Limmattal
Überraschungen statt Hausbesuche: Die Samichläuse werden kreativ

Weil dieses Jahr kein normaler Samichlaus-Betrieb möglich ist, haben Limmattaler Klausgesellschaften sich Alternativen überlegt, um Kinder zu erfreuen.

Carmen Frei
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So viel Nähe ist heuer nicht möglich: Die Chlaus-Einzüge in Dietikon und Birmensdorf mussten dieses Jahr abgesagt werden.

So viel Nähe ist heuer nicht möglich: Die Chlaus-Einzüge in Dietikon und Birmensdorf mussten dieses Jahr abgesagt werden.

Severin Bigler (Dietikon, 2. Dezember 2018)

Dieses Jahr ist alles anders, auch die Sämichläuse können wegen Corona nicht wie gewohnt Kinderherzen höherschlagen lassen. Untätig bleiben wollen sie aber nicht. Die Klausgesellschaften im Limmattal haben sich unterschiedliche Alternativen überlegt. Bei der St. Niklausgesellschaft in Dietikon musste zwar alles abgesagt werden: Der Chlauseinzug sowie die Besuche bei Familien, Schulen, Kindergärten und Alters- und Pflegeheimen können dieses Jahr nicht durchgeführt werden. Einen Ersatz habe man mit der Stadt diskutiert, erklärt Roman Schurter von der St. Niklausgesellschaft Dietikon. «Die Idee war, auf dem Pausenplatz des Zentralschulhauses ein Chlausedörfli aufzubauen, wo die Familien in kleinen Gruppen den Chlaus in seinem Waldhaus hätten besuchen können», sagt Schurter. Dieser Plan wäre auch von der Stadt Dietikon unterstützt worden. Nach den letzten Entwicklungen und den neuen Vorgaben des Bundesrats und des Kantons sei dies nun aber nicht mehr möglich.

Doch ganz auf den Samichlaus verzichten wollte man nicht. Darum werde am 6. Dezember auf der Vereinswebsite eine kleine Überraschung in Erscheinung treten, kündigt Schurter an. Zudem fordert die St. Niklausgesellschaft die Kinder dazu auf, dem Samichlaus zu schreiben (in frankiertem Couvert an «Samichlaus, 8953 Dietikon»). «Der Samichlaus und die Schmutzli freuen sich auch dieses Jahr über Zeichnungen und Briefe von Kindern und Familien», heisst es vonseiten der St. Niklausgesellschaft. Die Briefe werden vom Samichlaus, seinen Helfern und den Schmutzli alle aus dem «Chlausenbüro» beantwortet. Schurter hofft, dass viele Familien so trotz allem auch dieses Jahr bei sich zu Hause einen schönen Samichlaustag verbringen können.

Mit Chlausposten und Zeitfenster gegen widrige Umstände

Die St. Nikolaus Gesellschaft in Urdorf musste auch alle Besuche bei Vereinen, Schulen und Familien absagen. Aber wenn der Samichlaus nicht zu den Familien kommen kann, müssen die Familien eben zum Samichlaus kommen. Darum führt die St. Nikolaus Gesellschaft Urdorf Besuche im Freien durch. «Wir machen drei Chlausposten, an denen angemeldete Familien zu uns kommen können», sagt Beat Riedweg, Oberchlaus bei der St. Nikolaus Gesellschaft. Mit sicherem Abstand würden die Familien und Kinder begrüsst. Die Chläuse unterhielten sich danach 10 bis 15 Minuten mit den Kindern. Im Anschluss erhalten die Kinder ein Chlaussäckli vom Samichlaus.

«Helfer unseres Vereins werden mit Warnwesten die Familien getrennt halten und alles kontrollieren. Jede Familie erhält ein Zeitfenster», erklärt Riedweg. Wichtig sei, dass die Familien sich anmelden. Wie das Angebot ankommen wird, findet Riedweg schwierig einzuschätzen. «Gibt es einen Ansturm? Sind sie zurückhaltend? Wir wissen es nicht.»

Trotz allem möchte die Urdorfer St. Nikolaus Gesellschaft die Tradition wahren. Deshalb wird laut Riedweg eine Aussendung wie in vergangenen Jahren durchgeführt. Dabei segnet der Pfarrer in der Kirche die Chläuse und entsendet sie zu den Familien. «Dieses Jahr findet die Aussendung im kleinen Rahmen statt, jedoch mit mindestens einem Chlaus und einem Schmutzli», sagt Riedweg. Ausserdem werde die Gesellschaft wie jedes Jahr ihr Adventsfenster eröffnen. Aber: «Es gibt keinen Apéro und wir werden kein Samichlausgewand tragen.» Die Gemeinde sei sehr strikt und vorsichtig. Auch für die Gesellschaft selbst sei das wichtig, unter anderem wegen des Selbstschutzes. Bei den Besuchen wird wegen des Aufwands auf das traditionelle Lob und den Tadel für die Kinder verzichtet. «Bei uns wird dieses Jahr mehr mit den Kindern gesprochen», sagt Riedweg.

