Uitikon
Trotz finanzieller Bedenken: Deutliche Mehrheit besteht auf Busverbindung nach Schlieren

Das Uitiker Stimmvolk hat am Sonntag den Kredit über 1,129 Millionen Franken angenommen, um den Testbetrieb der Buslinie 201 bis nach Schlieren für die kommenden zwei Jahre fortzuführen. Auf die Uitiker Pendler wartet nun eine Neuerung in der Linienführung.

Sven Hoti
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Der erweiterte Fahrplan der Ortsbuslinie 201 wurde 2016 beschlossen. Seit 2017 hält der Bus nicht mehr bei der Wängistrasse, sondern fährt weiter bis nach Schlieren.

Der erweiterte Fahrplan der Ortsbuslinie 201 wurde 2016 beschlossen. Seit 2017 hält der Bus nicht mehr bei der Wängistrasse, sondern fährt weiter bis nach Schlieren.

Archivbild: Severin Bigler

Freie Fahrt für die nächsten zwei Jahre: Die Buslinie 201 verkehrt auch ab dem nächsten Jahr von Uitikon bis nach Schlieren. Mit der Annahme des Kredits über 1,129 Millionen Franken ermöglichten die Uitiker Stimmberechtigten die Verlängerung des Probebetriebs bis 2023 sowie den Betrieb an Sonn- und Feiertagen. Insgesamt sind 1684 Ja- und 423 Nein-Stimmen zusammengekommen, was einem Ja-Anteil von knapp 80 Prozent entspricht. Die Stimmbeteiligung lag bei 66,7 Prozent.

Mit der Annahme der Vorlage kann die Ortsbuslinie 201 auch 2022 weiter bis nach Schlieren verkehren. Vor Beginn des Probetriebs kehrte der beim Bahnhof Uitikon Waldegg startende Bus bei der Uitiker Wängistrasse. Der Stundentakt an Sonn- und Feiertagen wird beibehalten. Bei einer Ablehnung der Vorlage wäre der Probebetrieb im Dezember 2021 zu Ende gegangen und der alte Fahrplan reaktiviert worden.

Wäre der Probebetrieb nicht verlängert worden, wäre der rot markierte Streckenabschnitt per Fahrplanwechsel im Dezember 2021 entfallen und der Ortsbus 201 hätte von Montag bis Samstag nur noch den blauen Abschnitt bedient. An Sonn- und Feiertagen wären sämtliche Fahrten weggefallen.

Wäre der Probebetrieb nicht verlängert worden, wäre der rot markierte Streckenabschnitt per Fahrplanwechsel im Dezember 2021 entfallen und der Ortsbus 201 hätte von Montag bis Samstag nur noch den blauen Abschnitt bedient. An Sonn- und Feiertagen wären sämtliche Fahrten weggefallen.

Weil der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) die Übernahme der neuen Buslinie in das Grundangebot abgelehnt hatte, muss die Gemeinde weiterhin deren Betrieb berappen, weshalb ein Kredit notwendig wurde. In zwei Jahren kann eine Übernahme durch den ZVV erneut geprüft werden. Voraussetzung ist unter anderem ein Kostendeckungsgrad von 30 Prozent.

Linienführung in Schlieren wird verkürzt

Mit der Verlängerung des Probebetriebs kommt auch eine Neuerung: Die Linienführung in Schlieren wird aufgrund von Verkehrsüberlastungen des Zentrumskreisels verkürzt. Deshalb wird der Bus die Industrie in Schlieren – sprich die Haltestellen Bahnhof, Bahnhof Nord sowie Schlieren, Rütistrasse – künftig nicht mehr bedienen.

Die Gemeinde geht davon aus, dass die Perrons des Bahnhofs Schlieren über die Haltestelle Zentrum/Bahnhof «innert der offiziellen Umsteigezeit von sechs Minuten» erreichbar sind. Sie verweist zudem darauf, dass gemäss Postauto Schweiz ab Dezember 2021 neue, zusätzliche Buslinien die Industrie Schlieren bedienen werden.

Der Rechnungsprüfungskommission waren die Kosten zu hoch

Die Route der Buslinie 201 war 2017 probeweise bis nach Schlieren erweitert worden. Die Stimmberechtigten hatten einen entsprechenden Kredit über rund 2,4 Millionen Franken an der Urne gutgeheissen. Damit sollte eine bessere Anbindung der Uitiker an die Hauptverkehrsachse durchs Limmattal – und zukünftig an die Limmattalbahn – gewährleistet werden. Durch die Ortslinie wird Schlieren mit dem ÖV in nur acht Minuten erreicht. Vorher dauerte die Reise eine Stunde.

Wenig überrascht über das Abstimmungsergebnis: André Müller (FDP), Präsident der Uitiker Rechnungsprüfungskommission.

Wenig überrascht über das Abstimmungsergebnis: André Müller (FDP), Präsident der Uitiker Rechnungsprüfungskommission.

zVg

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) hatte bereits im Vorfeld Bedenken zur Vorlage geäussert. Der Einsatz von 1,57 Steuerprozenten in den kommenden zwei Jahren sei «unverhältnismässig». Zudem sei noch ungewiss, ob sich Schlieren weiterhin an den Betriebskosten beteiligten wird. Deshalb hatte sie die Vorlage zur Ablehnung empfohlen.

Dass sie nun doch mit grosser Mehrheit angenommen wurde, nimmt RPK-Präsident André Müller (FDP) gelassen:

«Das Resultat ist keine Enttäuschung und auch keine Überraschung.»

Als RPK habe man nur die Möglichkeit, Projekte aus finanzpolitischer Sicht zu prüfen. Der RPK sei zu Beginn weg klar gewesen, dass es auch andere Überlegungen dazu geben kann. Dazu Müller: «Aus gesellschafts- oder umweltpolitischer Sicht kann das Projekt vielleicht sogar Sinn machen.»

Er hoffe, dass sich mit der Fertigstellung der Limmattalbahn auch die Attraktivität der Buslinie erhöhe und der Kanton diese in den Regelverkehr aufnehme, sagt Müller. Aufgrund der Entwicklung hin zu mehr Arbeit im Homeoffice gibt er sich diesbezüglich jedoch pessimistisch:

«Ich glaube, dass wir die Linie auch nach den zwei Jahren noch finanzieren müssen.»

Gemeindepräsident Chris Linder (FDP) hat mit der Annahme der Vorlage gerechnet. Überrascht sei er hingegen über die hohe Zustimmung gewesen:

«Es zeigt deutlich, dass die Verbindung genutzt und gewünscht wird.»

Er gibt sich optimistisch, dass die Frequenzen wieder zunehmen werden – auch wegen der Limmattalbahn. Linder: «Unser Dorf wächst rasant und wird demnächst 5000 Einwohner überschreiten. Die Verbindung nach Schlieren bietet auch eine Entlastung für die Sihltal-Zürich-Uetliberg Bahn.»

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