Mit 17 zu 12 Stimmen erklärte das Schlieremer Parlament an seiner gestrigen Sitzung die Motion «Ruftaxi» von Gaby Niederer (Quartierverein) für erheblich. Somit muss der Stadtrat innerhalb der nächsten sechs Monate eine Umsetzungsvorlage ausarbeiten. Niederer verlangt in ihrem Vorstoss die Einführung eines Ruftaxi-Dienstes für Personen, die an peripheren Gebieten Schlierens wohnen. Ein Pilotversuch von zwei Jahren soll es Bewohnern des Schlierenbergs, der Kampstrasse, der Lättenstrasse und der Langackerstrasse ermöglichen, ein Taxi auf Wunsch zu bestellen, das sie ins Zentrum bringt.

Anfang Jahr präsentierte der Stadtrat in seinem Bericht an das Gemeindeparlament einen Umsetzungsvorschlag. Demnach würde der Testbetrieb von zwei Jahren 110'000 Franken kosten. Für die Nutzer entstehen Kosten von 5 Franken pro Einzelfahrt. Die Exekutive schätzt, dass mit diesem Programm jährlich rund 5000 Einzelfahrten getätigt werden. Aus Kostengründen, grossem administrativem Aufwand und Unausgewogenheit des Perimeters empfahl der Stadtrat die Motion zur Ablehnung.

«Stadtrat steckt Kopf in den Sand»

Niederer gab sich damit nicht zufrieden. Zwar gab sie zu, dass es sich bei 110'000 Franken um viel Geld handle. «Doch erhalten die Anwohner für dieses Geld einen guten und notwendigen Dienst.» Ihrer Meinung nach könnten die Kosten noch optimiert werden, etwa mit einer Ausschreibung des Auftrags für den Taxi-Anbieter. Und der administrative Aufwand liesse sich mit der Zeit wohl ebenfalls optimieren. Definitiv müsse noch ausgearbeitet werden, wer genau zu einer Nutzung des Dienstes berechtigt sei. Für Niederer stehe jedoch fest: «Mit seiner Antwort steckt der Stadtrat den Kopf in den Sand. Wir brauchen einen Pilotversuch, um herauszufinden, ob es das Angebot braucht.»

«Wir müssen abwägen, ob sich die Investitionen, die wir tätigen, auch wirklich lohnen», so Stefano Kunz (CVP). Der für dieses Dossier verantwortliche Stadtrat sagte, dass der Teufel in diesem Geschäft im Detail stecke. «Es ist einfach, hier vorne vom Rednerpult des Parlaments zu sagen, dass die Kosten dann schon sinken würden und der administrative Aufwand mit der Zeit kleiner würde», sagte er in Richtung Niederer. «Wir haben uns intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und sind zum Schluss gekommen, dass Optimierungen eben genau nicht mehr möglich sind. «Mehr geht nicht zu diesem Preis».

Während sich Kunz’ Partei die CVP weiterhin für die Motion aussprach, stellte sich die SVP, aus deren Reihen zahlreiche Unterstützer der Motion stammen, gegen den Vorstoss. «Die Situation mit der neuen Bushaltestelle Kampstrasse hat sich geändert», sagte SVP-Sprecher Beat Kilchenmann und plädierte für Abschreibung. Doch brauchte Niederers Vorstoss die Stimmen der SVP nicht. Nun da die Motion mit 17 zu 12 Stimmen für erheblich erklärt wurde, muss der Stadtrat eine Umsetzungsvorlage präsentieren.