Am Ende stand dieses Zahlenverhältnis: 135 Nein zu 49 Ja. Regierungspräsident Ernst Stocker schüttelte nach Bekanntgabe verärgert den Kopf – seine Partei hat an der Delegiertenversammlung in Flaach soeben die Nein-Parole zu «seiner» Vorlage Limmattalbahn beschlossen. Stocker hatte vor seinem Wechsel in die Finanzdirektion als Volkswirtschaftsdirektor das Projekt ausgearbeitet. Die Staatsbeiträg e in Höhe von maximal 646,6 Millionen Franken kommen am 22. November vors Volk. Das Ergebnis von Flaach war mehr als deutlich.

Dass es für die Limmattalbahn eng werden würde, war vorauszusehen. Die SVP ist keine Partei, die den öffentlichen Verkehr vorbehaltlos fördert. Aber selbst im Limmattal ist die Partei zerrissen. Zwar stellen sich die SVP-Kantonsräte vorbehaltlos hinter das Bahnprojekt, genauso ihre Exekutivmitglieder oder zum Beispiel die Bezirkspartei oder die Ortspartei Dietikon.

In Schlieren jedoch ist die SVP-Parlamentsfraktion gegen das Projekt und der Unterengstringer Christian Meier, Präsident der parteieigenen Verkehrskommission, hat das Referendumskomitee angeführt und dafür gesorgt, dass nach dem Ja von Regierung und Kantonsrat die Stimmberechtigten das letzte Wort haben werden.

Der Sieg der Wachstumskritiker

Die Strategie der Befürworter wie der Gegner, um zum Ziel zu kommen, wurde am Donnerstagabend in der Worbighalle zu Flaach schnell deutlich. Die Befürworter betonten, dass die Limmattalbahn auch ein Strassenprojekt ist, denn es werden die Kapazitäten von wichtigen Verkehrsknoten erweitert, aber auch Velospuren gebaut. Die Gegner kritisierten die Bahn als Wachstumsbeschleuniger. In diese Logik fällt der Entscheid der Jungen SVP, die die Bahn ablehnt, um die Zuwanderung zu stoppen.

Die Appelle von Pierre Dalcher, der am Abend die Pro-Seite vertrat und sich als Schlieremer Stadtrat und Kantonsrat für die Bahn einsetzt, verhallten in der Weite der Halle. Auch er wies auf die Vorteile für die Autofahrer hin. Ebenso aber auf den Umstand, dass die Bahn die adäquate Antwort auf die fortschreitende Urbanisierung der linken Talseite darstellt. Diese könne man gut oder schlecht finden – sie lasse sich nicht aufhalten. Entsprechend äusserten sich auch etwa Weiningens Gemeindepräsident und alt Kantonsrat Hanspeter Haug, Kantonsrat Rochus Burtscher sowie Willy Haderer – alt Unterengstringer Gemeindepräsident, alt Kantonsrat und vormals Präsident der Planungsgruppe Limmattal. Nationalrat Hans Egloff aus Aesch, immerhin Co-Präsident der Allianz Pro Limmattalbahn, blieb in Flaach stumm.

Auf der anderen Seite kämpften der Weininger emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger oder der Schlieremer SVP-Gemeinderat Thomas Grädel. Die Kontra-Rede hielt allerdings der Stadtzürcher Lorenz Habicher. Das Limmattal sei verkehrstechnisch bereits gut erschlossen, die Bahn brauche es nicht, die insgesamt 755 Millionen Franken für die Strecke Altstetten bis Killwangen könne man sich sparen.

Während Christian Meier nach der Versammlung Genugtuung verspürte über seinen Sieg, zeigte sich Ernst Stocker enttäuscht – aber nicht verzweifelt. Er prognostiziert ein 2-Drittel-Ja für den 22. November. Mit Kantonsrat Hans-Peter Amrein wettete er sogar um einen Karton Wein.