Mit der Pistole im Anschlag hatte ein vermummter Mann im September 2015 ein Detailhandelsgeschäft in Birmensdorf überfallen. Aus dem Tresor händigten ihm die Verkäuferinnen 39 456 Franken aus. Nachdem die Angestellten Meldung erstatteten, gingen mehrere Polizeipatrouillen erfolglos auf Fahndung.

Wie sich jetzt herausstellt, war die Pistole eine Attrappe und der Überfall ein dreister, einzigartiger Schwindel. Die drei Verkäuferinnen waren eingeweiht. Sie bestimmten sogar, wann der Überfall stattfinden sollte. Schliesslich wussten sie, an welchen Tagen am meisten Bargeld da ist.

Zwei Verkäuferinnen wurden mit je 3000 Franken an der Beute beteiligt. Die dritte Frau konnte sich die restlichen über 33 000 Franken mit dem Täter teilen. Denn die beiden sind verheiratet.

Im aufgemotzten Auto geflüchtet

Der Fall blieb monatelang ungeklärt, bis der Bosnier erneut zuschlug: Im März 2016 war er an einem Raubüberfall auf die Shell-Tankstelle im Birmensdorfer Industriegebiet Ristet beteiligt. Sein Kumpan, mit dem er schon seit Jahren befreundet ist, wie Bilder auf Facebook zeigen, überfiel den Migrolino-Shop und erbeutete dabei 2751 Franken. Wieder kam eine Waffe zum Einsatz, die täuschend echt aussah. Die Shop-Angestellten litten Todesangst. Nach dem Überfall flüchtete das Räuber-Duo mit dem aufgemotzten Wagen des Bosniers. Er sass am Steuer, obwohl ihm der Führerausweis Monate zuvor auf unbestimmte Zeit entzogen wurde.

Bei dieser Shell-Tankstelle in Birmensdorf erbeutete das Räuberduo 2751 Franken aus dem Migrolino-Shop. Kurz danach wurden die beiden verhaftet.

Hier passierte der zweite Raubüberfall:

Bei dieser Shell-Tankstelle in Birmensdorf erbeutete das Räuberduo 2751 Franken aus dem Migrolino-Shop. Kurz danach wurden die beiden verhaftet.

Im Bezirk Affoltern verhaftet

Kaum hatten die beiden um etwa 22.30 Uhr den Shop verlassen, verständigten die Verkäuferinnen die Polizei. Es folgte eine Fahndung mit mehreren Patrouillen. Den Treffer landete dann die Kommunalpolizei Affoltern. Sie nahm die beiden nach kurzer Gegenwehr fest (die Limmattaler Zeitung berichtete). Um 23.30 Uhr sass der Bosnier in Untersuchungshaft, nur gut eine Stunde nach der Tat.

Wegen Raub, Diebstahl, Irreführung der Rechtspflege und Fahren ohne Berechtigung musste sich der Mann nun vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten – in einem abgekürzten Verfahren; Verteidiger und Staatsanwältin hatten sich vor dem Prozess auf einen Urteilsvorschlag geeinigt.

Das Gericht genehmigte am Freitag den Urteilsvorschlag. «Insgesamt sind 30 Monate Freiheitsstrafe sehr wohlwollend und gerade noch knapp vertretbar», sagte Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher.

Von der Haft sind zehn Monate unbedingt und davon drei bereits in Untersuchungshaft abgesessen. Die restlichen 20 Monate wurden bedingt ausgesprochen – mit einer ausserordentlich langen Bewährungsfrist von fünf Jahren. «Wenn nochmals so etwas passiert, dann schenkt es ein, und wir reden nicht mehr über eine teilbedingte Strafe», machte der Richter klar. Der Verurteilte ist bereits zweifach vorbestraft.

Verurteilter ist massiv verschuldet

Sein Tatmotiv war Geldnot. Der Bosnier ist mit rund 48 000 Franken verschuldet. Dazu kommen jetzt noch der zu zahlende Schadenersatz von rund 43 000 Franken, die Gerichtsgebühr von 1500 Franken sowie über 4000 Franken Verfahrenskosten.

Die Ehe zwischen Verkäuferin und Verbrecher ist mittlerweile zu Ende. Für die Kinder muss der Verbrecher Alimente zahlen. Dank Arbeitslosengeld konnte er dieser Pflicht zuletzt nachkommen, doch geht es nur noch Wochen, bis er ausgesteuert ist – und seine Haft antreten muss.