Kleidervorschriften
Umstrittene Burkinis: So regeln Limmattaler Badis das Schwimmen mit dem Ganzkörperanzug

Nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz ist das Tragen eines Ganzkörperanzugs umstritten. Gewisse Gemeinden haben bereits ein Burkini-Verbot in ihren Schwimmbädern eingeführt – ganz anders das Limmattal.

Sandra Meier
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Nur wenige Frauen tragen in Limmattaler Badis ein Burkini. (Symbolbild)

Nur wenige Frauen tragen in Limmattaler Badis ein Burkini. (Symbolbild)

Keystone

Die Frage, wie verhüllt sich muslimische Frauen zeigen dürfen, erhitzt nicht nur in der Schweiz die Gemüter; in ganz Europa existieren unzählige Vorbehalte gegen das Tragen von Burkas. Auch Burkinis führen diesen Sommer zu emotionsgeladenen Diskussionen. Der zweiteilige Ganzkörperanzug mit Kopfbedeckung wird von Frauen getragen, die beim Baden eine strenge Auslegung des Islams befolgen wollen.

Nachdem die südfranzösische Stadt Cannes ein Burkini-Verbot verhängte, zogen auch Schweizer Gemeinden nach, so zum Beispiel Meyrin im Kanton Genf, wo das Tragen von Kleidung, welche einen "kulturellen oder religiösen Unterschied markieren", nun rechtswidrig ist.

Während SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann aus Rümlang das Tragen eines Ganzkörperanzugs mit einem grossen Defizit an Integrationswillen vergleicht, bedauert die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri die Einführung von Burkini-Verboten. «Es ist ja gerade schön, wenn Musliminnen in die Badi gehen und sich so in unserer Kultur integrieren», sagt sie gegenüber der Gratiszeitung "20 Minuten".

Burkinis erlaubt, Kleider nicht

Im Limmattal klingt der Tenor einstimmig, hier deutet nichts darauf hin, dass Burkinis ein Problem darstellen – weder für die Badis noch für deren Besucher. So sind in der Badi Weihermatt in Urdorf Burkinis erlaubt, sofern sie aus synthetischem Material bestehen. „Burkinis aus Leinen sind hingegen verboten, weil ihre Fusseln unsere Filter verstopfen“, erklärt Hans Kaeser, Betriebsleiter der Weihermatt, auf Anfrage. Beschwerden über Frauen, die in Burkinis baden, habe es noch keine gegeben.

Mit diesen Badekleidern ist es erlaubt, im Freibad Im Moos zu schwimmen:

Badeverordnung des Schwimmbads Im Moos

Badeverordnung des Schwimmbads Im Moos

Stadt Schlieren

Auch im Schlieremer Bio-Schwimmbad Im Moos dürfen Frauen in offiziellen Burkinis Erfrischung suchen. Allerdings sind André Thoma, Leiter des Sekretariats Werke Schlieren, keine Fälle bekannt, in welchen Frauen tatsächlich Burkinis beim Baden getragen hätten. Hingegen gebe es immer wieder Erwachsene, die in Kleidern oder mit Unterhosen unter den Badehosen ins kühle Nass springen wollen. „Das ist regelwidrig“, sagt Thoma, da es die biologische Wasseraufbereitung gefährde. Das Verbot habe schon öfter zu heftigen Diskussionen geführt, welche in extremen Fällen in einer Wegweisung enden.

Im Oberengstringer „Hölzli“ ist das Baden mit Burkinis ebenfalls erlaubt, wie Thomas Kralemann, Bereichsleiter Nord der Abteilung Badeanlagen beim Sportamt der Stadt Zürich, sagt. Es sei offiziell in der Badeordnung aufgeführt. Allerdings ist ihm kein Fall bekannt, in welchem diese Erlaubnis genutzt wurde.

Im Birmensdorfer Schwimmbad Geren hat es laut Chefbademeister Süri Markovic noch keinen Fall von Frauen gegeben, welche in Burkinis baden wollten. Eine ensprechende Regelung ist ihm nicht bekannt.

Das Fondli in Dietikon war für eine Anfrage nicht erreichbar.

Limmattaler Badis
5 Bilder
Fondli Dietikon Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 9-20 Uhr, Mittwoch 6-20 Uhr (in den Sommerferien von 9-20 Uhr) Eintrittspreis: 6 Franken
Weihermatt Urdorf Öffnungszeiten: Bis Mitte August 9-20 Uhr, ab Mitte August bis Anfang September 10-19 Uhr Eintrittspreis: 6 Franken
Badi Geren Birmensdorf Öffnungszeiten: Juli und August 9-20 Uhr, September 9-19 Uhr Eintrittspreis: 7 Franken
Badi Im Moos Schlieren Öffnungszeiten: Bis Mitte August 9-20 Uhr, ab Mitte August bis Ende September 9-19 Uhr Eintrittspreis: 7 Franken

Limmattaler Badis

Christian Murer