Dietikon
Tupfer für Tupfer und mit grosser Sorgfalt zum fertigen Œuvre

Peter Müdespacher restauriert beschädigte Gemälde aus Bruno Webers Frühwerk. Als «Diener eines grossartigen Werks, das bis heute nur zum Teil erschlossen ist», versteht sich der ehemalige Werklehrer.

Sophie Rüesch
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Restaurator der Werke von Bruno Weber: Peter Müdespacher
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Restaurator Peter Müdespacher
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Restaurator Peter Müdespacher

Restaurator der Werke von Bruno Weber: Peter Müdespacher

Sandra Ardizzone

Fein säuberlich hat Peter Müdespacher sein Arbeitsmaterial auf dem improvisierten Maltisch im Empfangszimmer des Bruno-Weber-Skulpturenparks aufgereiht: Farbtube reiht sich an Farbtube, Pinsel an Pinsel, ein Schälchen Farbverdünner wartet darauf, die im Lauf der Jahre etwas zu zähflüssig gewordenen Ölfarben wieder geschmeidiger zu machen.

Vor ihm liegt ein frühes Stillleben von Bruno Weber, den Müdespacher, damals Lehrer im Schulhaus Wolfsmatt, 1962 kennen lernte. Als Mitglied der schulischen Baukommission kam er in Kontakt mit dem jungen Künstler, der ein Wandbild für den Singsaaltrakt malen sollte. Und während das Gemälde, das die beiden Männer zusammenbrachte, mittlerweile übertüncht ist, hat sich Müdespacher zur Aufgabe gemacht, auch den restaurationsbedürftigen Stücken aus dem malerischen Werk von Bruno Weber wieder an die Oberfläche zu verhelfen.

Malerei: Webers erstes Lebenswerk

Als «Diener eines grossartigen Werks, das bis heute nur zum Teil erschlossen ist», versteht sich der ehemalige Werklehrer in seiner Rolle als Restaurator. Das gemeinsame Ziel von Müdespacher, Webers Witwe Maria Anna und dem Fotografen Robert Elter ist kein geringeres, als auch das Frühwerk Webers, der sich in seinen jüngeren Jahren nur der Malerei gewidmet hat, für die Nachwelt aufzubereiten. «Die Bilder werden katalogisiert, wo nötig restauriert und für Ausstellungen und unmittelbare Studien am Objekt verfügbar gemacht», erklärt Müdespacher.

Er geht mit grösster Sorgfalt an die Arbeit; den Respekt vor dem Künstler, der in späteren Jahren auch zum guten Freund wurde, spürt man im ganzen Raum. «Ich behebe nur Schäden, Brunos Bildsprache darf nicht verändert werden», sagt er und tunkt einen Pinsel in die blaue Farbe, vermischt sie mit Weiss, dann mit etwas Ocker. Er hält einen Moment inne, schaut hin und her zwischen Mischpalette und Originalbild, diagnostiziert: «Es hat auch eine Prise Gelb drin und ein kleines bisschen Rot.» Sorgfältig tupft er die Farbe auf eine Stelle, an der die ursprüngliche Farbe entlang eines Risschens abgeblättert ist. «Jetzt ist es zu grün», sagt er, «da muss ich noch mal drüber.»

Die Farben, dem Zufall sei Dank, sind «absolut genau dieselben», wie sie Weber damals für die Originale benutzte. Müdespacher hat davon einen kleinen Vorrat im Keller, Restbestände eines Ölmalkurses der Volkshochschule Dietikon, die er während Jahren präsidierte. «Wir haben für den Kurs natürlich nicht die teuersten Farben gekauft - genau wie Bruno, der sich in jungen Jahren noch mit den günstigeren begnügen musste», sagt Müdespacher. Das galt nicht nur für die Farbe: Weil Rahmen und Leinwand teuer waren, hat Weber das Holz manchmal kurzerhand doppelt bespannt - vorne und hinten.

Begonnen hat Müdespachers Restaurationstätigkeit bei den Vorbereitungen für die Ausstellung «Der andere Bruno Weber», die das malerische Werk des für seine Skulpturen bekannten Künstlers zeigte. Mehrere Bilder hat er da frisch gerahmt. Bei der Auswahl der Werke seien auch eine Anzahl «ganz bedeutende, aber der Restauration bedürftige Stücke» entdeckt worden, erinnert er sich.

Vor der Doppelausstellung Bruno Weber - Max Gubler im vergangenen Herbst griff er dann erstmals auch zum Farbtopf. «Schuld daran ist dieses Bild», sagt er und hält eine Leinwand mit einem Fenstersujet hoch. «Zhudle und zfetze» habe er es im Magazin entdeckt und sofort Gefallen daran gefunden. Maria Anna Weber habe ihm das eine «rettungslos verlorene» Stück zum Experimentieren überlassen. Mithilfe einer zweiten, von hinten aufgeleimten Leinwand konnte er es doch noch retten.

Ein malerisches Tagebuch

Sechs Bilder hat Müdespacher mittlerweile - unentgeltlich - restauriert, weitere fünf warten in seinem Atelier auf eine Auffrischungskur. Und so schnell wird ihm die Arbeit nicht ausgehen. Denn neben den Bildern, die im Weberschen Wohnhaus lagern, fanden sich im Elternhaus des Künstlers weitere Werke aus einer frühen Schaffensphase. Viele davon sind Studien, manche unvollendet, eine Art «malerisches Tagebuch», wie Müdespacher es nennt. Gegen hundert Bilder müssen noch restauriert und eine weitere Anzahl gerahmt werden.

Als Restaurator müsse man sich voll und ganz in den Künstler hineinversetzen, sagt Müdespacher. «Das ist für mich nicht schwierig, weil ich Bruno sehr gut kannte.» Gerne würde er die Bilder alle selbst auf Vordermann bringen. «Doch ich weiss nicht, ob ich dafür genug lange lebe», sagt der 82-Jährige und wendet sich, als ob schon jetzt jede Sekunde zählen würde, wieder dem Stillleben zu.