Üetliberg

Über 2000 Bäume: Neuer grosser Holzschlag verärgert die Naturschützer

Vor einem Jahr liess die Stadt Zürich über 2000 Bäume fällen. Das Holz wurde bis nach China verkauft, was Naturschützer verärgert.

Vor einem Jahr liess die Stadt Zürich über 2000 Bäume fällen. Das Holz wurde bis nach China verkauft, was Naturschützer verärgert.

Obwohl vom letzten noch eine Aufsichtsbeschwerde hängig ist, soll nun am Üetliberg bereits der nächste grosse Holzschlag folgen.

Die Fällung von rund 2100 Bäumen im Stadtzürcher Gebiet Denzlerweg und Lindenweg sorgte im vergangenen Winter für viel Unmut beim Verein Pro Üetliberg und den Grünen der Stadt Zürich. Entgegen der Auftraggeberin des gross angelegten Holzschlags, Grün Stadt Zürich, befürchteten die Vereinsmitglieder, dass der Wald durch den Eingriff empfindlich geschädigt werde. Ab kommender Woche werden im beliebten Naherholungsgebiet nun erneut die Kettensägen zu hören sein; es werden in etwa so viele Bäume wie im letzten Winter geschlagen.

Wie viele Bäume genau gefällt werden sollen, ist nicht klar. In seinem Newsletter schreibt der Verein, dass die Entnahme von 3000 Kubikmetern Holz beantragt und bewilligt worden sei. Zum Vergleich: Im vergangenen Winter betrug die Entnahme rund 3900 Kubikmeter oder 2100 Bäume. Lukas Handschin, Kommunikationsbeauftragter von Grün Stadt Zürich, sagt, dass in den Wäldern der Stadt jährlich rund 13 000 Kubikmeter Wald wachsen und 11 000 Kubikmeter entnommen werden. «Diese Menge ist seit Jahren konstant. Es wächst mehr Holz nach, als entfernt wird.»

Die Pflege erhöht die Biodiversität

Über die Notwendigkeit dieser Holzschläge gehen die Meinungen stark auseinander. «Der Wald braucht unsere Eingriffe nicht – es geht ihm auch ohne Waldpflege prächtig. Wir werden nach wie vor wütend, wenn wir an die im letzten Winter geschlagenen Schneisen denken», schreibt etwa Pro-Üetliberg-Vizepräsident Hannes Zürrer im Newsletter. Auch Vereinspräsidentin Margrith Gysel sagt auf Anfrage, dass es sich beinahe um eine Glaubensfrage handle, wie und ob der Wald bewirtschaftet werden solle. «Mehrmals suchten wir den Kontakt zu Grün Stadt Zürich. Doch beissen wir auf Granit.»

Damit der Wald Erholungsraum für die Bevölkerung und Lebensraum für Pflanzen und Tiere bleibt, bewirtschaftet ihn Grün Stadt Zürich, wie Handschin sagt. «Die Waldpflege sorgt nicht nur für gesunde, stabile Wälder, sondern führt auch zu einer Verbesserung der Biodiversität.»

Im vergangenen Juni reichte Pro Üetliberg eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Baudirektion des Kantons Zürich ein, in der die Naturschützer ein Moratorium für Holzschläge verlangten und den Umgang mit dem Wald grundlegend klären wollten. Ein Entscheid steht noch immer aus. «Zwar planen wir vorerst keine weiteren Schritte, doch merken wir, dass der Holzschlag die Leute umtreibt», sagt Gysel.

Ebenfalls für Kritik sorgte bei den Naturschützern die Verwendung des Holzes. Ein Teil davon gelangte nämlich nach China, wie sich im Rahmen einer Medienbegehung im letzten Jahr herausstellte.

«Einzelne wertvolle Stämme gehen an spezialisierte Auktionen»

Die Naturschützer von Pro Üetliberg verlangen nach einem näher gelegenen Abnehmer. Handschin erklärt, dass das bei der Waldpflege anfallende Holz an Schweizer Holzhändler verkauft oder vor Ort zu Hackschnitzeln verarbeitet werde, um damit etwa das Stadtspital Triemli zu heizen. «Einzelne wertvolle Stämme gehen an spezialisierte Auktionen», so Handschin weiter. Der Einfluss des Weltmarktes sei gross und dieser sei eher auf Nadelhölzer ausgerichtet. Wie viel die Stadt Zürich im vergangenen Jahr für das Holz erhalten hat, sagt Handschin nicht im Detail. Die Kosten von 200 000 Franken für die Holzerei hätten dank Beiträgen des Kantons knapp gedeckt werden können.

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