Bergdietikon
«Umzonung Rai»: Profilstange erhitzt Gemüter

Der Abstimmungskampf um die Umzonung des Lands Rai in Bergdietikon geht in die heisse Phase – mit Visualisierungen und einer Stange.

Tobias Hänni
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Der Abstimmungskampf um die Umzonung des Lands Rai in Bergdietikon geht in die heisse Phase – mit Visualisierungen und einer Stange.

Der Abstimmungskampf um die Umzonung des Lands Rai in Bergdietikon geht in die heisse Phase – mit Visualisierungen und einer Stange.

zvg

Wenige Tage vor der Abstimmung zur Umzonung des Lands Rai versuchen die Gegner und Befürworter der Vorlage noch einmal mit allen Kräften, die Stimmberechtigten von ihren Argumenten zu überzeugen.

Das Pro-Komitee «Ja zum Rai für unser Bergdietikon», das von der FDP, der SVP und des Bürgerforums Bergdietikon getragen wird, bat in einem Brief an die Bergdietiker Haushalte noch einmal um Zustimmung für die Umzonung. Beigelegt war dem Brief die Visualisierung eines Richtprojekts, mit dem die Befürworter eine künftige Überbauung auf dem Hanggebiet veranschaulichten.

Genau an dieser Visualisierung stören sich die Gegner vom Komitee «norai.ch». In einer Broschüre, die sie am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche im Dorf verteilt haben, schreiben sie: «Die Befürworter stellen die geplante Überbauung aus der Vogelperspektive dar, sodass diese ganz klein wirkt.» Vom «Boden der Realität» sehe dies ganz anders aus.

Um dies zu verdeutlichen, haben die Gegner der Umzonung und der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) für das Land Rai an der Föhretstrasse eine Profilstange aufgestellt – «mit freundlicher Genehmigung der Grundeigentümerin», wie es in der Info-Broschüre heisst.

Dabei handle es sich nicht um eine der Parzellen der Gemeinde, sagt Komiteemitglied Steffen Aierle. «Es ist einer der privaten Grundeigentümer, der uns erlaubt hat, die Stange aufzustellen.» Mit dieser wolle das Komitee die Maximalhöhe aufzeigen, welche die neue BNO auf dem Land Rai erlauben würde, so Aierle. Dazu verwende das Komitee «nach bestem Wissen und Gewissen» die bestehenden Informationen. Und nach diesen erlaube die BNO Gebäude von bis zu 19,5 Metern Höhe.

Einbettung ins Umfeld zeigen

Laut dem Bergdietiker Gemeindeammann Gerhart Isler stellt die Profilstange zwar die maximal zulässige Höhe korrekt dar. «Allerdings ist dieser nur für einen ganz kleinen Bereich gültig.» Darüber hinaus sei die Maximalhöhe gemäss BNO für diesen Bereich bloss eine theoretische, so Isler. Das vorgesehene Projekt der Baufirma Implenia werde an der Ecke, wo die Profilstange stehe, nur 15,25 Meter hoch, da das Sockelgeschoss zu zwei Dritteln im Boden verschwinde.

Dem Vorwurf der Gegner, die Vogelperspektive der Visualisierung, die sich auch im offiziellen Abstimmungsbüchlein der Gemeinde findet, sei bewusst gewählt, um die Überbauung kleiner als in der Realität wirken zu lassen, widerspricht der Gemeindeammann: «Diese Ansicht wurde gewählt, um eine mögliche Überbauung auf dem Land Rai im Kontext der Umgebung zeigen zu können.» Aus einer anderen Perspektive wären die Einbettung und der Vergleich mit den bestehenden Gebäuden nicht möglich gewesen.

Auch Werner Weibel (Bürger-Forum Bergdietikon) vom Komitee «Ja zum Rai für unser Bergdietikon» ist überzeugt, dass die Visualisierung eine künftige Überbauung realitätsgetreu abbildet. «Wir wollen damit aufzeigen, dass eine Überbauung in dieser Form erträglich wäre.» Die Darstellung stamme vom Architekturwettbewerb, den Implenia für ein Richtprojekt für das Land Rai durchgeführt hatte. Er könne die Bedenken der Gegner bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, sagt Weibel: «Man sollte bei einem renommierten Bauunternehmen wie Implenia aber ein wenig Vertrauen haben, dass der Hang nicht vollgeklatscht wird.»

Mit der Abstimmung am 18. Oktober entscheiden die Bergdietiker Stimmberechtigten über ein Geschäft, das die Gemeinde schon seit Jahrzehnten beschäftigt. In den 1980er-Jahren kaufte die Gemeinde drei Parzellen des Landes. 2011 stimmten die Bergdietiker dem Verkauf der Parzellen an Implenia für 3,97 Millionen Franken zu. Dazu besteht aber lediglich ein Vorvertrag zwischen der Gemeinde und dem Unternehmen.