Rasant schiessen die Züge an Dietikon vorbei, ihr Fahrtwind schüttelt die Grasbüschel und Sträucher am Gleisrand durch. Auch am Rohbau-Skelett des einstigen Dietiker Unternehmens Koenig Feinstahl brausen die Stahlkolosse vorbei. Fast könnte man meinen, die Konstruktion aus Beton und Stahl beginne zu wanken. Passieren könnte dies jedoch nicht, denn die Bausubstanz sei von hervorragender Qualität, wie Albert Surber sagt. Er ist Inhaber des Familienunternehmens Surber Metallbau und Besitzer der Liegenschaft an der Lagerstrasse 10. Derzeit wird das Gebäude, eines der architektonischen Markenzeichen des Bezirkshauptorts, umfassend saniert.

Bei der Surber Metallbau als Besitzerin ist das Gebäude aus den 1950er-Jahren in guten Händen. Unter anderem zeichnete das Unternehmen verantwortlich für die Fassaden des Dosenbach-Ochsner-Gebäudes einige Meter weiter auf der anderen Seite des Gleisfeldes und des Amag-Porsche-Neubaus in Schlieren. Nicht im ehemaligen Bürobau, sondern in den dahinterliegenden Werkhallen hat der Metallbauer, der 50 Angestellte beschäftigt, seinen Sitz. Er zog nach Dietikon, nachdem die Koenig Feinstahl 2015 ihren hiesigen Standort schloss und 17 Personen ihre Stelle verloren. Vor einem Jahr dann konnte Surber, der seinen Sitz zuvor am Stadtzürcher Hardplatz hatte, das Gebäude erwerben.

Entstehen werden rund 2500 Quadratmeter Bürofläche. Die Liegenschaft soll im August 2019 bezugsbereit sein. Noch sind keine Flächen vermietet, wie Surber sagt. Er sei offen für Anfragen.

Die Fassadenarbeiten werden vom eigenen Unternehmen gemacht und sollen eine Art Visitenkarte darstellen, so Surber. «Die Gebäudehülle wird mit der modernsten Technologie ausgestattet.» Auf jener Seite, die gegen den Dietiker Bahnhof gerichtet ist, sollen Photovoltaik-Elemente Sonnenenergie generieren. «Es handelt sich um textile PV-Elemente, die in der Schweiz erstmals zum Einsatz kommen», so Surber. Auch zwischen den Fensterscheiben auf der gegen das Limmatfeld gerichteten Seite sind solche Elemente geplant. «Die Fenster der Büros werden darüber hinaus mit selbstverdunkelndem Glas ausgestattet – eine Methode, die bei Bauprojekten noch sehr selten angewendet wird.» Sie habe den Vorteil, dass man keine Storen mehr installieren müsse.

Neu am Fernwärme-Netz

Nicht nur das Bürogebäude direkt an den Gleisen erhält ein komplett neues Gesicht, auch die dahinterliegenden Werkhallen befinden sich im Umbruch. «Die Arbeiten an der Aussenfassade wurden vor rund drei Wochen abgeschlossen», so Surber. Das Gebäude wurde energetisch aufgerüstet und die Limeco schloss es an die Fernwärme an. «In früheren Jahren verbrauchten wir für alle Gebäudeteile rund 120'000 Liter Heizöl. Sind die Arbeiten abgeschlossen, sinken diese Ausgaben um rund die Hälfte.»

Zudem wurden eine neue Fassade eingebaut, die Sheddachverglasung ersetzt und Isolationsarbeiten am Dach vorgenommen. Auch werden in den Werkhallen neu die Büros des Unternehmens eingebaut.

Welle gehört zu Dietikon

Ein besonderes Ausgenmerk lag auf dem Kunstwerk, das die bahnseitige Fassade der Halle ziert. Es handelt sich um die Königwelle des Dietiker Bildhauers und Malers Josef Staub. Zahlreichen Bahnnutzern dürfte das Werk mit unvollendeten Kreisformen in Grün, Rot und Blau ein Begriff sein. Staub genoss schweizweite Bekanntheit und verstarb 2006. Prominente Werke in der Region sind etwa die Skulptur in der Dietiker Kirchhalde und jene im Schlieremer Stadtpark unmittelbar beim Stadthaus.

«Als wir das Werk von unserer Halle abmontiert hatten, um die Arbeiten an der Fassade starten zu können, nahm der Sohn des Künstlers, Fredi Staub, mit uns Kontakt auf», so Surber. Es sei ihm wichtig gewesen, dass das Werk erhalten bleibe und fachgerecht saniert werde. «Wir einigten uns darauf, dass wir es restaurieren lassen.» Der richtige Entscheid, wie er findet. So gehöre das Werk zu Dietikon und eine schwarze Mauer wäre sicherlich weniger einladend gewesen, sagt er.