Ferienzeit ist Reisezeiten. Doch wo bucht man heute die Ferien? Die Zahl der Reisebüros hat sich laut Mitteilung des Schweizer Reise-Verbandes in den vergangenen 14 Jahren beinahe halbiert. Von den rund 2800 Reisebüros gibt es heute noch knapp 1600. Viele werden als Ketten geführt und nur wenige unabhängige Einzelfirmen bieten fachmännisch Beratung und Reiseorganisation an. Im Limmattal dagegen überleben seit mehreren Jahrzehnten eine Handvoll spezialisierter Reisebüros.

Seit 25 Jahren schon gibt es die Einzelfirma Kaiser Reisen in Weiningen. Geschäftsführer Peter Köstli sagt: «Im Reisebüro gebuchte Ferien basieren auf Vertrauen.» So erklärt sich Köstli den Erhalt seiner Stammkunden über die Jahre hinweg. Klar ist: «Das Reiseverhalten hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Die Menschen sind weiter gereist und entsprechend selbstständiger», sagt Köstli. Sie kämen mit gutem Vorwissen ins Reisebüro. «Trotzdem sind die Beratung und der Service durch den Reisefachmann wichtig, obwohl die Menschen sich vorher im Internet informieren», sagt der Geschäftsführer. Ein weiterer Grund, wieso sein Geschäft das Reisebürosterben überlebt hat, ist die Spezialisierung des Reiseangebotes. Kaiser Reisen arbeitet hauptsächlich mit Geschäftskunden. «Für Firmen ist das Internet nicht interessant und meist zu teuer», erklärt Köstli die Nachfrage nach Geschäftsreisen. Privatkunden könne man nicht nur mit guter Beratung halten.

Nische als Rettung

Das Reisebüro Maya Travel Inn dagegen kann seit fast 20 Jahren Privatkunden mit einer qualitativen Reiseberatung als Stammkunden beibehalten. Geschäftsführerin und Inhaberin Maya Hagenbucher sagt: «Die Kunden sind bereits gut informiert, wenn sie ins Reisebüro kommen. Das Ferienbuchen im Internet hat auch schon zu bösen Überraschungen geführt.» Mittlerweile kämen die Kunden wieder etwas vermehrt ins Reisebüro. Maya Inn sieht einen ganz klaren Vorteil in der persönlichen Beratung vor Ort: «Als Reisefachfrau habe ich viel gesehen und kann entsprechende Empfehlungen zu Ortschaften und Hotels abgeben. Zudem habe ich Rückmeldungen von Kunden nach der Reise, damit kann ich mein Wissen stetig weiter entwickeln.» Die Nähe zum Kunden sei wichtig beim Ferienbuchen. Aber auch Maya Hagenbucher hat sich spezialisiert. Sie ist eine Expertin für USA- und Musikreisen. Mit diesem Angebot bediene sie eindeutig eine Nische. Das Interesse am Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sei auch dieses Jahr wieder hoch – gelte es als politisch stabil und locke mit dem günstigen Dollar.

Herr und Frau Schweizer begünstigen mit ihrer Reiselust das Überleben der Reisebüros: Im Jahr 2014 unternahm die Bevölkerung im Durchschnitt 2,7 Reisen pro Jahr. Dies geht aus der Studie des Schweizer Reise Verbandes in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen hervor.