In Birmensdorf geht es rund. Am Kantonalen Jugendsporttag, der heute und morgen vom Turnverein organisiert wird, werden rund 1500 Mädchen und Knaben erwartet. Sie messen sich in Einzelwettkämpfen, wie etwa Geräteturnen oder Leichtathletik, und Gruppenwettkämpfen, wie Korbball oder Jägerball. Kantonsweit werden gar über 7000 junge Sportler im Einsatz sein. Denn Birmensdorf ist nur einer von insgesamt fünf Austragungsorten des Jugendsporttages.

Die Teilnehmerzahlen sind seit Jahren konstant. Turnen steht bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Davon zeugt auch die Entwicklung innerhalb des Zürcher Turnverbandes (ZTV). Seit einigen Jahren verzeichnet er steigende Mitgliederzahlen bei Kindern und Jugendlichen. 2015 waren knapp 21 600 junge Sportler beim ZTV gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von 300 Mitgliedern. Von einem Trend will Thomas Kaiser, Geschäftsführer des ZTV, deshalb zwar noch nicht sprechen. Erfreulich sind die Zahlen für ihn dennoch, weil der Mitgliederbestand auf einem konstant hohen Niveau gehalten werden könne. «Studien des Bundesamtes für Sport zeigen zudem, dass Turnen nach wie vor sehr beliebt ist», sagt er.

Gründe dafür gibt es aus Kaisers Sicht verschiedene. «Turnen ist vielseitig. Die über 400 dem ZTV angeschlossenen Vereine bieten insgesamt 18 Sportarten an», sagt er. Die Palette reicht dabei von Geräteturnen über Leichtathletik bis zu Volleyball. «Für Kinder, die auf der Suche nach einer geeigneten Sportart sind, ist ein Turnverein deshalb ideal», so Kaiser. Komme hinzu, dass man über das Turnen schon sehr früh in den Sport einsteigen könne. Früher habe bei vielen Kindern dieser erste Kontakt bereits beim Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Turnen stattgefunden. Heute gebe es weitere Angebote, wie das Windelturnen oder Kid Gym, das sich an Kinder im Alter ab fünf Jahren richte.

Chränzli als Schaufenster

Wichtig für die Beliebtheit des Turnens, so Kaiser, sei auch die grosse Präsenz des Sports. «Fast in jedem Dorf gibt es einen Turnverein. Der Verband selber organisiert jährlich zwischen 40 und 45 Anlässe. Hinzu kommen noch jene der Vereine», sagt Kaiser. Etwa die Turnerchränzli. Sie seien gute Werbung für den Turnsport und würden Kinder animieren, einem Turnverein beizutreten. «Die Wettkämpfe und Chränzli sind ein wichtiges Schaufenster für unseren Verband. Denn in den letzten zehn Jahren hat das Angebot durch neue Sportarten, wie etwa Parkour, zugenommen», so Kaiser. Dass die Mitgliederzahlen bei den Kindern und Jugendlichen trotzdem konstant seien beziehungsweise sogar leicht steigen würde, wertet Kaiser als Zeichen, dass es weiterhin attraktiv ist, in einem Verein Sport zu treiben. «Gerade Kinder wollen gemeinsam etwas erleben», sagt er.

Ähnliche Beobachtungen macht auch Patrick Bader, Präsident des STV Dietikon. Beim STV seien die Mitgliederzahlen im Kinder- und Jugendbereich in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen. «Wir haben einige Kinder, die durch ihre Eltern zum Turnen gekommen sind, aber auch solche, die von ihren Kollegen gehört haben, dass es Spass macht, im Verein zu sein», sagt Bader. Deshalb sei es wichtig, dass die Leiter die Kinder begeistern können. «Ist die Gruppendynamik gut, dann bleiben viele dem Verein bis zu den Aktiven treu. Andernfalls springen sie ab, vor allem wenn schulische oder berufliche Veränderungen anstehen», so Bader. Man müsse den Kindern aber auch über das Training hinaus etwas bieten. Beliebt seien Ausflüge, besonders jene mit Übernachtungen, aber auch die Wettkampfteilnahmen und Trainingslager. «Das spricht sich herum und weckt bei anderen Kindern Interesse am Turnverein», sagt Bader.

«Turnen ist wieder cool»

Beim TV Urdorf stellt man ebenfalls fest, dass Turnen wieder beliebter bei den Kindern wird. «Gerade bei den jüngsten Mädchen, die im Alter von sechs bis acht Jahren sind, hatten wir letztes Jahr regen Zulauf», sagt der Jugendverantwortliche Alain Herter. Dies habe vor allem damit zu tun, dass vakante Leiterposten neu besetzt werden konnten. «Die neuen Leiterinnen haben sehr viel Werbung im Dorf gemacht. Die Anmeldungen sind derart hoch, dass wir bald Wartelisten einführen müssen, auch wenn wir das unbedingt vermeiden und allen die Möglichkeit bieten wollen, bei uns zu turnen», so Herter. Er habe den Eindruck, dass das Turnen bei den Kindern wieder cool werde. Dies, nachdem einige in andere Sportarten gewechselt seien. «Dadurch, dass die Gruppen grösser werden, fällt es leichter, die Kinder auch bei einem Stufenwechsel im Verein zu halten. Sie kennen sich bereits und wechseln deshalb oft gemeinsam in die nächsthöhere Altersstufe», sagt Herter.