Birmensdorf
Trotz neuer Kläranlage gilt: «Keine Feuchttüechli, bitte»

Die zweite Etappe der Kläranlage Birmensdorf ist fertiggestellt – die moderne Technik hat positive Auswirkungen auf die Wasserqualität der Reppisch

Alex Rudolf
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Kläranlage Birmensdorf
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Unscheinbar mutet der Eingang zu den neuen technischen Anlagen an, von denen die meisten im Untergrund sind
Dieser Tage wird der Betrieb aufgenommen. Das neue Schmutzwasserbecken der ARA Birmensdorf
Noch sprudelt es in den alten Becken, deren Betrieb bald eingestellt wird
Sie werden bis ins Jahr 2018 saniert. Dann werden sie mit erhöhter Kapazität wieder eingesetzt
Im Untergrund viel Technik - beim Rundgang liessen sich Behördenvertreter die Mechanismen erklären
Nach Abschluss der Sanierung der alten Kläranlage wird sich die Kapazität verdoppeln

Kläranlage Birmensdorf

Rudolf Alex

Dunkelbraunes Wasser sprudelt noch in den beiden alten Becken der Kläranlage ARA Birmensdorf. Damit ist jedoch dieser Tage Schluss, denn die beiden neuen, silbern glänzenden Schmutzwasserbecken stehen bereit, die Säuberung zu übernehmen. Die zweite Ausbauetappe ist nämlich abgeschlossen, die neue Anlage ist betriebsbereit, wie Alex Benz vom verantwortlich zeichnenden Ingenieurbüro Hunziker Betatech AG anlässlich eines Rundgangs sagte.

Das Stimmvolk der sechs Anschlussgemeinden Aesch, Birmensdorf, Uitikon, Bonstetten, Stallikon und Wettswil sprach im Jahr 2013 einen Kredit in der Höhe von gut 25,6 Millionen Franken für die Erweiterung der Kläranlage. Mit der Fertigstellung der zweiten Etappe verfügt die ARA Birmensdorf nun über einen neuen Zulaufkanal, ein neues Entlastungswerk, das Abwasser auf das neue Regenbecken verteilt, neue Feinrechen- und Sandfänge, ein Pumpwerk wie auch über ein komplett neues Gebäude. Sprich über einen autonom funktionierenden Kläranlageteil.


In wenigen Tagen wird die Vorreinigungsanlage aus den 1960er-Jahren abgestellt und bis ins Jahr 2018 in Etappen saniert. Dabei handelt es sich um die dritte und letzte Ausbauetappe. Danach wird die Kapazität des Werks um 30 Prozent erhöht, da beide Anlagen in Betrieb sein werden. Mit diesem Schritt will man sich für das erwartete Bevölkerungswachstum in den Anschlussgemeinden rüsten. Bis zum Jahr 2030 sollen dort nämlich 33 000 Einwohner leben (Stand 2015: 25 300). Nun ist die Hälfte des Kredites ausgegeben und auch die Hälfte der Zeit verstrichen: «Wir sind im Zeitplan», sagt Benz.

Toilettenpapier bevorzugt

Das Herzstück des neuen Bauwerks befindet sich unter dem Boden. Dabei handelt es sich um die mechanische Reinigungsanlage, wo etwa Kieselsteine oder Papierreste aus dem Abwasser entfernt werden. Obwohl hier mit moderner Technik gearbeitet wird, bleiben noch einige Herausforderungen: «Feuchttüchli sollten Sie nicht verwenden, da diese nicht zerreissen und in den Pumpen stecken bleiben», sagt Benz am Rundgang. Herkömmliches Toilettenpapier zerreisse leicht und lasse sich in der ersten Station, welche das Schmutzwasser in der ARA Birmensdorf absolviert, problemlos herausfiltern.

Feine Verschmutzungen, wie etwa mit feinem Geröll oder Sand, werden durch den Sandfang vollzogen. «Da der gewaschene Sand kein organisches Material enthält, wird er im Anschluss entsorgt», so Benz. Für einen Sandkasten oder ein Blumenbeet könne er nicht verwendet werden, da er noch immer Giftstoffe enthalte.

220 Liter pro Sekunde verarbeiten

Die Reinigung von Wasser braucht aber auch Energie. Im komplett neu erstellten unterirdischen Bau wird diese in Form von Biogas hergestellt. Diese Energie wird grösstenteils dazu verwendet, das Schmutzwasser mit Sauerstoff zu versetzen. Denn: «Die Mikroorganismen oder Schlammflocken, welche das Wasser von Schadstoffen befreien, brauchen sehr viel Sauerstoff», so Benz. Mittels Pumpwerk findet das nun sauerstoffreiche Wasser den Weg zurück an die Erdoberfläche, wo es in die beiden Becken eingelassen wird und sich die Mikroorganismen an die Arbeit machen.

Rund 220 Liter Abwasser können in den beiden neuen Becken sekündlich verarbeitet werden. «Diesen Wert erreichen wir mit einer Erhöhung der Becken um ein paar Meter», sagt Benz. Dadurch steigt aber nicht nur die Kapazität, auch die Qualität des Wassers, das zurück in die Reppisch fliesst, wird verbessert. «Wir können mit dem neuen Becken die vorgeschriebenen Stickstoff-Grenzwerte noch besser einhalten, da es für diesen Prozess mehr Beckenvolumen braucht.» Stickstoffe sind vor allem für die Weltmeere problematisch, da sie zu einer Überdüngung des Wassers führen.