Mit Vornamen grüssen und verabschieden die Verkäuferinnen der Bäckerei Bode beinahe jeden Kunden. Es ist kurz nach neun Uhr, jeder Aussenplatz ist besetzt. Die vielen Uitiker gönnen sich ein Canapé oder ein Gipfeli zum Kaffee. Es wird klar: Die einzige Bäckerei in der 4000-Seelen-Gemeinde ist gefordert – sogar inmitten der Sommerferien. Etwas weiter die Zürcherstrasse hinauf wird schnell ersichtlich, dass es nicht mehr lange bei dieser Einwohnerzahl bleiben wird: Gebannt blicke ich von der Bushaltestelle Waldegg in Richtung Süden und sehe weisse Bauprofile, soweit das Auge reicht. Bis zur Birmensdorfer Grenze zeigen sie auf, wo neue Gebäude erstellt werden und die Gemeinde um rund 700 Einwohner wachsen wird.

«Es ist fraglich, ob jene Einwohner angezogen werden, die zum Gemeindeleben in Uitikon auch etwas beitragen wollen», sagt Margrith Gysel. Ich treffe die Präsidentin des Vereins Pro Üetliberg im Üdikerhuus zum Mittagessen. Sie ist eine der Einwohnerinnen, die weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist. «Ich bin wohl viel eher berüchtigt als berühmt», sagt sie mit einem verlegenen Lächeln und bestellt sich ein Vitello Tonnato. Ihr langjähriger Kampf für den strikten Schutz des Uitiker Hausbergs hat ihr in der Tat nicht nur Freunde eingebracht. Mir bleibt das Essen im Hals stecken, als Gysel erzählt, dass ihr in anonymen Briefen auch schon schwere Krankheiten gewünscht wurden.

Doch zurück zu Uitikon, wo Gysel bereits seit fast 40 Jahren wohnt. Die Überalterung sei eines der grössten Probleme, stellt sie fest. «Zudem werden durch die horrenden Bodenpreise und den tiefen Steuerfuss vorwiegend Gutverdiener in die Gemeinde gelockt», sagt sie. Diese würden sich nun mal weniger in Vereinen oder politischen Ämtern engagieren. Zeitgleich aber mehr Luxusautos - oder wie Gysel sie nennt: Goldküstentraktoren – in die Gemeinde bringen. Doch müsse sie der Gemeinde auch Kränze winden. So habe beispielsweise die Videoüberwachung in Ringlikon vor dem Üetliberg-Fahrverbot bewirkt, dass weniger Autos den Berg befahren, eines der Ziele von Pro Üetliberg. «Die aktuelle Situation entspricht bei weitem noch nicht unseren Vorstellungen für ein autofreies Naherholungsgebiet,» ergänzt sie.

Community Policing ist wichtig

Eine junge Familie, Mutter, Vater und zwei Buben – sie alle sind blond, sitzt auf dem geteerten Weg kurz vor der SZU-Station Üetliberg in der Sonne. «Na, geniesst ihr die Ferien», fragt Polizist Heinz Frei, der mit mir als Beifahrer im Streifenwagen vorbeifährt. Die Mutter bejaht freundlich, während die beiden Kleinkinder ehrfürchtig zum Polizisten hochblicken. Zwei Mal täglich fährt Frei auf den Berg und zurück, um Autolenker zu büssen, die verbotenerweise hinauffahren. Wöchentlich treffe er auf zwischen 20 bis 30 Personen, die das Fahrverbot missachten. «Die Entschuldigungen sind stets dieselben. Sie hätten die Schilder nicht gesehen», sagt Frei. Bald werde die Gemeinde ein Weiteres aufstellen, doch prophezeit er, dass auch dieses von gewissen Menschen ignoriert werde.

Ein Seniorenpaar läuft im Entenmarsch den Hügel hinunter. Frei, der stets mit offenem Fenster fährt, spricht die beiden an. Die Frau feierte erst kürzlich ihren 75. Geburtstag, der Polizist nennt sie fit wie ein Turnschuh. «Wissen Sie, hier oben geht es auch darum, den Kontakt mit der Bevölkerung zu pflegen», sagt Frei, der diese Woche sein 20. Dienstjubiläum feiert. Er bedient sich der neudeutschen Bezeichnung «Community Policing». Zwischen den Einwohnern und der Polizei solle ein friedliches Verhältnis herrschen. Dazu trage auch ein kleiner Schwatz bei. Ein Verkehrssünder kreuzt unseren Weg derweil nicht.

