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Trotz grüner Welle und Klimajugend: Der Verein Pro Üetliberg kämpft ums Überleben

Der Verein Pro Üetliberg ist überaltert und sucht Nachwuchs. In einem Aufruf in der Mitgliederzeitung macht Präsidentin Margrith Gysel unmissverständlich klar, dass bald Schluss sein könnte.

Alex Rudolf
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Margrith Gysel ist Präsidentin des Vereins Pro Üetliberg.

Margrith Gysel ist Präsidentin des Vereins Pro Üetliberg.

Bild: Severin Bigler

Dass der Verein Pro Üetliberg zu wenig Mitglieder habe, sei nicht der Fall, sagt Präsidentin Margrith Gysel. «Unser Problem ist viel eher, dass wir überaltert sind und keinen Nachwuchs finden, der die Vereinsleitung übernehmen würde», sagt die Mitbegründerin und langjährige Vereinspräsidentin.

Dabei handelt es sich um ein Schicksal, das viele Vereine der Region kennen, doch bei Pro Üetliberg ist es weniger nachvollziehbar. So bedienen zahlreiche Vereine Nischen, bei denen ‒ geraten sie aus der Mode ‒ die Suche nach Nachwuchs schwierig ist. Mit der grünen Welle bei den vergangenen Wahlen und den Aktivitäten der Klimajugend sollte sich aber ein bekannter Verein wie Pro Üetliberg, der für den Erhalt intakter Naherholungsgebiete kämpft, vor Interessierten kaum retten können.

Der Verein habe dringend neue Impulse nötig

Dem sei leider nicht so, sagt Gysel. «Viele Junge haben nicht die Zeit oder die Lust, sich langfristig unentgeltlich einzusetzen», sagt sie. Dies bereitet dem Verein grosse Sorge, schrieb sie in der Mitgliederzeitung. Denn ein neuer Schub, neue Impulse habe der Verein dringend nötig.

Den Verein gibt es seit 2004. Er war eine Reaktion auf die rege Nutzung des Üetlibergs durch die Betreiber des Uto Kulm. Wie es in den Medien damals hiess, sammelten die Grünen 7393 Unterschriften, um beim Regierungsrat gegen den «Rummel auf dem Üetliberg» zu protestieren. Um diesem Bedürfnis Nachdruck zu verleihen, folgte die Vereinsgründung, unabhängig von der politischen Ausrichtung der Beteiligten.

In den Jahren darauf wehrten sich die Naturschützer immer wieder, indem sie Einsprachen einreichten. Erst 2017 setzte der Regierungsrat den Gestaltungsplan Uto Kulm und somit die erlaubte Nutzung fest. Seither beobachten die Vereinsmitglieder die Durchsetzung dieser Regeln, nehmen sich aber auch neuen Projekten an. So bekämpfen sie etwa die Art der Waldpflege durch Grün Stadt Zürich. Man setze hier auf viel zu grosse Rodungen, wodurch der Boden mit schweren Maschinen beschädigt werde. Auch will Pro Üetliberg, dass ein verschwundener Trinkwasserbrunnen ‒ ein Findling ‒ bei der SZU-Bergstation ersetzt wird.

Der Verein hat keine Geldsorgen

Heute habe Pro Üetliberg unverbrauchte Mitkämpferinnen nötig, welche die bisherige, ein wenig müde gewordene Crew ergänzen und allenfalls sogar ablösen würden, heisst es in der Mitgliederzeitung. «Wie wir diese neuen Mitglieder finden sollen, wissen wir derzeit nicht», sagt Gysel. So verunmögliche die Pandemie die Durchführung einer Mitgliederversammlung erneut.

Immerhin: Geldsorgen hat der Verein keine. «Bislang konnten wir all unsere Einsprachen durchführen, was sehr erfreulich ist», so Gysel. Der Mitgliederbeitrag werde vom Grossteil stets zuverlässig beglichen. Als Dankeschön verfasst Gysel jeweils einen persönlich adressierten Brief. «In all den Jahren wurde dies zu meiner persönlichen Routine wie etwa das Zähneputzen. Jeden Tag gehe ich selbstverständlich an den Computer und schaue, ob Dankesbriefe zu verfassen sind», sagt sie.