Biodiversität

Tümpelbau-Offensive - Wer macht Platz für den Froschkönig?

Ohne Tümpel kein Nachwuchs: Amphibien sind für ihre Fortpflanzung auf geeignete Laichgewässer angewiesen.

Ohne Tümpel kein Nachwuchs: Amphibien sind für ihre Fortpflanzung auf geeignete Laichgewässer angewiesen.

Der Laubfrosch soll gerettet werden: Pro Natura setzt sich mit einer Tümpelbau-Offensive für bedrohte Amphibienarten in der Deutschschweiz ein. Limmattaler Gemeinden winken ab.

Der Laubfrosch ist einer der bekanntesten Vertreter seiner Zunft. Mit seiner knallig grünen Hautfarbe hat er es als Froschkönig bis in die Märchenbücher geschafft. Jenseits der Märchenwelt steht es aber nicht gut um den Laubfrosch – in der Schweiz gehört er neben anderen Fröschen, Unken und Molchen zu den bedrohten Amphibienarten. Die Naturschutzorganisation Pro Natura möchte diese mit einer neuen Tümpelbau-Offensive schützen und ermuntert jetzt knapp 400 Deutschschweizer Gemeinden per Anschreiben dazu, Tümpel und Biotope für Amphibien anzulegen.

Die Gründe für den seit Jahren anhaltenden Amphibienschwund sind laut einer Medienmitteilung von Pro Natura unter anderem die ganzjährige Trockenlegungen kleiner Gewässer. Durch sogenannte Drainagen wird Land für die landwirtschaftliche Nutzung gewonnen. Insbesondere kleine Gewässer, die nur temporär austrocknen, seien als Laichgewässer aber wichtig für die Fortpflanzung der Amphibien.

Gemeinden sind schon aktiv

Limmattaler Gemeinden sehen in diesem Bereich aber kaum zusätzlichen Handlungsbedarf oder wenig Möglichkeiten dazu. Man habe erst letztes Jahr die Richtlinien für Biodiversität erhöht, sagt etwa Severin Lüthy, Raumplaner der Stadt Dietikon. Der verbindliche Leitfaden zur Förderung der Biodiversität in der Stadt Dietikon sieht zum Beispiel vor, bei der Gestaltung von Gewässern auf die Bedürfnisse der Amphibien Rücksicht zu nehmen. «Wir haben verschiedene Tümpel in der Stadt und haben daher unser Potenzial bereits ausgenutzt», sagt Lüthy. Auch Jürg Engeli, Gemeindeschreiber von Unterengstringen, sagt, man habe seinen Beitrag zum Amphibienschutz bereits geleistet. Unterhalb vom Sparrenberggut etwa befindet sich der Sparrenbergweiher, der von der gemeindeeigenen Fachstelle Naturschutz unterhalten wird. Auch im Klosterwald gebe es amphibienfreundliche Gebiete. Diese würden mit der nötigen Sorgfalt bewirtschaftet, sagt Engeli.

Claudia Trutmann, Gemeindeschreiberin von Aesch, gibt auf Anfrage zu bedenken, dass Tümpel und Weiher durch die Gemeinden nur dort angelegt werden können, wo das Land nicht landwirtschaftlich nutzbar sei. Wolle man die Tümpel auf Kulturland anlegen, so müsse man erst die Erlaubnis beim Kanton einholen, sagt Trutmann. Die Gemeinde Uitikon ist laut ihrem Tiefbau-Leiter David Bodo eine Vorreiterin im Bereich der Förderung von Artenvielfalt. Am 14. Juni dieses Jahres wurde an der Urdorferstrasse das neue Retentionsbecken Wissächer eingeweiht, wo unter anderem auch ein Amphibienlaichplatz geschaffen wurde.

Pro Natura verspricht den Gemeinden bei der Umsetzung eines Tümpelbauprojektes laut Medienmitteilung eine Prämie von 2000 Franken. Sie hofft, dass auch lokale Naturschutzvereine, Forstbetriebe und Privatpersonen ihre Gemeinden dafür motivieren.

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