Auf dem grossen Schild an der Fassade im Zentrum Waldegg prangt noch immer «Baroth», der Name des Vorgänger-Lokals. Verständlich, feierten doch Joy und Hans Forster erst diese Woche Eröffnung. Zufällig laufe ich am späteren Nachmittag daran vorbei und beschliesse, mich zu der vergnügten Runde zu gesellen. Wie ich erfahre, pachten die Thailänderin und ihr Mann das Lokal bis zum kommenden Frühling. Dann soll das Zentrum erweitert werden. Forster hofft, danach mit «Joy’s Bistro» eine der neuen Restaurationsflächen beziehen zu können. In Uitikon habe es zu wenig Bars und Restaurants, das Bedürfnis in der Gemeinde sei klar vorhanden, fügt er an. Auch in Anbetracht des anstehenden Wachstums.

Dies bezeugt auch ein Blick auf die Terrasse des Landgasthofs Leuen: Fast jeder Tisch ist belegt. Noch bunter geht es in der Küche zu und her. «An solch schönen, warmen Tagen stellen wir rund 150 Hauptgänge her», sagt Küchenchef Thomas Hermann und nimmt sich wieder der Fleischzubereitung an: Draussen setze ich mich mit der stellvertretenden Geschäftsleiterin Fabienne Bernegger hin. Das blonde Kind am Nebentisch verschlingt emsig eine Portion Hörnli und Ghackets, die Spuren um den Mund des Kleinen vergrössern sich im Sekundentakt. Seit zwei Jahren arbeitet Bernegger im Betrieb ihrer Eltern, zuvor war sie Bankerin für ein US-Unternehmen. Dieses Leben habe sie jedoch nicht erfüllt, wie sie sagt. Auch wenn es in Gastroberufen sehr hektisch werden könne, gebe ihr die Arbeit im Leuen auch viel zurück. So würde mit den Gästen ein familiärer Umgang gepflegt. Später – währendem ich einen Sommerteller geniesse – wird Bernegger von Tisch zu Tisch gehen und einen Grossteil der Gäste mit Nachnamen grüssen.

Einer von ihnen ist FCZ-Spieler Roberto Rodriguez, der es sich im hinteren Teil der Terrasse gemütlich gemacht hat. Der 26-Jährige schätze die Atmosphäre im Leuen, wie er sagt. Kennen gelernt habe er den Gasthof durch seinen Fussballclub. «Vor den Spielen isst die Mannschaft jeweils hier und legt sich noch für ein paar Stunden in den Hotelzimmern hin, bevor es ins Stadion geht», sagt er.

Gif: Sternwarte Uitikon

Nun bin auch ich Saturn-Fan

Keine einzige Wolke trübt den Nachthimmel: Perfekte Voraussetzungen für einen Besuch in der Sternwarte, denke ich mir gegen 22 Uhr. Da bin ich nicht der einzige, der Andrang ist riesig, der Platz begrenzt. Grosseltern, Göttis und Kinder – sie alle drängen sich um das Teleskop und lauschen den Ausführungen von Frank Nagel, der die gratis Begehung an diesem Abend leitet. «Saturn ist wegen der Ringe wohl einer der attraktivsten Planeten», sagt er und richtet das Teleskop auf ihn aus. «Der Planet mit seinen Ringen sieht aus wie im Zeichentrickfilm», sagt eine Besucherin, Mars löste weniger Enthusiasmus aus.

Frank Nagel erklärt, wie die Schärfe des Teleskops verändert wird

Frank Nagel erklärt, wie die Schärfe des Teleskops verändert wird

Ein Knabe fragt, ob man denn per Raumschiff zum Saturn fliegen könnte. Nagel verweist darauf, dass wohl die Landung schwierig würde, da der Planet aus Gas besteht. Der Knabe zuckt mit den Schultern und blickt enttäuscht durch die Öffnung in der Decke der Warte, als wären soeben seine Pläne durchkreuzt worden. Plötzlich öffnet sich die Tür und ein junger Mann schreit hinein: «Die Raumstation ISS fliegt gerade vorbei». Innert Sekunden leert sich die Sternwarte, draussen bestaunen die Besucher den kleinen, weissen Punkt, der in gemächlichem Tempo das Firmament durchquert. «Die ISS düst mit 28 000 Kilometer pro Stunde um die Erde», erklärt ein Vater seiner Tochter. In 90 Minuten werde er wieder zu sehen sein, ergänzt er. Dann werde ich jedoch bereits im Zimmer des Landgasthofs Leuen schlummern. Kurz vor dem Einschlafen zucke ich nochmals auf: Womöglich nächtige ich im selben Bett, in dem sich Buff, Schönbächler und Co. vor Spielen erholen.

Das reichhaltige Frühstücksbuffet kann ich nicht in Anspruch nehmen, da ich morgens nur Kaffee trinke. In der Ecke sitzt jedoch ein sportlicher, blonder, junger Mann. «Handelt es sich wohl um einen FCZ-Spieler», frage ich mich.