Schon viele haben es versucht und sind gescheitert. Das drollige Paar Ruedi und Käthi hingegen ist sich jedoch sicher, das passende Rezept für den perfekten Überfall gefunden zu haben. Inspiriert von den guten alten Westernzeiten soll ihr Raubzug nämlich auf der Schiene über die Bühne gehen. Hierfür haben sich der dominante Kopf des Duos, Käthi, und der schusselig chaotische Ruedi den Tell-Express ausgesucht, der St. Moritz direkt über Lausanne mit Genf verbindet.

Doch die beiden haben die Rechnung ohne Murphys Gesetz und mögliche Betriebsstörungen gemacht. Natürlich wird genau dieser Zug umgeleitet und hält nicht in Lausanne, wo die beiden Räuber den Zug verlassen wollen. Improvisation ist gefragt. Die illustren Fahrgäste und die missmutige Kellnerin Trudi im Barwagen helfen in dieser verzwickten Lage auch nicht wirklich.

Ob dies nun der äusserst pflichtbewusste Schaffner, der genervte Versicherungsvertreter oder der verärgerte Radfahrer ist – in diesem Zug fährt das Chaos höchstpersönlich mit. Die baldige Anwesenheit der zwei Polizisten im Zug und des Grossaufgebots der Spezialeinheit mit Hubschrauber vor dem Fenster trägt sodann ebenfalls nicht zur Beruhigung bei. Wie nur sollen die beiden aus dieser verzwickten und ausweglos scheinenden Situation wieder herauskommen?

SBB auf die Schippe genommen

Die Geschichte an sich ist schon amüsant, doch die schauspielerische Prägung der einzelnen Charaktere durch die Theatergruppe Birmensdorf auf der Bühne macht die Komödie erst richtig zum Lachgenuss. Dabei werden auch die SBB mit feinfühligem Humor auf die Schippe genommen.

Mit viel Schwung und ausdrucksstarker Gestik sorgen die zwölf Laienschauspieler für kurzweilige Unterhaltung. Nicht alltäglich auch die Szenerie in einem Bahnwagen, die dank dem selbst gebauten Bühnenbild sehr authentisch wirkt. «Sonst spielen solche Theater immer in einem Zimmer oder einer Wohnung», merkt Beatrice Bösiger beim Besuch der Premiere am Freitag an, «ich finde diese Abwechslung, die Geschichte in einem Zug zu spielen, sehr gut und unterhaltsam.»

Langjährige Routine

Die längste Bühnenpräsenz hat die Kellnerin Trudi, gespielt von Hildegard Rüttimann, mit 72 Jahren die älteste Schauspielerin auf der Bühne. Als Gründungsmitglied der Theatergruppe und Ehrenpräsidentin wollte sie eigentlich dieses Jahr pausieren, konnte aber umgestimmt werden. Ihre langjährige Routine und die sichtliche Freude auf der Bühne tragen so einen grossen Teil zum Unterhaltungswert des Stücks bei.

«Hildegard spielt einfach herausragend», lobt Thomas Bösiger im Publikum. Letztlich sind es jedoch nicht die einzelnen schauspielerischen Leistungen, sondern das harmonische Ganze, welches den Theaterbesuch in Birmensdorf ausmacht. «Es ist wie jedes Jahr sehr amüsant», sagt Sandra Sommer strahlend an der Premiere, «einfach ein schöner Abend.» Dazu gehöre aber auch das kulinarische Angebot. Dieses wird nach neun Jahren nun das letzte Mal von Dieter Müller verantwortet. Während die Vorstellung am nächsten Samstag schon ausverkauft ist, sind für die Aufführungen am Donnerstag und Freitag noch Karten verfügbar.

Theatergruppe Birmensdorf – «Ä riise Stress im Tell Express»: nächste Aufführungen am Donnerstag, 19. April, Freitag, 20. April, und Samstag, 21. April, jeweils um 20 Uhr im Gemeindezentrum Birmensdorf.