Dietikon
Über 600 Schüler unterwegs: Kinderumzug verbindet Kulturen

Diesen Samstag laufen über 600 Schüler am Fasnachtsumzug mit – nicht alle sind vertraut mit dem Brauch.

Julia Wartmann
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Fasnachtsumzug in Dietikon
Am Umzug laufen die Kinder mit ihren selbst gebastelten Kostümen durch Dietikon.

ZVG von Orest ConstantIi

Einmal in die Rolle eines Clowns schlüpfen – das würden viele Kinder gerne. Oder in die eines Piraten oder einer Prinzessin. Am Kinderfasnachtsumzug vom 31. Januar wird dieser Wunsch Realität. An diesem Tag präsentieren insgesamt 30 Schulklassen am Umzug durch Dietikon dem Publikum ihre selbst gebastelten Kostüme .

Der Kinderumzug hat eine lange Tradition in der Stadt. Vor 38 Jahren riefen ihn die Kindergärtnerinnen Gardi Kissling und Pia Felber ins Leben. Damals nahmen aber noch nicht 600 Schüler teil, erinnert sich Pius Baggenstos, Mitbegründer der Fasnachtsgruppe «Die luschtige Dietiker», sondern nur eine Hand voll. Auch er lief als kleiner Junge ganz vorne als Tambour mit, erinnert er sich. Zusammen mit den «Guggi-Häxe» organisiert seine Fasnachtsgruppe den alljährlichen Kinderumzug.

Traditionen aufrechterhalten

Orest Constanti, Primarlehrer im Schulhaus Steinmürli, kam vor 21 Jahren nach Dietikon, um zu unterrichten. Bereits damals nahm seine Schule, im Rahmen einer Projektwoche, am Umzug teil. Der Umzug war nicht von Anfang an zugänglich für Schulklassen, für Kindergärten aber obligatorisch. Heute ist er offen für beide, und obligatorisch für niemanden. Die Teilnahme der Primarschulen habe wesentlich zum Erfolg des Fasnachtsumzugs beigetragen, sagt Baggenstos. Er betont: «Schulen und Fasnachtsgruppen müssen am gleichen Strick ziehen.» Nur so könne diese alte Dietiker Tradition beibehalten werden. Constanti ist derselben Meinung. Er sieht den Umzug ausserdem als Chance für Migranten, die Bräuche der Schweiz kennen zu lernen. «Wir sollten unsere eigenen Traditionen aufrechterhalten, statt ausländische zu adaptieren, wie etwa im Fall von Halloween», sagt er.

Constanti hat auch schon erlebt, dass Eltern ihre Kinder von der Fasnacht dispensieren liessen. Es habe sich dabei bis jetzt immer um Anhänger christlicher Religionsgemeinschaften gehandelt. Zum Beispiel Zeugen Jehovas, denen ihre Religion verbietet, sich zu verkleiden. Sämtliche religiösen Überzeugungen seien selbstverständlich zu akzeptieren, sagt er.

Die Schüler basteln ihre Kostüme für den Umzug im Unterricht. Jede Woche während der Zeichen- und Bastelstunden stellen sie einen weiteren Teil des Kostüms her. Constantis Klasse verkleidet sich dieses Jahr als Piraten.

Aufwand lohnt sich

Das Auftreten in einem gemeinsamen Kostüm fördert den Gemeinschaftssinn der Klasse, sagt er. Beim Basteln entstünden oft spannende Diskussionen rund um das Thema der Verkleidung. Die Kinder freuten sich besonders darüber, dass sie ihr «Gwand» am Ende des Tages mit nach Hause nehmen dürfen, sagt er. Der Tag des Umzugs sei ein schönes Erlebnis für Schüler sowie Lehrer. «Wenn die Leute klatschen und rufen, wenn die Kinder in ihren Kostümen vorbeigehen, spürt man: Der Aufwand hat sich gelohnt», sagt Constanti.

Seit drei Jahren findet am Nachmittag vor dem Hudi-Ball die Kinderfasnachts-Party in der Stadthalle Dietikon statt. «Ein Anlass, der durch Generationen und Nationen hindurch verbindet», so Baggenstos. Dabei nähmen nicht nur Schweizer teil. Bei Speis und Trank kämen sich die Gäste an diesem «Multikulti-Fest» näher – auch solche, die sonst nichts mit der Fasnacht am Hut hätten, sagt er. Die Idee der Fasnachts-Gruppen ist es, so Jugendliche für den Brauch zu begeistern.