Auto-Occasionshandel im Niderfeld

Trotz Kritik: Für die Stadt Dietikon ist alles im grünen Bereich

Schön anzusehen ist nur das üppig blühende Rapsfeld daneben: Einer der Auto-Occasionshändler auf dem Niderfeld.

Schön anzusehen ist nur das üppig blühende Rapsfeld daneben: Einer der Auto-Occasionshändler auf dem Niderfeld.

Die Auto-Occasionshandlungen im Niderfeld sind alle bewilligt, aber noch sind Fragen offen.

Karosse reiht sich an Karosse, bis weit in die angrenzenden Felder hinein. Manche Autos blinken in der Sonne, manche tragen eine staubige Schicht als Zeichen ihres Mauerblümchendaseins. Autohandel und Occasionshandel gehören zu Agglomerationsgemeinden, lassen aber deren Ortsbild leiden. Im Niderfeld, Dietikons grosser Baulandreserve am westlichen Ortsausgang, haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Occasionshändler niedergelassen. Martin Müller, Gemeinderat der DP, zwang die Stadt mit einer Interpellation Ende November 2016 dazu, hier genauer hinzuschauen. Mittlerweile liegt deren Antwort vor.

Müller bezweifelte nicht nur, dass alle Händler über eine Bewilligung verfügen. Ihn trieben auch Fragen nach den feuerpolizeilichen und umweltrechtlichen Kontrollen um. «Meistens stehen die Wagen auf unbefestigtem Grund, was umwelttechnisch problematisch sein dürfte, verlieren doch insbesondere ältere Autos häufig Öl und andere Flüssigkeiten», formuliert er in seiner Interpellation. Ausserdem gab er seiner Befürchtung Ausdruck, dass der Stadtrat die Händler gewähren liesse, in der Hoffnung, dass diese mit der Überbauung des Niderfelds automatisch wieder verschwänden. Müller verweist darauf, dass vor einigen Jahren im Gebiet Niderfeld einige wenige Autooccasionshandlungen nachträglich schon einmal baurechtlich legitimiert worden seien – eine Gefahr, die in seinen Augen jetzt wieder drohen könnte.

Für die Stadt ist in Sachen Occasionshandel an der Überlandstrasse jedoch alles im grünen Bereich. Alle Betriebe seien bewilligt oder im Bewilligungsverfahren befindlich. Die Frage nach dem Gewohnheitsrecht stelle sich also nicht. Auch die Umnutzung eines Werkhofs zu einem Occasionshandel, die Müller hinterfragte, sei rechtens, so die Stadt. Gemäss Zonenplan handle es sich entweder um eine Industriezone oder um eine Wohnzone mit Gewerbeerleichterung. «In beiden Zonen ist der Auto-Occasionshandel zonenkonform und daher bewilligungsfähig», so die Stadt.

Händler kontrollieren sich selbst

Gemäss einer Weisung der Kantonalen Feuerpolizei aus dem Jahr 2012 sind Garagenbetriebe von der periodischen feuerpolizeilichen Kontrollpflicht befreit. «Sie unterstehen demgemäss der Eigenkontrolle und damit der Eigenverantwortung», so die Stadt. Um die umweltrechtliche Kontrolle der Betriebe kümmert sich der Autogewerbeverband der Schweiz (AGVS), der die Einhaltung der abfall-, gewässerschutz- und lufthygienischen Vorschriften im Auto- und Transportgewerbe unter die Lupe nimmt. Die erste Kontrolle erfolgt bei Abnahme des Betriebs, die zweite nach zwei Jahren, danach werden die Betriebe alle drei Jahre kontrolliert. «Erfüllt ein Betrieb die Anforderungen der Umweltschutzgesetzgebung nicht, beantragt die kantonale Umweltschutzfachstelle beim Strassenverkehrsamt den Entzug des Händlerschildes», erläutert die Stadt.

Nicht nur Martin Müller steht dem Occasionshandel im Niderfeld kritisch gegenüber. Auch Gemeinderat Ernst Joss (AL) beschäftigen die dort angesiedelten Betriebe. Er zeigte sich gestern nicht zufrieden mit der Antwort der Stadt und wird an der Gemeinderatssitzung am 4. Mai auch das Wort dazu ergreifen.

Joss bezweifelt Rechtmässigkeit

Die Auto-Occasionshandlung am Niderfelder Maienweg habe sich ursprünglich auf dem Gebiet der heutigen Überbauung Dreispitz befunden, so Joss. Seinerzeit wollte der Stadtrat die Bewilligung nicht erteilen. Dem Betreiber sei es aber gelungen, diese auf gerichtlichem Weg durchzusetzen, wobei nach Auskunft des damaligen Bausekretärs auf einen Ausbau des Maienwegs verzichtet werden konnte, da die Bewilligung auf fünf Jahre befristet war. Joss: «Nach Ablauf der fünf Jahre verpasste es der Stadtrat offenbar, die Aufhebung durchzusetzen. Auf Nachfrage meinerseits wurde mir gesagt, dies gehe mich nichts an.

Spätere Versuche, die Bewilligung zu entziehen, scheiterten schliesslich.» Auch die Occasionshandlung in der ehemaligen Reithalle Balsiger erregt Joss’ Unmut. In einer Fragestunde des Gemeinderates habe er die Auskunft erhalten, diese sei zonenkonform und daher bewilligungspflichtig. «In diesem Gebiet besteht eine Gestaltungsplanpflicht. Offensichtlich gibt es aber keinen Gestaltungsplan, sodass erhebliche Zweifel an der Rechtmässigkeit dieser Occasionshandlung bestehen.»

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