Turnfest in Rikon

Turner räumen ab: Drei Limmattaler Vereine holen sich Siege

Die Limmattaler Turnvereine haben am Kantonalturnfest im Tösstal überzeugt. Sowohl Weiningen als auch Birmensdorf und Urdorf lieferten Glanzleistungen. Vom frühen Feiern anderer Turner liessen sie sich nicht ablenken.

Die Übersicht zu behalten, ist nicht einfach an diesem Samstagnachmittag auf dem Gelände des Zürcher Kantonalturnfestes in Rikon. Turnergruppen strömen von einem Wettkampf zum nächsten. Andere machen es sich abseits des Weges gemütlich, beschallen die Umgebung mit Musik und feiern eine feucht-fröhliche Party.

Im Festzelt, abseits dieses Trubels, sitzen Robin Haug, Präsident des TV Weiningen, und Andi Marti, Trainer der Weininger. Entspannt, mit einem Lächeln im Gesicht. Sie freuen sich über zwei Siege mit dem Team Aerobic 35+ in der Kategorie Männer/Frauen und mit dem Team Aerobic im einteiligen Vereinswettkampf, dazu über zahlreiche Podestplätze in verschiedenen Kategorien. «Unser Ziel war, 28 Punkte zu erreichen, das haben wir sogar noch übertroffen», sagt Haug. «Wir hatten ganz wenige Patzer und eines der besten Ergebnisse in den letzten 15 Jahren geholt – und das bei einem solchen Anlass.»

Ein Anlass mit riesiger Konkurrenz: Rund 12 000 Turnerinnen und Turner nehmen am Zürcher Kantonalturnfest teil, das zwei Wochenenden dauert und nur alle sechs Jahre stattfindet.
Auch deshalb ist es für den TV Weiningen als Verein nach dem Eidgenössischen Turnfest der wichtigste Wettkampf in der Agenda. 42 Turnerinnen und Turner hatte der Verein angemeldet. «Es ist der Saisonhöhepunkt und eine Ehrensache, hier dabei zu sein», findet Andi Marti, Trainer des TV Weiningen. «Daher ist es auch genial, dass wir so abgeschnitten haben. Wir haben wirklich das Maximum herausgeholt.»

Birmensdorf und Urdorf mit Sieg

Doch nicht nur die Weininger überzeugten: Auch andere Limmattaler Turnvereine standen zuoberst auf dem Podest. So haben die Birmensdorfer und Urdorfer beim dreiteiligen Vereinswettkampf der Senioren (über 55 Jahre) in der Stärkeklasse 3 beziehungsweise 5 gar den Sieg geholt. Und im Kunstturnen holten die Urdorfer in der Kategorie Open einen Doppelsieg. «Das Turnfest ist so gelaufen, wie wir es erwartet haben», sagt Oliver Zehnder, stellvertretender Technischer Leiter beim TV Urdorf.

Siege in einigen Kategorien, Podestplätze in anderen – und das bei gleich viel Training, zumindest beim TV Weiningen. «Wir haben zweimal pro Woche trainiert, so wie für andere Wettkämpfe auch», sagt Marti. «Allerdings haben wir schon vor sechs Monaten mit dem Training begonnen und insgesamt 100 Trainingsstunden investiert.» Hinzu gekommen seien noch Trainingseinheiten in den einzelnen Sparten. Je näher der Termin des Turnfestes rückte, desto nervöser seien die Athletinnen und Athleten geworden, verrät Marti. «Schliesslich wollen hier alle das Beste geben.» Und natürlich habe man auch gewisse Erwartungen gehabt nach den letzten Erfolgen. «Wir haben an den Regionalmeisterschaften Ende Mai in drei Kategorien gewonnen und wurden Turnfestsieger am Walliser Kantonalturnfest», sagt Marti. «Diese Leistungen wollten wir hier bestätigen.»

Für die Turnerinnen und Turner ist das Kantonalturnfest aber auch wegen des Zuschauerauflaufs sehr motivierend. Denn gerade die Vereinswettkämpfe werden sehr gut besucht. «Es ist etwas Besonderes, wenn einem so viele zusehen», sagt Sandra Haberthür, die aufgrund einer Verletzung nicht am Kantonalturnfest mitturnen konnte. «Das macht viel mehr Spass, als wenn man allein für sich turnt.»

«Wir sind eine grosse Familie»

Und auch die Direktbeteiligten gehören zum Publikum. So schauen die Weininger beispielsweise den Urdorfern zu und umgekehrt. «Wir sind eine grosse Turnerfamilie», schwärmt Erika Koller, Verantwortliche für die Urdorfer Männer- und Frauenriege am Kantonalturnfest. «Wir sind nicht etwa neidisch aufeinander. Natürlich will man seinen Wettkampf gewinnen, aber es geht immer fair und freundlich zu und her.» Das Verhältnis der Limmattaler Vereine untereinander ist gut, sagt auch Haberthür. Schliesslich ist das Gesellige am Turnfest wichtig.

Das Gesellige – das bedeutet für diejenigen Jugendlichen, die ihre Wettkämpfe schon hinter sich haben, eben auch laute Musik und gemeinsames Feiern. Lenkt dieses Drumherum die Turner nicht ab? «Daran gewöhnt man sich», meint Marti. Es sei zudem nicht so, dass die Turner sich von dieser Feierlaune anstecken liessen. «Solange wir Wettkämpfe haben, trinken wir keinen Tropfen Alkohol», sagt Marti, der es schade findet, dass manche meinen, bei solchen Anlässen stehe nur der Alkohol im Vordergrund. «Wir vermitteln unseren Turnerinnen und Turnern, dass ein solcher Anlass etwas ganz Besonderes ist und sie das Beste zeigen sollen», macht Marti klar.

Doch Party machen durften dann auch die Weininger – als sie ihre Wettkämpfe abgeschlossen hatten. «Dann», so Marti, «darf man auch mal richtig feiern und sich gehen lassen. Das gehört dazu.»

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