Bei der Beurteilung eines Filmes müsse man die eigenen Scheuklappen ablegen, sagt Charly Schmid. «Auch wenn man Spielfilme gegenüber Dokumentarfilmen bevorzugt, muss man Aspekte wie Bild- und Tonqualität sowie Schnitt- und Dramaturgie trotzdem bei beiden Genres neutral beurteilen können», sagt der Jurypräsident des diesjährigen Nordostschweizer Filmfestivals. Am kommenden Samstag gastiert der jährlich stattfindende Anlass nach 2012 zum zweiten Mal im Üdiker-Huus.

Ab 12 Uhr werden dann in drei Blöcken insgesamt 25 Filme von zwischen einer und 25 Minuten Länge gezeigt. Organisiert wird das Festival von der Vereinigung der Zürcher Film- und Videoamateure und des Amateur Film- und Videoklubs Zürich. «Die eingegangenen Filme haben teilweise eine wirklich hohe Qualität bezüglich Machart und Idee», sagt Schmid. Einer der Gründe dafür ist, dass Filmer nicht einfach ihre Beiträge blind einsenden dürfen. So werden nur Werke gezeigt, die bereits in Klubwettbewerben erfolgreich waren.

Ende Januar führte sich die fünfköpfige Jury die eingegangenen Werke zu Gemüte und vergab in einem mehrstufigen Verfahren Punkte an jeden einzelnen Film. Nach Genres wurden die Werke derweil nicht unterteilt. Von Animationsfilmen über kurze Spielfilme bis hin zu Dokumentarfilmen reichten die Mitglieder der zehn angeschlossenen Film-und-Video-Vereine unterschiedlichste Beiträge ein.

Churchill, Hauport der Bären

Auch einige Beiträge von Limmattaler Filmern sind am Samstag zu sehen. Etwa «Heute ist Badetag» des Dietikers Peter Fasolin. Im knapp vierminütigen Stop-Motion-Film wagt er einen humoristischen Blick hinter Klostermauern. Auch der Kurzfilm des Spreitenbachers Paul Berner mit dem Titel «Vom Visionär zum Promotor» zeige Eindrückliches, sagt Schmid. So begleitete Berner den Bau einer Brücke filmisch und stellte das auf einer Calatrava-Konstruktion basierende Projekt, das in Opfikon gebaut wurde, gar als Modell her. Auch wird «Ruf der eisigen Herbstwinde» des Uitiker Filmers Willi Grau gezeigt.

Nebst seiner Teilnahme am Festival waltet Grau auch als Präsident des Organisationskomitees. Für seinen Film reiste er für zwei Wochen ins kanadische Churchill. Das 800-Seelen-Dorf an der Hudson Bay ist bekannt dafür, dass sich hier während der Herbstmonate eine Vielzahl von Eisbären herumtreibt. «Sie warten darauf, dass das Meer zufriert und sie sich wieder auf Robbenjagd machen können», sagt Grau. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2003 macht der Hobbyfilmer jährlich eine Produktion, meist Dokumentarfilme. Zuletzt hielt er seine Linse auf das Sultanat Oman und auf Gorillas.

Bereits über 110 Personen haben sich für die Vorführung sowie das anschliessende Nachtessen angemeldet. «Doch kann man auch einfach spontan vorbeikommen», sagt Schmid. Platz im grossen Saal sei sicherlich genug vorhanden. Im Anschluss an das Abendessen entscheidet sich, wen die Jury als Sieger ehrt. Die besten Filmer dürfen ihre Werke dann am nationalen Amateurfilm-Festival von «Swiss Movie» zeigen, das am 17. Juni in Solothurn stattfinden wird.