Wasserversorgung.

Sie ist dabei, wenn sich das Team unter der Leitung von Werner von Holzen im Werkhof zur morgendlichen Sitzung trifft und die Arbeiten für den anstehenden Tag aufteilt. Zu den sich wiederholenden Aufgaben gehört es etwa, dass jeder der 30 Brunnen Dietikons ein Mal pro Woche angefahren und bei Bedarf gereinigt wird. Auch die 860 Hydranten in der Stadt bedürfen einer regelmässigen Kontrolle. Ein Mal im Jahr wird jeder von ihnen durchgespült. Die drei Reservoirs werden ebenfalls jährlich ein Mal gereinigt. Dafür müssen jeweils Tausende Kubikmeter Wasser abgelassen werden, ehe die Mitarbeiter die imposanten Räume in ihrer Schutzkleidung betreten können.

Gefragt ist die Wasserversorgung jeweils auch, wenn ein Anlass ansteht, etwa in der Markthalle. Wird dort Wasser benötigt, legen die Männer die temporären Leitungen. Schnelles Handeln wird von ihnen dann verlangt, wenn Unvorhergesehenes eintritt. Vor allem bei Wasserrohrbrüchen ist rasches Eingreifen gefragt. Deshalb ist die Wasserversorgung 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Jeder der sechs Mitarbeiter leistet darum regelmässig einen einwöchigen Pikettdienst. So wird gewährleistet, dass die Dietikerinnen und Dietiker zu jeder Tages- und Nachtzeit den Hahn aufdrehen und sich ein Schluck des qualitativ hochwertigen Wassers gönnen können, das dank der Wasserversorgung mittlerweile seit 125 Jahren in jedes Haus fliesst.

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