Zumindest «im Grundsatz» finden es alle eine gute Idee: den Versuch der Stadt Dietikon, durch das Aufstellen von flexiblen Sitzgelegenheiten mehr Leben auf den Rapidplatz und ins Zentrum zu holen (Ausgabe von gestern). Von hier an jedoch scheiden sich die Geister. SVP-Fraktionspräsident Stephan Wittwer etwa hat so seine Bedenken, «ob Dietikon wirklich das richtige Publikum für solche Aktionen bietet». Er befürchtet, dass die Stühle, auch wenn sie paarweise zusammengekettet sind, gestohlen oder beschädigt werden.

Dass Dietikon etwas unternimmt, um mehr Bewegung in die Stadt zu bringen, begrüsst er zwar; auch er wünsche sich ein belebteres Zentrum. Ob die mobilen Stühle dafür eine geeignete Massnahme sind, daran hegt er Zweifel, sagt aber auch: «Gegen einen Versuch habe ich nichts.» Sauer stosse ihm hingegen auf, dass der Rapidplatz dabei gleich behandelt wird wie das Zentrum: «Man hätte besser zuerst mal nur einen Versuch auf dem Kirchplatz gemacht, um zu sehen, ob die Aktion in Dietikon funktioniert.» Zudem erwartet er von der Stadt, dass sie das Experiment sofort abbreche, sollten Stühle geklaut, verschleppt oder beschädigt werden. «Es kann nicht sein, dass dann unser Werkdienst mit Flicken oder Zusammensammeln belastet wird.»

«Immer wieder ausprobieren»

Auch FDP-Fraktionspräsident Martin Romer glaubt nicht, dass den Stühlen in Dietikon ein langes Leben beschieden ist. Er beobachte als Besitzer des Kinos Capitol, «dass im Zentrum alles zerstört wird, was nicht bombensicher ist». Dennoch steht er hinter der Aktion: Er findet es «wichtig und richtig, dass die Stadt jeden Schritt zur Belebung, den sie sich leisten kann, unternimmt» – gerade auch auf dem «städtischen Stiefkind» Rapidplatz, wo immer noch viel zu wenig laufe. Zudem, findet er, dürfe man wegen «ein paar wenigen, die zu nichts Sorge tragen können», nicht die grosse Mehrheit bestrafen, die sich über die neuen Sitzgelegenheiten freut. «Man muss halt immer wieder mal ausprobieren, was funktioniert und was nicht.»

Elio Frapolli, Präsident der Vereinigung Zentrum Dietikon (VZD), die immer wieder die fehlende Bewegung im Zentrum beklagt, begrüsst die Aktion ebenfalls – zumal die Stadt damit der langjährigen Forderung der VZD nach mehr Sitzplätzen zum Ausruhen und Verweilen nachkommt. «Die Stadt setzt damit ein sichtbares Zeichen, dass sie gewillt ist, in die Belebung zu investieren. Das ist erfreulich», so Frapolli. Er würde sich aber wünschen, dass sie im Kampf gegen das Lädelisterben noch etwas mehr Mut zeigt. Die aktuelle Aktion sei ein «Tropfen auf den heissen Stein», vor allem auf dem Rapidplatz. «Stühle alleine sind auf dem Kiesplatz verloren; es gehören Bänke und Sonnenschirme dazu, den Platz zu beleben.»

Im Zentrum müsse zudem eine durchgehende Flaniermeile her, um «ein bisschen mediterranes Flair» zu schaffen. Auch die Sitzgelegenheiten könne man besser inszenieren, findet er: «Etwa, indem man sich Sitzbänke von Bruno Weber mithilfe von Sponsoren anschafft.» Zudem befürchtet er, dass die Stadt zu schnell zurückkrebsen könnte, sollten die Stühle tatsächlich Vandalenakten zum Opfer fallen. Er hoffe, dass gestohlene oder beschädigte Stühle dann auch rasch ersetzt werden. «Nicht nur Beginnen, sondern auch Durchhalten ist gefordert.»

«Schöne Geste der Stadt»

Dieser Meinung ist auch SP-Gemeinderat Manuel Peer: «Ich hoffe, ein paar der wohl kaum zu verhindernden Diebstähle sind mitbudgetiert.» Es wäre schade, sagt er, wenn diese zu einem vorschnellen Abbruch der Übung führen würden. Er bewertet die Aktion nämlich als «sehr schöne Geste der Stadt», die damit zeige, dass sie Wert auf Orte der Begegnung lege. Zudem seien die Stühle auch einfach sehr schön – halt «nicht wie die billigen Plastikmöbel, die man draussen sonst so sieht».