Niemand spricht, nur ab und zu raschelt ein Papier, ein Stift kratzt leise über ein Heft, eine Maus klickt dezent.

Lernatelier als Kernelement

Die stille Emsigkeit ist nicht etwa bloss eine Show: «So ruhig ist es hier immer», sagt Bernhard Hochuli, Schulleiter der Sekundarstufe im Luberzen. Dass die Jugendlichen so konzentriert arbeiten, hat einen guten Grund: Sie bereiten sich gerade auf ihre Zukunft vor. Das Lernatelier ist eines der Kernelemente der neu gestalteten 3. Sek, die darauf ausgerichtet ist, Jugendliche gezielt auf den Übergang ins Berufsleben oder die nächste Schule vorzubereiten.

Schwerpunkte werden geplant

Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani verspricht sich viel vom neuen System, das in Dietikon im letzten Sommer eingeführt wurde: «Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit der neuen 3. Sek in die richtige Richtung unterwegs sind.» Von einer besseren Vorbereitung auf den Beruf profitiere nebst den Jugendlichen letztlich auch die Wirtschaft.

Zum neuen Konzept gehört aber längst nicht nur das Lernatelier. Nach einer Standortbestimmung in der 2. Sek, dem Stellwerktest, führen die Klassenlehrer mit jedem Jugendlichen und den Eltern ein Gespräch, bei dem die Schwerpunkte im letzten Schuljahr geplant werden. Darauf konzentrieren sie sich dann in der 3. Sek mit individueller Arbeit im Lernatelier, mit Projektunterricht und mit einem gestrafften Wahlfachangebot. Zusätzlich führt die Berufsberatung regelmässige Sprechstunden an den Schulen durch.

Dass dieser Prozess den Jugendlichen viel bringt, davon ist auch Thomas Bopp, Schulleiter im Schulhaus Zentral, überzeugt. «Die Jugendlichen erhalten klare Hinweise darauf, was ihnen am meisten bringt für ihr Berufsleben.» Dies zeige sich auch deutlich in der Wahl der Fächer: So würden die Schüler ihre Schwerpunkte nun viel bewusster und mit Blick auf ihre Berufswahl legen. Beide Schulleiter, Hochuli und Bopp, bemerken dabei eine «ganz klare Verlagerung von nicht kognitiven zu kognitiven Wahlfächern»: Belegt werden eher Naturwissenschaften oder Sprachen, während Kochen oder musische Fächer seltener zum Zug kommen.

Jugendliche bleiben bei der Stange

Das Setzen bewusster Schwerpunkte hat noch einen weiteren Vorteil, wie Bopp sagt: «Tendenziell bleiben die Jugendlichen nun auch bei der Stange, nachdem sie eine Lehrstelle gefunden haben.» Hochuli stimmt zu: Früher hätten «einige Spezialisten» lieber Fächer belegt, die «easy» seien und keine Hausausgaben verursachten. Heute seien die Jugendlichen viel besser eingebunden und planten selbstständiger. «Ich würde sogar sagen, es hat ein Paradigmawechsel stattgefunden.»

Dass man in Dietikon so erfolgreich in die neue 3. Sek gestartet ist, hat auch mit einem geschickten Schachzug der Schulleitungen und Schulpflege zu tun. Denn nachdem der Bildungsrat das Konzept für die flächendeckende Einführung der neu gestalteten 3. Sek bereits Anfang 2009 verabschiedet hat, führten die meisten Schulen das System im Sommer 2011 ein. Dietikon hingegen erbat sich ein Jahr Verzögerung – unter anderem, weil andere Neuerungen wie die Einführung des sonderpädagogischen Konzepts bereits eine Mehrbelastung der Lehrpersonen bedeutet habe, wie Schulpräsident Balbiani sagt. Das kommt den Dietiker Sekundarschulen nun zugute: «Wir haben andere Schulen besucht und konnten aus ihrer Neuorganisation für die 3. Sek wertvolle Schlüsse ziehen», sagt Hochuli.

Positive Signale von Arbeitgebern

Wie erfolgreich die 3. Sek langfristig sein wird, muss sich erst noch zeigen. Bereits jetzt habe er aber vom Gewerbe sehr positive Rückmeldungen auf das Konzept bekommen, sagt Balbiani, der überzeugt ist, die hohen Erwartungen erfüllen zu können.

«Der Übertritt von der Schule in die Lehre ist ein zentraler Schritt, der nicht immer optimal gelingt», sagt auch Dietrich Pestalozzi, Unternehmer und Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon. Das Thema sei ihm enorm wichtig. Das sind keine leeren Worte: Pestalozzi ist selber Mitglied einer von Unternehmern gegründeten Arbeitsgruppe namens L Plus, die sich unter anderem dafür einsetzt, dass gut qualifizierte Schüler in den richtigen Lehrstellen platziert werden. Dass sich auch die Schule des Themas annehme, begrüsse er, sagt Pestalozzi.