Jahresrechnung 2016
Trotz sattem Plus: Schlieren schnallt sich den Gürtel enger

Die Stadt nimmt 20 Millionen mehr ein, als erwartet – der Gewinnsteuer sei Dank.

Alex Rudolf
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Zwei Firmen verhelfen Schlieren zu einer guten Bilanz.

Zwei Firmen verhelfen Schlieren zu einer guten Bilanz.

Stadt Schlieren

Dass Gewinne zweier Schlieremer Firmen grosse Summen in die Stadtkassen spülen würden, hat der Stadtrat bereits im vergangenen Herbst bekannt gegeben. Damals war anstelle einer schwarzen Null die Rede von einem Plus von 14 Millionen Franken. Gestern veröffentlichte die Stadt nun ihre definitive Jahresrechnung für 2016 und es wird klar, dass noch weitere 6 Millionen dazukamen. So schliesst Schlieren mit einem Plus von 20 Millionen Franken ab. «Dies ist ein Rekordwert», sagt Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) erfreut.

Neben den Gewinnsteuern juristischer Personen aus früheren Jahren (13,3 Millionen Franken) und aus dem Rechnungsjahr (1,7 Millionen) trugen auch höhere Einnahmen bei der Quellensteuer (1 Million) und die Steuerausscheidungen von Gewinnsteuern juristischer Personen (2,4 Millionen) zum Ergebnis bei. Zudem entrichtete die Stadt weniger Zinsen auf Fremdkapital (600 000 Franken) und sparte wegen des Wegfalls von Kleinkinderbetreuungsbeiträgen rund 700 000 Franken. Mehr ausgegeben hat Schlieren hingegen bei der gesetzlichen wirtschaftlichen Hilfe (rund 700 000 Franken) und bei den Pflegeinstitutionen (rund 300 000 Franken). Auch konnten budgetierte Gewinne von rund 2,5 Millionen Franken aus dem Verkauf von Grundstücken noch nicht realisiert werden.

Nur 34 Millionen investiert

Unter dem Strich heisst dies, dass die Stadt für das vergangene Jahr bei einem Aufwand von 156,6 Millionen Franken Einnahmen von 176,6 Millionen Franken verbuchen kann.
Mit 34 Millionen Franken fallen die Investitionen geringer aus, als im Budget vorgesehen (47 Millionen). Davon entfielen gut 20 Millionen auf das neue Schulhaus Reitmen und 2,2 Millionen auf die neue Asylunterkunft. Selber kam die Stadt für rund 27 Millionen der Kosten auf, was einem Selbstfinanzierungsgrad von 80 Prozent entspricht. Somit erhöht sich die Nettoschuld pro Einwohner von 1218 Franken im 2015 auf 1453 Franken im vergangenen Jahr.

Das satte Plus von 20 Millionen Franken hat aber auch seine Schattenseite. «Wir dürfen uns heute freuen», so Stiefel, doch bereits in einigen Monaten werde ein riesiges Minus im Budget für das Jahr 2018 klaffen. Der Grund dafür ist die wegen des guten Jahresabschlusses angestiegene Steuerkraft pro Person im Vergleich zum Vorjahr. Ruckartig kletterte diese von 2751 auf 3755 Franken. Damit übersteigt dieser Wert erstmals das für den Ressourcenzuschuss relevante Kantonsmittel, sagt Stiefel weiter.

Tiefrote Zahlen im 2018

Dies habe zur Folge, dass Schlieren im 2018 keine Zahlungen aus dem kantonalen Finanzausgleich erhalten wird. Bislang bekam die Stadt jährlich jeweils zwischen 10 und 13 Millionen Franken. Weil dieser Zustupf dann wegfallen wird, rechne man im Budget 2018 mit einem zweistelligen Millionendefizit. Zwar wird das aktuelle Plus von 20 Millionen ins zweckfreie Eigenkapital übertragen, so Stiefel – dieses steigt somit auf knapp 120 Millionen Franken an. Doch lasse es das neue Rechnungsmodell HRM2 noch nicht zu, dass heute für das Jahr 2018 Rückstellungen zum Ausgleich fehlenden Ressourcenzuschusses getätigt würden.

Legende Blau = Steuerkraft Schlieren pro Einwohner / Grün = Grenze Ressourcenzuschuss pro Einwohner / Rot = Mittel Kanton (ohne Stadt Zürich) Steuerkraft pro Einwohner / Violet = Grenze Ressourcenabschöpfung pro Einwohner  

Legende Blau = Steuerkraft Schlieren pro Einwohner / Grün = Grenze Ressourcenzuschuss pro Einwohner / Rot = Mittel Kanton (ohne Stadt Zürich) Steuerkraft pro Einwohner / Violet = Grenze Ressourcenabschöpfung pro Einwohner  

Stadt Schlieren

Weil es sich bei den Gewinnsteuereinnahmen von juristischen Personen um ein einmaliges Ereignis handle, werde die Stadt ab 2019 wieder vom Finanzausgleich des Kantons profitieren. «Wie hoch diese Beträge sein werden, ist jedoch noch unklar, da sie abhängig davon sind, wie der Kanton dann finanziell dasteht», so Stiefel. Auch würden die anstehenden Investitionen eine Herausforderung: «Mit den geplanten Investitionen für den Stadtsaal, eine neue Alterseinrichtung und den Zentrumsplatz, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen, wird der Selbstfinanzierungsgrad wieder sinken.»

Aufgrund dieser Umstände müsse der Gürtel nun enger geschnallt werden. Ziel sei es, eine mittelfristig ausgeglichene Finanzlage zu präsentieren. Bereits im vergangenen Herbst gab Stiefel bekannt, dass aufgrund dieser Aussichten ein ressortübergreifendes Entlastungsprogramm lanciert worden sei, im Rahmen dessen die Einnahmen und Ausgaben aller Abteilungen genau untersucht und nach Optimierungen überprüft werden sollten. «Noch können wir keine Angaben zu diesen Optimierungen machen. Wir gehen damit zu gegebener Zeit an die Öffentlichkeit.»