Birmensdorf

Turnshow mit Dorfklatsch: Der Gesamtturnverein präsentierte am Chränzli Eigenheiten des Dorfs

Was normalerweise nur am Stammtisch diskutiert wird, bot am Wochenende unter dem Motto «Euses Dorf» Stoff für eine gut zweistündige Unterhaltungsshow.

Wer auf dem Land aufgewachsen ist, der weiss: Es gibt nichts Interessanteres als Dorfgeschichten. Keine TV-Soap kann mit den ländlichen Geschehnissen, Gerüchten und zum Teil illustren Geschichten mithalten. Was normalerweise nur am Stammtisch diskutiert wird, bot am Wochenende Stoff für eine gut zweistündige Unterhaltungsshow. «Euses Dorf» lautete das Motto der diesjährigen Turnshow des Gesamtturnvereins Birmensdorf. Das alle zwei Jahre stattfindende turnerische Highlight sorgte auch dieses Mal für ausverkaufte Vorstellungen. Rund 200 Akteure im Alter von 6 bis 55 Jahren verpackten die Insidergeschichten von Birmensdorf in humoristisch choreografierte Darbietungen und schafften es zusätzlich, die turnerische Qualität auf hohem Niveau zu halten.

Die jüngsten Mitglieder der Birmensdorfer Turnfamilie, die kleine Mädchen- und Jugendriege, eröffneten die Show thematisch angelehnt an den Natur-Spielplatz und die Feuerwehr. Ebenso wurde von der grossen Mädchenriege der Bahnhof thematisiert. Eng verknüpft mit Birmensdorf ist auch das Militär. Daher statteten die Turnerinnen des Damenturnvereins dem Waffenplatz einen Besuch ab. Passend eingekleidet in Tarnhosen präsentierten die kecken Frauen eine mitreissend choreografierte Nummer mit akrobatischen Einlagen. Sichtlich Spass an ihrem Auftritt hatten ebenso die Knaben der grossen Jugendriege, welche ihren Besuch in der Badi sogleich für eine Fitnesssequenz nutzten. Den Abschluss der ersten Hälfte der Turnshow machten die filigranen Libellen der kleinen Geräteriege, die mit viel Glück im Wüerital anzutreffen seien.

«10 vor 10» aus Birmensdorf

Doch die turnerischen Darbietungen machten nur einen Teil der facettenreichen Unterhaltung aus. Wie gewohnt sorgten die Zwischennummern, moderiert im Kleid der Nachrichtensendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens, für grosse Heiterkeit beim Publikum. Als Nachrichtensprecherin der Spezialsendung aus Birmensdorf amtete Nadine Hofstetter, die zusammen mit Rolf Dubs, Remo Stierli und Sven Stierli zusätzlich in den kurzen Videoeinspielungen jeweils die Hauptrolle innehatte. Mit spitzbübischem Humor, angereichert mit einer gehörigen Portion Schalk, wurden zahlreiche Organisationen und Personen auf die Schippe genommen. Auch die Gemeindearbeiter wurden nicht verschont.

In den Genuss der turnerischen Klasse der Aktivriege kamen die Zuschauer vor allem in der zweiten Hälfte der Turnshow. Immer in gewohnt witziger Manier präsentiert, zelebrierten die Turnerinnen und Turner ihre Leidenschaft auf der Bühne. Dabei wurde gleichzeitig auf die doch schon in die Jahre gekommene Turnhalle angespielt. Diesen Wink hat der ebenfalls anwesende Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) schmunzelnd zur Kenntnis genommen. Die Gemeindefinanzen würden sich jedoch mit den Wünschen der Birmensdorfer Turnfamilie zumindest in diesem Bereich nicht decken. Er zeigte sich jedoch beeindruckt vom Programm der Turnshow. «Es war sensationell und kurzweilig», lobte er und unterstrich gleichzeitig die Wichtigkeit von aktiven Vereinen, «Die Vereine machen ein Dorf aus.» In Zukunft wolle die Gemeinde sogar noch mehr mit den Vereinen zusammenarbeiten, versprach er, «weil wir wissen, wie wichtig sie sind.»

Gesangseinlage fehlte erstmals

Der Spass am Turnen war ebenso den Mitgliedern der Frauen- und Männerriege anzusehen. Thematisch angelehnt an ein Verweilen auf dem Wüeriplatz demonstrierte die versammelten langjährigen Turnerinnen und Turner eine rassige Choreografie mit ausstrahlender Freude. «Wir wollten einfach einmal unser Dorf präsentieren und typische Birmensdorfer Eigenheiten einbauen», erklärte die Präsidentin des Damenturnvereins, Viola Zimmermann.

Zum ersten Mal an einer Turnshow fehlte die traditionelle Gesangseinlage. Das «Chörli», welches während 33 Jahren ein fester Teil des Programmes war, wurde anfangs dieses Jahres aufgelöst. «Wir wollten aufhören, solange die Leute noch Freude haben», erklärte Hermann Dubs, ein langjähriges Mitglied. Verpassen wollte er die Show aber unter keinen Umständen. Immerhin stand er während rund 50 Jahren jeweils auf der Bühne, früher selbst noch als Turner. «Jetzt können wir auch mal einfach geniessen, ohne selbst mitzumachen», freute er sich und fügte nicht ganz ohne Schalk an, «und man sieht, die Jungen bringen auch eine gute Show auf die Beine.»

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