Der Dietiker Schulraum wird knapper und knapper. Das versucht der Stadtrat gar nicht erst zu beschönigen: «Die Schule Dietikon bewegt sich stetig weiter weg von den Empfehlungen über den notwendigen Schulraum», gibt er zu Protokoll, und doppelt nach: «Die Auswirkungen auf die Belastung der Klassen und die Qualität des Unterrichts sind unverkennbar.»

Nun ist auch klar: Vom Nachbar Schlieren kann Dietikon in dieser Sache keine Hilfe erwarten, wie aus der Antwort auf ein Postulat vom Dietiker Gemeinderat Rochus Burtscher (SVP) hervorgeht. Burtscher und 20 Mitunterzeichnende fast aller Parlamentsparteien ersuchten den Stadtrat im vergangenen Oktober, Gespräche mit Schlieren aufzunehmen.

Die Forderung: Um zu vermeiden, dass Dietikon unter dem steigenden Druck zu «einer schnellen und unüberlegten Handlung» gezwungen werde, solle man versuchen, einen Teil der Dietiker Schüler im entstehenden Schlieremer Schulhaus Reitmen temporär einzumieten.

Der Vorstoss erreichte den Dietiker Stadtrat rund vier Monate, nachdem dieser einen ernüchternden Zwischenbericht zur Causa Schulraumplanung ablieferte. Eine baldige und nachhaltige Alternative zum 2012 klar verworfenen Mietschulhaus im Limmatfeld zeichne sich weiterhin nicht ab, gab die Exekutive im letzten Sommer bekannt, vorerst setze man deshalb auf Klassenverdichtungen und Provisorien auf der Schulanlage Steinmürli.

Denn für die Planung eines Schulhausneubaus im Stadtteil Limmatfeld warte man nach wie vor auf den Bericht des Kantons, der Klarheit darüber schaffen wird, ob ein solcher im Gebiet Stierenmatt machbar wäre oder ob die Moorschutzbestimmungen diese Pläne verunmöglichen werden.

Schulraumknappheit ist akut

Abwarten und Tee trinken: Das war für die Postulanten keine gangbare Lösung. Auch der Stadt ist längst bewusst, dass es so nicht lange weitergehen kann. Denn die Schulraumknappheit ist akut. Zwar könnten die geplanten Provisorien eine gewisse Abhilfe schaffen. Doch auch diese werden erst 2017 bereitstehen. Schon nur für eine «Annäherung an die Empfehlungen» der kantonalen Bildungsdirektion seien der Bezug eines neuen Schulhauses, die Erweiterung der Schuleinheit Wolfsmatt und die Bereitstellung von Gruppenräumen in der Luberzen vonnöten, so der Stadtrat.

Derweil will Schlieren gemäss Dietiker Exekutive nach langen Jahren eigener «Provisorien und Kompromisse mit dem Schulhaus Reitmen die Strukturen vereinbaren und keinesfalls erschweren». Ein Einmieten von Klassen der Schule Dietikon in die «bestehende Schulhausstruktur und -kultur mit parallelen Strukturen» sei daher «nicht denkbar».

Die Querversetzung einzelner Schüler sei hingegen «grundsätzlich möglich». Geht man von 21 Schülern aus, fielen in Dietikon dafür aber Kosten von fast 300 000 Franken pro Jahr an. Zudem zweifelt der Stadtrat daran, dass diese Massnahme tatsächlich die gewünschte Entlastung bringen würde.

«Wille ist schlicht nicht vorhanden»

Der Postulant ist über die abschlägige Antwort enttäuscht: «Ich finde es sehr schade, dass der Schlieremer Stadtrat nicht Hand dafür bieten will, Dietikon mit seinem Schulraumproblem etwas Luft zu verschaffen – zumal es sich bei unserer Anfrage ja wirklich nur um eine temporäre Massnahme gehandelt hätte», sagt Burtscher auf Anfrage.

Zudem bezweifelt er, dass der Platz im neuen Schlieremer Schulhaus tatsächlich nicht für die Unterbringung von ein paar Dietiker Klassen ausreiche: «Wenn das Schulhaus Reitmen schon vom ersten Tag an ausgelastet wäre, hätte die Stadt schlecht geplant — jedes neue Schulhaus muss doch Reserven für die Zukunft bereithalten.» In Schlieren, das auch künftig wachsen werde, gelte dies umso mehr.

Zudem werde mit der Aufschiebung des Bauprojekts der AXA Winterthur ja gerade eine Überbauung bis auf weiteres nicht realisiert, womit nun auch Schüler nicht kommen werden, auf die Schlieren in seiner Schulraumplanung eingestellt war, so Burtscher. Kurz: «Der Grund für die Absage ist ziemlich klar: Der Wille, zu helfen, ist schlicht nicht vorhanden. Das ist enttäuschend.»

Teilweise positiv überrascht zeigt sich Burtscher hingegen vom eigenen Stadtrat: Dass dieser schon frühzeitig Gespräche mit Schlierens Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) über eine temporäre Miete von Klassenzimmern aufgenommen hatte, freut ihn. «Schön wäre es aber gewesen, wenn er den Gemeinderat danach auch darüber informiert hätte. Dann hätte man sich den Vorstoss nämlich sparen können.»

Dass die Unterrichtsqualität unter dem Schulraumproblem so massiv leidet, wie der Stadtrat schreibt, glaubt Burtscher derweil nicht: «Wir haben gute Lehrer. Ich bezweifle, dass die Qualität nur aufgrund der Schulraumknappheit leiden wird.»