Die Klausgesellschaften müssen dieses Jahr flexibel sein

Die St. Niklaus-Gesellschaft rechtes Limmattal entschied sich für eine ähnliche Lösung. «Wir gehen nicht zu den Familien, die Familien kommen zum Samichlaus», sagt Präsident Andi Zahno. Die Besuche werden im Freien stattfinden. Über virtuelle Besuche per Zoom, wie das in der Stadt Zürich gemacht werde, habe man auch diskutiert. «Wir glauben aber nicht, dass so ein guter Dialog entsteht», meint Zahno. Deshalb halte man am Vorhaben fest. «Wir möchten nicht alles auf Vorrat absagen», sagt er. Aber sie würden die Situation immer kritisch im Auge behalten. «Wir stecken in der Planung und haben auch ein entsprechendes Schutzkonzept erstellt, damit das schöne Brauchtum stattfinden kann», erklärt er. Es werde aber keinen Massenbesuch geben, die einzelnen Familien dürften mit maximal acht Personen kommen. Ausserdem gelten Abstandsregeln. Zudem würden Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Die Besuche könnten von beiden Seiten kurzfristig abgesagt werden, beispielsweise, wenn jemand sich unwohl fühle, sagt Zahno. Und ergänzt: «Alles findet aber nur statt, wenn es auch angebracht ist.» Würden das Bundesamt für Gesundheit oder der Kanton weitere Einschränkungen beschliessen, müsste das Konzept wieder überdacht werden.

Dass der Samichlaus-Einzug auch in Birmensdorf abgesagt werden muss, war schnell klar. «Es kamen jeweils 220 bis 250 Kinder und gleich viele oder mehr Erwachsene», sagt Jürg Marthaler, Oberchlaus des «Samichlaus Birmensdorf». Die Kontrolle über die ­Besucher fehle hier. Sie hätten viel diskutiert und Konzepte erarbeitet. Schliesslich hätten sie sich aber zur Absage von allen Anlässen und Besuchen entschlossen. Obwohl es tragisch und einschneidend sei, hätten bei den ersten Anfragen dieses Jahr alle Leute verständnisvoll auf die Absage reagiert. «Wir überlegen uns mögliche Aktionen, um zu zeigen, dass der Chlaus noch da ist», sagt Marthaler. So sei eine Überraschung für die Kinder geplant. «Wir stehen mit den Kindergärten in Kontakt und planen auch dort eine Überraschung für die Kinder», sagt Marthaler.

Er hoffe, dass nächstes Jahr wieder alles in normalem Rahmen stattfinden kann. «Wir sind ja eigentlich die Coaches der Kinder, wir versuchen sie positiv zu motivieren und Lösungen zu finden», sagt er. Die vielen tollen Erlebnisse, die die Kinder und die Chläuse in Birmensdorf jährlich erleben, hoffe er im nächsten Jahr fortsetzen zu können.

Die Chlausgesellschaft Weiningen ist im Limmattal die einzige Gesellschaft, die dieses Jahr die traditionellen Familienbesuche durchführt. Laut Präsident Moritz Lüthi ist dies aber mit Einschränkungen verbunden. «Wir führen die Besuche an der frischen Luft durch und mit Abstand», sagt er. «Wir sind jeweils mit einem Chlaus, zwei Schmutzli und einem Esel unterwegs.» Die Hausbesuche hätten in anderen Jahren sonst drinnen stattgefunden. Danach wären die Kinder jeweils nach draussen gekommen, um den Esel zu streicheln. Nun sei es schön, dass die Besuche immerhin draussen stattfinden könnten. Lüthi denkt, dass die Nachfrage nicht gleich hoch sein wird wie in anderen Jahren. «Wir planen drei Abende. Ich nehme aber an, dass zwei ausreichen werden», sagt er. Sehr wichtig sei bei der Planung, dass sich die Teams nicht durchmischen.

Traditionen sollen bestehen bleiben

Mit dem Chlausbesuch selbst wolle man einen Teil der Normalität beibehalten. «Gerade für Kinder, die sich an gewissen, vor allem traditionellen Anlässen im Kalenderjahr orientieren, ist dies wichtig», findet Lüthi. Viele der Familien würden sie bereits zum wiederholten Mal besuchen. «Die wissen schon, wie alles abläuft», sagt er. Zudem sei die Weininger Chlausgesellschaft eher klein, dadurch könne alles einfacher organisiert werden und im Notfall, zum Beispiel bei Massnahmenverschärfung, schnell reagiert werden. Die Verlegung nach draussen ist aber nicht die einzige Einschränkung zu den Vorjahren. «Das Händegeben und gemeinsame Chlaussack-Leeren wird nicht durchgeführt», sagt Lüthi. Der Chlausgesellschaft Weiningen sei es aber wichtig, die Besuche überhaupt durchführen zu können, ergänzt er. «Gerade in der Coronazeit nimmt man den Kindern alles weg.»