Uitikon
Stil und Eleganz statt bauchfrei und Hotpants: Warum diese 56-Jährige die Instagram-Welt begeistert

Unter dem Namen «funkyforty» teilt die in Neuseeland aufgewachsene Yvonne Aeberhard Stutz Tipps und Outfit-Inspirationen mit der Internetgemeinde. Damit will sie älteren Frauen Mut machen.

Larissa Gassmann
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Muss sich modisch nicht verstecken: Unter dem Namen «funkyforty» ist Yvonne Aeberhard auf Social Media unterwegs.

Muss sich modisch nicht verstecken: Unter dem Namen «funkyforty» ist Yvonne Aeberhard auf Social Media unterwegs.

zvg / Yvonne Aeberhard Stutz

Flatternde Kleider, verführerisch wirkende Kosmetikprodukte, die in die Kamera gestreckt werden und malerische Strände: Auf den ersten Blick wirkt der Instagram-Kanal von Yvonne Aeberhard Stutz bloss farbenfroh und fröhlich. Eines aber hebt ihn definitiv vom Einheitsbrei auf der Social-Media-App ab: das Alter der Protagonistin. Aeberhard Stutz ist 56 Jahre alt. Trotzdem präsentiert sie sich im Internet noch immer unter dem Namen «funkyforty». Damit wolle sie das Klischee von «für immer vierzig» humorvoll brechen. «Es ist meine Lebensversicherung, für immer 40+ zu sein», so Aeberhard Stutz.

Auf ihrem Account, da wolle sie vor allem gute Laune verbreiten. «Egal wie alt man ist: Man kann immer cool, modern und fit bleiben. Dies möchte ich allen zeigen», sagt Aeberhard Stutz. Davon überzeugen liessen sich seither rund 30’000 Followerinnen und Follower – darunter auch viele junge Menschen.

Aufgewachsen ist die in Uitikon wohnhafte Aeberhard Stutz als Kind zweier Schweizer in Neuseeland. In der Schweiz lebt sie seit über 30 Jahren; modische Unterschiede, die gebe es durchaus. Wann immer sie ausgefallener Kleidungsstücke trage, nenne ihr Mann dies etwa «neuseeländische Mode».

Die Modewelt habe sie schon immer geliebt. So habe sie bereits früher gerne Bekannte gestylt und ihnen Tipps weitergegeben. Sie lebe fürs Reisen, die Fotografie und das Kochen. Heute könne sie all das tun, was ihr so gefalle. «Ich darf all meine Passionen auf einmal ausleben», sagt Aeberhard Stutz. Denn: Mit Instagram allein ist es nicht getan. Dazu gesellt sich ein Onlinemagazin mit über tausend Artikeln. Gleichzeitig ist Aeberhard Stutz als Modefotografin für Zeitschriften an der Fashion Week in Mailand oder Paris unterwegs, auch Hochzeitsfotos schiesst sie ab und an. Sie sei also nicht einfach bloss Influencerin: «Es dreht sich nicht immer nur um mich.»

Für junge Menschen gibt es bereits genug Angebote

Gearbeitet hat Aeberhard Stutz einst im Finanzbereich, unter anderem als Direktorin bei einer Grossbank. Dies sei eine total andere Welt. Aber: «Ich wäre nicht da, wo ich heute bin, ohne die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe.» So gehören zu ihrem heutigen Job auch das Marketing und Verhandlungen mit Produktanbietern.

Auf ihren Kanälen will «funkyforty» gute Laune verbreiten und Frauen Mut machen.

Auf ihren Kanälen will «funkyforty» gute Laune verbreiten und Frauen Mut machen.

zvg / Yvonne Aeberhard Stutz

Als ihr zum ersten Mal die Idee kam, sich komplett ihrer Leidenschaft zu widmen, sei sie «in einer Zwischenphase» im Leben gewesen. An einem Apéro eines Modegeschäfts hat sie dabei eine junge amerikanische Bloggerin kennen gelernt. Diese habe sie beeindruckt. Denn: «So etwas wollte ich immer gerne machen – nur eben für Frauen ab 40.» Als die Bloggerin ihr damals gut zuredete, dachte Aeberhard Stutz, «dass sie vielleicht einfach nur nett sein wollte». Trotzdem habe ihr die Begegnung Mut gemacht. So gebe es viele Plattformen für junge Personen, nicht aber für über 40-Jährige.

«Jetzt muss man mir nichts mehr sagen. Ich bin einfach nur ich. Und fertig»

Was die Bedürfnisse betrifft, seien die beiden Zielgruppen kaum verschieden. So geht es Aeberhard Stutz denn auch nicht darum, Unterschiede aufzuzeigen. Einer aber sei vielleicht, dass «die Frau ab 40» mehr Wert auf Stil und gute Qualität lege, «sie kann sich ja auch etwas leisten». Auch wenn sie selbst nicht mehr bauchfrei herumlaufen würde, solle man im Alter nicht aufhören, sich modisch zu kleiden.

Gegen Vorurteile müsse sie «ehrlich gesagt» wenig kämpfen, so Aeberhard Stutz. Bloss einmal wurde sie gefragt, was ihre Tochter von all dem halte. Diese sei aber stolz auf ihre Mutter. So findet sich im «funkyforty»-Onlinemagazin denn auch eine Anleitung für das Shoppen mit Teenagern. Irgendwo mitten im bunten Labyrinth gesellen sich Dinge wie ein Rezept für einen Ingwer Cake, Entspannungstipps oder Street-Style-Inspirationen dazu.

Ihren neun Job übt Aeberhard Stutz nun seit sieben Jahren aus. Ganz damit aufhören wolle sie vermutlich nie. Zu lange hat sie sich alles aufgebaut, Pläne hat sie genug. Mit jedem neuen Lebensjahr wachse dabei das Selbstbewusstsein, die Zufriedenheit. So brauche es recht lange im Leben, bis man sich in- und auswendig kenne. Viele Sachen, die ihr heute gesagt werden, hätten sie als junge Person verletzt. «Jetzt muss man mir nichts mehr sagen. Ich bin einfach nur ich. Und fertig», sagt Aeberhard Stutz. Angst vor dem Älterwerden hat sie nicht. Wenn man bewusst altere, sei das schön: «Es gibt einem eine gewisse Freiheit.»