Limmattal
Trotz Förderung durch den Kanton: Für Tagesschulen soll es zu wenig Platz haben

Die Idee wird zwar positiv bewertet, trotzdem wird sich in nächster Zeit in der Region an der schwierigen Situation für Tagesschulen nichts ändern. Dafür bräuchte es zusätzliche Flächen, die zur Zeit nicht zur Verfügung stehen.

Alex Rudolf
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In der Region Limmattal hat es für Tagesstrukturen zu wenig Platz. (Archivbild/Symbolbild)

In der Region Limmattal hat es für Tagesstrukturen zu wenig Platz. (Archivbild/Symbolbild)

Carolin Frei

Keine der aktuell 14 Tagesschulen im Kanton Zürich ist im Bezirk Dietikon zu finden. Auch in naher Zukunft wird sich daran wohl nichts ändern. Dies obwohl der Regierungsrat jüngst einen Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung schickte, der die Tagesschulen fördern soll. Ob Gemeinden solche anbieten und Eltern ihre Kinder dort unterrichten lassen wollen, bleibt freiwillig. Das Volksschulamt will jenen Gemeinden Unterstützung bieten, welche künftig auf Tagesschulen setzten.

Der Dietiker Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani (SVP) bewertet Tagesschulen, die per Definition Betreuungsangebote zwischen 7.30 morgens und 18 Uhr anbieten, als grundsätzlich positiv. «Das Problem dabei ist, dass dafür stets zusätzliche Flächen benötigt werden. Diese stehen in Dietikon derzeit schlichtweg nicht zur Verfügung», so Balbiani. Das heutige Angebot der Dietiker Schulen, bestehend aus modularen Tagesstrukturen, wie etwa Kinderhorte und Mittagstische, werde rege genutzt und müsse – bedingt durch das Bevölkerungswachstum – stetig ausgebaut werden. Balbiani ist überzeugt, dass auch Tagesschulen auf grosses Interesse stossen würden. «In der Schulpflege kommt dieses Thema regelmässig auf den Tisch. Neben den fehlenden Räumen sehen wir aber auch aus finanzieller Sicht keine Möglichkeit, in naher Zukunft solche anzubieten.» Zumal die Unterstützung des Kantons rein beratender und nicht finanzieller Natur ist.

Priorität liegt woanders

In Schlieren kam das Thema bereits vor rund zwei Jahren aufs politische Parkett. Die damalige SP-Gemeinderätin Béatrice Miller verlangte in einem Postulat die Erstellung eines Konzeptes und die Durchführung eines Pilotprojekts für Tagesschulen. Der Stadtrat wie auch eine Mehrheit des Gemeinderates stellten sich dagegen, da man der Ansicht war, dass die modularen Tagesstrukturen, welche die Stadt anbietet, für Schlieren die bessere Lösung sei. Miller monierte aber im Vorfeld der Debatte, dass das Schlieremer Modell ein «Flickenteppich» sei, das ein integriertes pädagogisches Konzept entbehre.

Heute sagt die Schlieremer Schulvorsteherin Beatrice Krebs (FDP), dass sie dem Konzept der Tagesschulen – damals wie heute – durchaus positiv gegenüberstehe. «Doch ist in Schlieren der Zeitpunkt für eine Einführung der falsche», betont sie. Oberste Priorität sei derzeit, ausreichend Schulraum bereitzustellen. «Zudem erstellen wir ein Konzept zur Ansiedelung von Betreuungsangeboten in unmittelbarer Nähe zu den Schulhäusern.» Mit dem Neubau des Schulhauses Reitmen an der Badenerstrasse werde ein grosser Schritt getan, da dort die Infrastruktur für einen Mittagstisch sowie einen Hort vorhanden sei. «Der Stadt ist es indes wichtig, dass diese Angebote weiterhin auf Freiwilligkeit basieren», so Krebs. Bezüglich der Nachfrage ist sich Krebs sicher, dass es in Schlieren Eltern gebe, die ihr Kind in eine Tagesschule schicken möchten. «Dass es sich dabei um die Mehrheit handelt, denke ich jedoch nicht.»

Zürcher Modell ist ungünstig

Anders sieht es in Zürich aus. Der dortige Schulvorstand Gerold Lauber (CVP) hat sich zum Ziel gesetzt, flächendeckend bis ins Jahr 2025 Tagesschulen einzuführen. Für den geplanten Testversuch an fünf Stadtzürcher Schulen liegt die Abmeldequote auf sehr geringem Niveau. Lediglich 7 Prozent der Primar- und 27 Prozent der Sekschüler nehmen das Betreuungsangebot an Tagesschulen nicht in Anspruch. Für Krebs ist dies aber eher eine ungünstige Lösung: «Weil bei Tagesschulen Unterricht und Betreuung auch pädagogisch ineinander verstrickt sind, sollten nicht einige Kinder nur den schulischen Teil besuchen.»