Oetwil
«Tütü» der Gärtnerclown, der Blumen mit Liebe gibt

Der Strassenkünstler Claudio Zgraggen will als Kunstfigur «Tütü» die Welt beschenken. Der 47-Jährige dreht aus Ballonen bunte Blumen, übergiesst sie mit Liebe und schenkt sie den Passanten. Sein Ziel ist es, einmal in der Dubai Mall zu stehen.

Pablo Rohner
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Claudio Zgraggen alias Clown «Tütü» übergiesst eine Ballonblume mit Liebe.

Claudio Zgraggen alias Clown «Tütü» übergiesst eine Ballonblume mit Liebe.

Zur Verfügung gestellt

Inmitten der Wüste erheben sich glänzende Türme aus Glas und Stahlbeton. Im Schatten des Burj Khalifa, des beinahe kilometerhohen höchsten Gebäudes der Welt liegt die Dubai Mall. Sie ist das zweitgrösste Einkaufszentrum der Welt. Und Ziel des Oetwiler Strassenkünstlers Claudio Zgraggen alias Gärtnerclown «Tütü». Dort möchte der 47-Jährige einmal stehen und bunte Ballonblumen verteilen.

Zuckersüsse Welt

Das ferne arabische Emirat ist nur ein Schauplatz von Tütüs vielen Visionen. Doch im Jahr 2012 sind seine Bühnen in der Schweiz, auch mal in Deutschland. Seine zuckersüsse Kunst folgt einem fixen Konzept: Neben seinem Zaubergarten mit sieben Gartenzwergen wartet er unter einem Schirm auf vorbeigehende Menschen, im Hintergrund klingt liebliche Musik aus einer Spieldose. Er ist geschminkt und trägt das namensgebende Ballettröckchen. Aus drei Ballonen dreht er bunte Blumen, übergiesst sie mit Liebe aus seiner Herzgiesskanne und schenkt sie den Passanten. «Blumen brauchen Wasser, Menschen Liebe», antwortet er fragenden Leuten. Es ist ihm ein Bedürfnis, den Alltag der Menschen farbiger zu machen und ihnen Liebe zu geben.

In der ganzen Schweiz unterwegs

Die meisten seiner Blumen dreht Claudio Zgraggen für Kinder. Aber nicht nur: «Auch Erwachsene haben tausend Gründe, eine Blume mitzunehmen.» Sei es auf dem Weg zu einer Geburtstagsparty, einem alten Freund oder zu einer Hochzeit. Er lebt von bezahlten Engagements, arbeitet aber auch als klassischer Strassenkünstler.

So erschafft Tütü seine schillernde Welt ebenso für eine Familienfeier im Zürcher Hyatt Hotel wie auch für Passanten im Hauptbahnhof oder am Bürkliplatz. Oder in einem Shoppingcenter in Chur. Auch für eine kommende Veranstaltung der Gewerkschaft Unia wurde er gebucht.

Für seine Auftritte verlangt er keine festen Preise. «Für 50 Franken gehe ich aber nicht mehr aus dem Haus», hält er fest. Der grosszügigste Auftraggeber bezahlte ihm einmal 1000 Franken für einen Tag. Die Regel sind einige hundert Franken. Und bei seinen Auftritten als Strassenkünstler ist er froh um jede Spende.

Wundersame Erlebnisse

Dank vieler Engagements an Wochenenden kann Claudio Zgraggen von seiner Kunst leben. Reich wird er damit nicht. Will er auch nicht. Wichtiger ist ihm die Freude, die ihm sein Schaffen bereitet. Die wird auch von unschönen Zwischenfällen nicht getrübt. Am Bahnhof Baden zerstörten betrunkene Hooligans einmal sein Grammofon mit einer Knallpetarde. «Als Clown wirst du eben manchmal angepöbelt», sagt Zgraggen achselzuckend. Er hat gelernt, damit zu leben.

Es überwiegen die kleinen Freuden, die er auf Strassen und Plätzen erlebt. Oder wie neulich im Zugsabteil, als er einem Mädchen spontan eine Blume drehte. Nach einem langen Tag in Basel traf er beide, Blume und Mädchen, wieder am Dietiker Bahnhof. Tütüs Alltagsschilderungen sind voll von solchen Alltagswundern. Es würde nicht erstaunen, wenn eines Tages stolze Scheichs mit ihren Töchtern die Dubai Mall verlassen, in der Hand eine farbige Ballonblume.