Mein Ding: Modellflugzeuge
Tüfteln verleiht ihm Flügel

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Diese Woche bringt der Oberengstringer Rolf Strässle uns seine Begeisterung für selbst gebaute Modellflugzeuge näher.

Fabienne Eisenring
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Fabienne Eisenring

Es wirkt so klein aus der Ferne. Wie ein Vogel, der sich surrend in die Höhe schraubt, einen Looping dreht und zum Landen zwischen die Weizenfelder hinabtaucht. Von nahem betrachtet sind Rolf Strässles Modellflugzeuge grösser – um einiges grösser. Auf einer Anhöhe an der Birmensdorferstrasse in Urdorf lässt der Oberengstringer seine Flieger starten. Mitgebracht hat er ein armlanges Elektroflugmodell und einen Segler mit 4,2 Metern Spannweite; zwei seiner rund 25 einsatzfähigen selbst gebauten Modelle.

Schon als kleiner Bub liebte es Strässle, an der Hobelbank seines Vaters zu werken. Mit 14 Jahren hielt er sein erstes Holzflugzeug in den Händen. «Und dann wurden die Vögel immer grösser», erinnert sich Strässle lachend. 1996 trat er als Jugendlicher der Modellfluggruppe Urdorf bei, zwei Jahre nach deren Gründung. Seine rund 60 Mitglieder sind heute alles Männer. «Die Nachfrage ist gross», beobachtet der 35-Jährige, der seit drei Jahren Vereinspräsident ist. Junioren bis Pensionäre fliegen Holzflugzeuge bis Kohlefasermodelle.

Bauen nach realem Vorbild

Strässle, der einst bei der ABB seine Ausbildung zum Elektromechaniker machte, mietete mit zwei Kollegen eine Werkstatt, wo er an seinen Modellen tüftelt. Denn: «Daheim mit den Chemikalien und den riesigen Bauteilen zu arbeiten, ist heikel.» Momentan ist Strässle dabei, ein Segelflugmodell mit siebeneinhalb Metern Spannweite zu konstruieren. Mit in Harz getränkten Glasfasermatten kleidet er das gekaufte Grundgerüst aus und modifiziert die Form des Fliegers. «Im Gegensatz zu jenen, die einen Bausatz verwenden, habe ich die Möglichkeit, das Modell zu optimieren», erklärt Strässle. Die Bauweise des Seglers unterscheide sich nicht vom realen, dreimal so grossen Vorbild. Folglich könne man auch ein Modellflugzeug nur gegen den Wind starten und landen.

«Der erste Flug mit einem Modell ist immer etwas Spezielles», sagt Strässle. Vor dem Take-off prüfe er alle Funktionen doppelt. Und wie geht er mit Bruchlandungen um? «Ich muss entscheiden, ob ich das Flugzeug repariere oder es bleiben lasse.» Landungen im Weizenfeld hätten aber glücklicherweise nicht allzu tragische Folgen. Zur Gemeinde und den Landwirten habe der Verein einen guten Draht, die Flugzeiten spricht man ab.

Manchmal macht Strässle eine Woche Pause vom Fliegen oder aber es zieht ihn täglich auf die Piste. Bei einem «schönen Fiirabigflug» könne er abschalten. Nach einer Stunde in der Luft lande er seinen Flieger, um etwas zu trinken. Jährlich reist er ins Berner Hahnenmoos, dem «Mekka für Modellflugbegeisterte». Wenn die Männer die Segler schultern und den Berg hinauftragen, sehe das aus wie bei einem Kreuzweg, sagt Strässle schmunzelnd. Doch die Mühe lohnt sich: Es lasse sich nicht beschreiben, dieses Gefühl, seinen Segelflieger vor der Alpenkulisse vom Felshang zu werfen und den kräftigen Aufwinden zu übergeben.

Und wie fühlt sich Strässle, wenn er selbst in einem Flieger sitzt? «Um Linienflüge komme ich nicht herum.» Doch es sei nicht sein Ding. Viel lieber steht er mit beiden Füssen auf dem Boden, den Kopf im Nacken und den Blick hinter der Sonnenbrille gen Himmel gerichtet, auf sein Modellflugzeug.

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