Beide strahlten, als sie sich im Dietiker Stadthaus die Hand schüttelten: Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) und Samuel Spahn, Gemeinderat der Grünen und Präsident des Initiativkomitees « Umweltschutz konkret». Beide waren sich denn auch einig, dass niemand wirklich verloren hatte.

Wie kurz zuvor bekannt geworden war, hatte sich das Dietiker Stimmvolk mit einer grossen Mehrheit von 68,8 Prozent hinter den Gegenvorschlag des Stadtrats zur Initiative « Umweltschutz konkret» gestellt. Somit muss sich die Gemeinde in Zukunft ganz offiziell einer «ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Entwicklung» verpflichten. Dazu orientiert sie sich am langfristigen Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft. Die Gemeindeordnung wird mit der entsprechenden Passage ergänzt.

«Teilerfolg» für Initianten

Das freut auch die Grünen. Obwohl deren Initiative selber keine Chance hatte: Sie wurde mit 62,6 Prozent Nein-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von gut 29 Prozent deutlich verworfen. Im Gegensatz zur Version des Stadtrats hätte die Initiative messbare Ziele in der Gemeindeordnung verankert - zum Beispiel die Reduktion des CO-Ausstosses auf eine Tonne pro Einwohner und Jahr bis 2050.
Infrastrukturvorstand Brunner zeigte sich «glücklich» über das Resultat. Er betonte zudem, mit der angenommenen Vorlage verfolge man das gleiche Ziel wie die Initiative. «Wir gehen das Ganze einfach etwas pragmatischer an.» Im Gegensatz zur Initiative propagiere der Gegenvorschlag einen «freien Weg», der auf Eigenverantwortung setze: «Die Initiative hätte eine Bevormundung bedeutet, und das will das Volk ganz offensichtlich nicht», so Brunner.

Samuel Spahn, Präsident des Initiativkomitees und Gemeinderat der Grünen, zeigte sich ebenfalls recht zufrieden mit dem Resultat und sprach von einem «Teilerfolg»: «Wir haben mit unseren beschränkten Ressourcen erreicht, dass sich in Dietikon energiepolitisch etwas bewegt. Das ist schön.» Seine Partei wolle nun jedoch «ein waches Auge» darauf haben, dass die Verpflichtung zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibe.

Zudem sei die Tatsache, dass der Stadtrat nun das Label «Energiestadt Gold» anstrebe, sicher auch teilweise der Verdienst der Grünen, meinte Spahn. Dies gab Brunner sogar grosszügig zu: «Wer weiss, ob wir uns ohne Initiative zu diesem Schritt entschlossen hätten?»

Stadtrat: «Wir sind auf Kurs»

Durch die Annahme des Gegenvorschlags werde sich unmittelbar nichts ändern, sagte Brunner. Denn mit dem Entschluss, das Label «Energiestadt Gold» erreichen zu wollen - bereits seit 2003 ist Dietikon Energiestadt - sei man schon auf dem richtigen Kurs. Der Stadtrat habe auch bereits den Weg aufgezeigt, den man in den nächsten vier Jahren gehen wolle, um das Label zu erreichen und noch nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen. Dazu sei auch ein Massnahmenkatalog aufgestellt worden.