Urdorf
Um eine Enteignung zu verhindern: Grundeigentümer sollen Boden gratis abgeben

Die untere Bahnhofstrasse erhält ein zweites Trottoir. Sechs Grundeigentümer müssen dafür Land abgeben.

David Egger
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Die Haifischzähne müssen weg: Neu gilt der Vortritt für jene, die von der Weihermattstrasse (Vordergrund) in die Bahnhofstrasse fahren.

Die Haifischzähne müssen weg: Neu gilt der Vortritt für jene, die von der Weihermattstrasse (Vordergrund) in die Bahnhofstrasse fahren.

David Egger

Der untere Teil der Urdorfer Bahnhofstrasse ist in einem schlechten Zustand. Der Belag hat sich verformt, ist von Rissen und Löchern übersät. Auch die Weihermattstrasse ist nur noch Flickwerk. Darum plant Urdorf schon länger eine Sanierung: 2011 hat der Gemeinderat ein Gestaltungskonzept beschlossen. Jetzt liegen die genauen Baupläne vor.

Während der Planung wurde auch der Verkehrsdienst der Kantonspolizei nach seiner Meinung gefragt. Denn mit der Sanierung werden nicht nur die Strassenbeläge und verschiedene Leitungen saniert. Die ganze Kreuzung von Weihermatt- und Bahnhofstrasse wird neu gestaltet und der Vortritt neu geregelt. Davon profitiert der öV. So sind die Busse 311 und 308 vom Bahnhof Weihermatt nach Dietikon und Altstetten an der genannten Kreuzung künftig vortrittsberechtigt.

«Fussverkehr hat zugenommen»

Ein weiteres Novum betrifft die Fussgänger und Anwohner. So erhält der untere Teil der Bahnhofstrasse auch auf der Südseite ein Trottoir. Bisher gab es nur eines auf der Nordseite. Auch die Kirchgasse erhält neu auf der Westseite ein kleines Trottoir. «Aufgrund der baulichen Entwicklung hat der Fussverkehr zugenommen. Mit dem Projekt wird die Schulweg- und Fussgängersicherheit erhöht», begründet die Gemeinde auf Anfrage. Auch der Weg zum Friedhof werde so sicherer.

Um die neuen Fusswege erstellen zu können, muss die Gemeinde mehrere Landstücke erwerben. Total sind sechs Parzellen betroffen, von denen 259 Quadratmeter an die Gemeinde übergehen sollen. Das kleinste Landstück ist 2 Quadratmeter gross, das grösste 106 Quadratmeter. Weitere 39 Quadratmeter befinden sich auf einer gemeindeeigenen Parzelle.

Besitzer sollen kein Geld erhalten

Die Gemeinde will verhindern, dass sie die Grundeigentümer enteignen muss. In den gut vierseitigen Verträgen, die sie Anfang März verschickt hat, schlägt sie den Landbesitzern nun eine spezielle Abmachung vor. Die Eigentümer sollen der Gemeinde den Boden gratis abgeben, obwohl sie laut Strassengesetz Anspruch «auf vollen Ersatz aller Vermögensnachteile» hätten. Als Gegenleistung müssen die Eigentümer keine Mehrwertabgabe zahlen, die das Strassengesetz vorsieht, wenn eine verbesserte Strassensituation den Wert einer Liegenschaft steigert. Je nach Parzelle lohnt sich das Tauschgeschäft für die betroffenen Grundeigentümer mehr oder weniger.

In einem Monat sollen die Verträge unter Dach und Fach sein. «Wir sind zuversichtlich, dass die Verträge bis Anfang Mai abgeschlossen werden können», sagt auf Anfrage Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf.

Weitere zwei Landbesitzer können zudem ihre Grundstücke vergrössern und der Gemeinde 123 Quadratmeter Boden auf der Nordseite der Kreuzung abkaufen, wenn sie wollen. Denn die Gemeinde ist nicht mehr auf dieses Land angewiesen. Weiter muss das Scheunendach an der Bahnhofstrasse 85 (Bildmitte), das nun zu weit in die Strasse hinausragt, verkürzt werden. Die Kosten übernimmt die Gemeinde.

Neuer Streifen für Velofahrer

Neben der neuen Vortrittsregelung und den zusätzlichen Trottoirs sollen weitere Änderungen die Sicherheit erhöhen: Die untere Bahnhofstrasse wird breiter und erhält nun auf der Südseite einen Radstreifen. Auch die Weihermattstrasse erhält auf dieser Seite neu einen Radstreifen bis zur Uitikonerstrasse.

In der Mitte der Weihermattstrasse wird zudem ein überfahrbarer Mehrzweck-Mittelstreifen erstellt, der die Fahrbahn einengen und das Abbiegen zu den privaten Liegenschaften vereinfachen wird. Zudem werden die beiden Bushaltestellen «Uitikonerstrasse» so verlegt, dass Autos künftig den anhaltenden Bus nicht mehr überholen können. Schliesslich werden an beiden Strassen LED-Lampen installiert.

Die Pläne für das 2,7 Millionen Franken teure Projekt liegen bis und mit 12. April im Gemeindehaus auf. Danach muss die Gemeinde noch 30 Tage lang allfällige Einsprachen abwarten. Bis Juni sollen die Bauaufträge öffentlich ausgeschrieben werden. Die Vergabe soll bis Juli abgeschlossen sein. Läuft alles rund, machen sich dann im August die Bauarbeiter ans Werk.