Seit Wochen ist es heiss und trocken. Arbeiten muss man trotzdem. Glück hat der, der als Bauarbeiter die langen Hosen, als Bankangestellter die Krawatte, als Musikant den Hut, nicht tragen muss. Nicht alle Arbeitgeber erlauben das Anpassen der Kleidung an die Hitze. Oft sind es Sicherheitsvorschriften, die eine Tenue-Erleichterung verhindern, manchmal aber nur der Wunsch nach dem Anschein von Professionalität.

  • Bankangestellte

Die Angestellten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sollen trotz Gluthitze gleich angezogen sein wie im Winter. Die Bank mit Filialen in Dietikon, Uitikon und Schlieren sagt auf Anfrage, die «Ratschläge im Leitfaden zum Erscheinungsbild und Verhalten» gelten das ganze Jahr. Dieser Leitfaden entspreche branchenüblichen Standards. Genaueres will die ZKB nicht sagen. Anzug und Krawatte sind aber wohl sicher dabei.
Auch in der Raiffeisenbank an der Limmat bleibt der normale Dresscode bestehen. Für Mitarbeiter mit Kundenkontakt ist die Krawatte also trotz des heissen Wetters obligatorisch. Die Bank verweist darauf, dass die Räume klimatisiert seien.

  • Kehrichtabfuhr

Müllmänner fahren hinten auf dem Trittbrett, wenn sie gerade keine Container entleeren. Sie sind also bei dieser Gluthitze den ganzen Tag draussen. «Lange Sicherheitshosen und Leuchtwesten sind auch bei den jetzigen Temperaturen obligatorisch», sagt Sandra Furrer, Disponentin der Bader Paul Transporte Regensdorf. Die Firma entsorgt für verschiedene Gemeinden rechts der Limmat den Abfall. Das Tragen von langen Sicherheitshosen schütze vor allem vor Schnittverletzungen an den Beinen, da immer noch viele einzelne Kehrichtsäcke von Hand verladen werden. «Es kommt immer wieder vor, dass die Kehrichtsäcke Glasscherben oder andere scharfe Gegenstände enthalten», sagt Furrer.

  • Energieversorgung

«Wir stellen Arbeitskleider, aus denen die Angestellten grundsätzlich frei wählen können», sagt Gabriela Kofel von der Limeco. Die interkommunale Anstalt betreibt die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) sowie die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Dietikon und produziert Regiowärme. Entsprechend viele Angestellte arbeiten draussen und sind der Hitze ausgesetzt. Das Angebot an Kleidern reiche von T-Shirts bis zu Winterjacken. Natürlich gälten zum Beispiel für einen Unterhaltsmechaniker, der auf einer Baustelle etwas repariert, Sicherheitsbestimmungen. Er muss unter anderem Helm, lange Hosen und Sicherheitsschuhe tragen.

  • Zugpersonal und Kondukteure

Die Zugführer der Bremgarten-Dietikon-Bahn haben das ganze Jahr die Wahl zwischen verschiedenen Tenues. Im Sommer greifen die Lokführer vor allem zu kurzärmligen Hemden und Polo-Shirts, sagt Alexandra Joho von Aargau Verkehr. So heisst die BDWM Transport, nachdem sie mit der Wynental- und Suhrentalbahn fusioniert hat. Vorgeschrieben bleiben den Lokführern lange Hosen. Die Führerstände, zumindest des neueren Zugmodells Diamant, seien klimatisiert. Die Kondukteure dürfen mit T-Shirt oder Polohemd Billette kontrollieren, müssen dabei aber ebenfalls die langen Hosen tragen.

  • Bauarbeiter

Auch hier gehen die Sicherheitsvorschriften und der Schutz vor starker Sonneneinstrahlung auf die Haut dem Wunsch nach Tenue-Erleichterung vor. So sind bei der Baufirma Implenia Helm und lange Hosen auch bei den aktuell herrschenden Bedingungen angesagt. Man versuche aber, den Bauarbeitern die Temperaturbelastung erträglicher zu machen, sagt Mediensprecherin Francesca Romano. So werden speziell leichtere Sommerhosen mit Lüftungsöffnungen, genügend Wasser und Sonnenschutz zur Verfügung gestellt. Wenn möglich werden die Baustellen beschattet und gewisse Arbeiten in den Morgen vorverlegt. «Die Bauleiter vor Ort haben diesbezüglich einen gewissen Spielraum», sagt Romano.

  • Musiker und Harmonie Birmensdorf

Die Harmonie Birmensdorf ist zwar kein Unternehmen, hat aber strenge Kleidervorschriften. Am 1. August leisteten die Musikerinnen und Musiker Akkordarbeit. Gleich an drei Bundesfeiern spielte die Harmonie. Wegen der grossen Hitze trat sie im Tenue légère auf. Dieses ist aber ebenfalls formell: lange schwarze Hosen, langärmlige weisse Hemden und einheitliche Krawatten. «Eigentlich planten wir, weil die Bundesfeier ein offizieller Anlass ist, mit kompletter Uniform zu spielen», sagt die Dirigentin Cäcilia Gebhardt. Das hätte zusätzlich Kittel, Gilet und Hut geheissen. «Der körperliche Einsatz der Musiker ist sehr gross. Bei grosser Hitze wird es in der Uniform sehr anstrengend. Also haben wir uns kurzfristig am Morgen entschieden, im lockereren Tenue zu spielen», sagte Gebhardt, die im Blazer dirigierte. Andere Anlässe, die keinen offiziellen Charakter haben, bestreitet die Harmonie Birmensdorf vermehrt im Vereinsshirt.