Umso erstaunlicher ist der Schnappschuss, den die Überwachungskamera des Kompetenzzentrums für Abfall und Wasser Limeco am 31. Dezember in Dietikon eingefangen hat (siehe Bild unten). Der Turmfalke posiert majestätisch vor der Linse und blickt vom Kamin aus über das Limmattal.

Das Exemplar ist aber nicht der einzige Vogel seiner Art, der die hiesigen Lüfte regiert. Auch in weiteren Limmattaler Gemeinden ist der Greifvogel in den vergangenen Jahren immer wieder gesichtet worden. So zum Beispiel in Urdorf in der Nähe des Fussballplatzes. Dort nisteten im vergangenen Sommer zwei Turmfalken mit ihren fünf Jungen (die Limmattaler Zeitung berichtete) und auch in Schlieren beim Belltree-Tower wurde der Greifvogel gesichtet.

Bestand nimmt leicht zu

Eine Seltenheit sind die Tiere mit dem hakenförmigen Schnabel also nicht. Dennoch ist ihr Bestand seit den 1960er-Jahren markant geschrumpft und steht heute auf der Roten Liste der potenziell gefährdeten Arten. Zwischen 1988 und 2008 hat sich der Bestand aber wieder etwas erholt. Dies zeigen Zahlen des Zürcher Vogelschutzes ZVS/Birdlife Zürich für den Kanton. Die positive Entwicklung ist unter anderem bestandsstützenden Massnahmen wie der Ausbringung von Nistkästen, warmer und trockener Sommer und dem Rückgang des Pestizideinsatzes zu verdanken.

Doch auch die Witterungsverhältnisse im Winter haben einen grossen Einfluss auf den Bestand der Turmfalken. In den Monaten Januar und Februar ist die höchste Sterberate im Jahr zu verzeichnen. «Liegt über längere Zeit Schnee oder sind die Böden gefroren, haben die Turmfalken Probleme, Mäuse zu finden und zu fangen», sagt Michael Schaad, Biologe bei der Vogelwarte Sempach. Wenn zu wenig Nahrung vorhanden ist, beginnen die Vögel später mit Brüten oder legen gar keine Eier. Die Bestände können deshalb von Jahr zu Jahr stark variieren.

Das aktuelle milde Wetter ohne Schnee ist für den Turmfalken und auch für andere Vogelarten optimal. Zu Ende ist die kalte Jahreszeit aber noch lange nicht.