Das Bezirksgericht Dietikon hat am Montag einen Schweiztürken zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte sechs Scheinehen zwischen Tschechinnen und Türken aufgegleist. Mit allem Drum und Dran, vom gefälschten Arbeitsvertrag bis zur Trauzeugin gegen Bezahlung. Ein halbes Jahr der Freiheitsstrafe ist unbedingt, die restlichen zwei Jahre werden bedingt aufgeschoben.

Gemäss den Ermittlungen wurde die erste Scheinehe im Mai 2015 in Tschechien nahe der Grenze zu Polen geschlossen. Kurz zuvor hatte der Täter einer Tschechin, die als Scheinehefrau vorgesehen war, rund 628 Franken in tschechischer Währung bezahlt. Der Täter war Trauzeuge, als sein Schwager dann diese Tschechin heiratete. Die tschechische Geschäftspartnerin des Täters schlüpfte derweil in die Rolle der Trauzeugin. Rund zwei Monate nach der Pseudo-Heirat reichte die tschechische Scheinehefrau bei der Dietiker Einwohnerkontrolle ein Gesuch um B-Aufenthaltsbewilligung ein.

Familiennachzug dank Scheinehe

Mit Erfolg: Im Herbst 2015 gab das Migrationsamt des Kantons Zürich grünes Licht. Kurz zuvor hatte auch ihr Pseudo-Ehemann, also der Schwager des Täters, ein Gesuch eingereicht, als sogenannter Familiennachzug. Auch dazu gab das Migrationsamt grünes Licht.

Dann kam der Zahltag: Der Schwager des Täters hatte nun seine Aufenthaltsbewilligung und zahlte rund 1058 Franken in tschechischer Währung an die tschechische Geschäftspartnerin des Täters. Weitere 8911 Franken erhielt die Geschäftspartnerin vom Täter selbst.

Auch der Neffe war involviert

Um das Migrationsamt reinzulegen, war mitunter ein gefälschter Arbeitsvertrag nötig. Der Täter hatte diesen aufgegleist. Als gemeinsamen Wohnort gab das Scheinehepaar die Dietiker Adresse des Scheinehe-Geschäftsmanns an. Unterhalb der Wohnung befand sich der Gastwirtschaftsbetrieb des Neffen des Täters. Der Betrieb hatte in den letzten Jahren immer wieder Zahlungsschwierigkeiten und wurde von Gläubigern vor Gericht gezogen. Wegen Ordnungswidrigkeiten wurde er zudem schon gebüsst.

In einem anderen Fall schlüpfte der Gastro-Betrieb des Neffen des Täters in die Rolle des Pseudo-Arbeitgebers. In wieder anderen Fällen wurden Firmen aus dem Glattal und aus Winterthur als Arbeitgeber angegeben. In fünf Fällen gaben die Scheinehefrauen eine Wohnung in Oetwil als Wohnort an. Manchmal wurde in der Türkei geheiratet, manchmal in Tschechien. Je nach Scheinehe blieben dem Täter bis zu 5000 Franken als Lohn. Das meiste Geld ging aber nach Tschechien zur Geschäftspartnerin – bei einer der Scheinehen verdiente sie über 20 000 Franken.

Die Gerichtsverhandlung gestern Nachmittag war eine kurze Sache. Denn der Täter hatte schon in der Untersuchung alles gestanden. Deshalb gab es ein abgekürztes Verfahren. Verurteilt wurde der Mann wegen mehrfacher Urkundenfälschung, mehrfacher Täuschung der Behörden und teilweise dem Versuch dazu. Da der Täter schon 163 Tage in Untersuchungshaft verbracht hat, muss er jetzt nur noch 17 Tage absitzen. Die restlichen zwei Jahre der Freiheitsstrafe sind auf Bewährung. Zahlen muss er aber auf jeden Fall eine Geldstrafe. Diese umfasst 45 Tagessätze zu 80 Franken. Hinzu kommen über 25 000 Franken Verfahrenskosten. Zurzeit arbeitet der Mann als Mitarbeiter eines Gastrobetriebs.

«Ich dachte, dass ich so den Menschen helfe. Aber heute bereue ich es», sagte der Täter in der Befragung durch den Bezirksgerichtspräsidenten Stephan Aeschbacher. Der Verurteilte verfügt über einen Schweizer Pass mit Bürgerort Stadt Zürich. Nichtsdestotrotz war an der Gerichtsverhandlung ein Dolmetscher vonnöten, der von Deutsch auf Türkisch und umgekehrt übersetzte.