Oberengstringen

Überdurschnittlich viele Gemeinderäte treten zurück

Seit 1998 sind in Oberengstringen zehn Gemeinderäte zurückgetreten. Diese Rücktrittswelle macht die Gemeinde zum Sonderfall im Bezirk Dietikon.

Fast fünf Monate dauerte es, ehe der Oberengstringer Gemeinderat letzten Sonntag mit der Wahl von Elsbeth von Atzigen (parteilos)wieder komplettiert wurde. Wieder einmal mag man sich denken. In keiner anderen Gemeinde im Limmattal wurden die Stimmbürger in den letzten Jahren derart oft an die Urne gebeten, um neue Exekutivmitglieder zu wählen.

Die jüngste Wahl musste nach dem sofortigen vorzeitigen Rücktritt von Gemeindepräsident Reto Cavegn (FDP) im März anberaumt werden. Seit den Gesamterneuerungswahlen im Frühjahr 1998 sind inklusive Cavegn nicht weniger als zehn Gemeinderäte vorzeitig von ihrem Amt zurückgetreten, haben also die begonnene Legislatur nicht zu Ende gebracht. Demgegenüber stehen zwei Gemeinderäte, die am Ende der Legislatur nicht mehr für eine weitere angetreten sind. Zudem gab es in diesem Zeitraum eine Abwahl eines amtierenden Exekutivmitgliedes.

Krankheitsfälle und Wegzüge

Die Gründe für die hohe Fluktuation sind ganz unterschiedlich. Meistens waren die Rücktritte beruflicher Natur. Es gab aber auch Krankheitsfälle oder Wegzüge, die einzelne Personen zu einem vorzeitigen Ausscheiden aus der Exekutive zwangen.

Oftmals dauerten die Amtszeiten der zurückgetretenen Gemeinderäte weit weniger als vier Jahre. Am kürzesten war Hans Christoph Bär (SVP) im Amt. Er wurde im Oktober 1999 in den Gemeinderat gewählt und trat bereits im Juni 2000 wieder zurück. Als offizieller Grund wurde der Wegzug aus Oberengstringen genannt. Bär selber war als Nachfolger von Markus Kobel (FDP) bei einer Ersatzwahl in den Gemeinderat gewählt worden. Kobel, der 1998 dem Gemeinderat beitrat, erklärte rund ein Jahr später seinen Rücktritt wegen «starker unvorhergesehener beruflicher Belastung».

Neben Bär trat 2000 auch Gemeinderätin Maja Gasser (FDP) vorzeitig von ihrem Amt zurück. Als Grund nannte sie eine berufliche Neuausrichtung. Die beiden Rücktritte hatten zur Folge, dass im September 2000 bei einer Ersatzwahl zwei neue Exekutivmitglieder gesucht werden mussten. Die Stimmbürger entschieden sich für Walter Pfister (PFE) und Harry Keller (FDP).

Einer nach dem anderen...

Nur rund ein halbes Jahr später folgte die nächste Überraschung. Gemeindepräsident André Aggeler (CVP) gab im Mai 2001 seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Wiederum waren berufliche Gründe ausschlaggebend. Mit Aggeler ging überdies nach 23 Jahren eine CVP-Ära zu Ende. Sein Vorgänger und Parteikollege Walter Beck übte das Gemeindepräsidium während 12 Jahren aus. Aggeler selber war 11 Jahre im Amt.

Nachfolger von Aggeler wurde Vizepräsident Werner Leuzinger (SVP). Ihm schenkten die Stimmbürger im Juli 2001 ihr Vertrauen. Gleiches galt für René Beck (CVP), dem heutigen Gemeindepräsidenten ad interim. Er wurde als siebtes Mitglied in die Exekutive aufgenommen.

Weniger Glück hatte 2002 Harry Keller bei den Gesamterneuerungswahlen. Erst zwei Jahre zuvor in den Gemeinderat eingezogen, wurde er als Überzähliger abgewählt. Vor den Wahlen gab Edith Davitti (PFE) bekannt, dass sie nicht mehr für eine weitere Amtsperiode kandidieren werden. Die sechs Bisherigen stellten sich zur Wiederwahl. Zudem kämpften mit Jürg Bruppacher (FDP) und Bruno Brizzi (SVP) zwei weitere Kandidaten um einen Sitz in der Exekutive. Bei gelang das Vorhaben - auf Kosten von Keller.

Keine Ersatzwahl 2005

Nach diesen Wahlen blieb es zwei Jahre lang ruhig, ehe Walter Pfister und Bruno Brizzi ihre Rücktritte bekannt gaben. Während sich Pfister aus «Rücksicht auf seine Gesundheit» zu diesem Schritt entschied, war es bei Brizzi ein bevorstehender Wegzug aus Oberengstringen. Als Nachfolger wurden Kurt Leuch (PFE) und Hanspeter Seiler (FDP) gewählt. Das war im November 2004.
Lange hatte aber auch diese Konstellation nicht Bestand. Ein Zeckenbiss und eine daraus resultierende Borreliose-Erkrankung zwangen Gemeindepräsident Leuzinger im Mai 2005 zum vorzeitigen Rücktritt. Interimistisch übernahm Vizepräsident Georges Christen (FDP) das Amt. Er kündigte damals aber schon an, dass er bei den Gesamterneuerungswahlen 2006 nicht mehr antreten werden. Eine Ersatzwahl für Leuzinger wurde keine angeordnet. Das Gremium arbeitete zu sechst bis zu den Gesamterneuerungswahlen.

Dort wurden Reto Cavegn als Gemeindepräsident und André Bender (SVP) als Schulvorstand gewählt. Fast drei Jahre konnte in der neuen Zusammensetzung gearbeitet werden, ehe im Februar 2009 Kurt Leuch aus beruflichen Gründen und zwei Monate später Hanspeter Seiler ihre Rücktritte bekannt gaben. Dies hatte zur Folge, dass gleich zwei Ersatzwahlen anberaumt wurden. Im Mai zog Käthi Mühlemann (SP) als Nachfolgerin von Leuch in die Exekutive. Im Juli tat es ihr Claudia Trüb (FDP) gleich.

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